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  Herr Botschafter
Rede von S.E. Herrn Botschafter Wu Hongbo beim Bundestag, 23. Februar 2010
 (2010-03-16)

Am 23. Februar nahm Herr Botschafter Wu Hongbo auf Einladung des Bundestags am Zukunftssalon Umwelt teil und hielt dabei eine Rede, die folgenden Wortlaut hat.

    
Sehr geehrte Mitglieder des Deutschen Bundestags,

meine Damen und Herren,

guten Abend. Es ist mir eine große Freude, mit Ihnen das wichtige Thema Klimawandel zu diskutieren.

Als ich auf den Philippinen auf Posten war, wurde mir gesagt: Wenn Sie zwei Abgeordneten dazu bringen, dass sie fünf Minuten lang zusammen im gleichen Zimmer bleiben, dann ist das schon ein Erfolg. Ich hoffe, dass die Abgeordneten heute abend mindestens fünf Minuten durchhalten.

Die globale Klimaerwärmung ist eine allgemeine Herausforderung für die internationale Gemeinschaft und zugleich eine wichtige Frage für die Existenz und Entwicklung der Menschheit. In der heutigen Diskussion möchte ich versuchen, vier Fragen zu beantworten: Erstens, wie ist es zum Klimawandel gekommen? Zweitens, was hat China zur Bewältigung des Klimawandels getan? Drittens, warum ist an dem Prinzip der gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortung festzuhalten? Und viertens, was sind die wichtigsten Überlegungen Chinas in Bezug auf die nächste Phase der globalen Zusammenarbeit gegen den Klimawandel?

Zu Punkt eins: Wie ist es zum Klimawandel gekommen? Es ist allgemein bekannt, dass der Klimawandel in engem Zusammenhang mit menschlichen Aktivitäten steht und dass die CO2-Emissionen die Hauptursache für die Klimaerwärmung darstellen. Heute möchte ich dieses Thema aber aus einer anderen Perspektive behandeln. Hierzu einige Daten:

Historisch betrachtet wurden in den 155 Jahren von 1850 bis 2005 weltweit 1.122,2 Mrd. t Kohlendioxid emittiert, 806,5 Mrd. t davon von den entwickelten Ländern. Der Anteil der entwickelten Länder an den Gesamtemissionen in diesem Zeitraum betrug 72%, davon entfielen 27,5% auf die EU-Staaten. Heutzutage macht die Bevölkerung der entwickelten Länder 20% der Weltbevölkerung aus, die jährlichen Emissionen dieser Länder aber 55% der Gesamtemissionen.

Pro Kopf gerechnet wurden in den 155 Jahren von 1850 bis 2005 weltweit durchschnittlich 173 t CO2 ausgestoßen. In den EU-Staaten wurden in diesem Zeitraum pro Person 542 t ausgestoßen, in Deutschland sogar 958 t. In China waren es 71 t, also fast ein Achtel des EU- Durchschnitts und ein Dreizehntel des deutschen Wertes. Heute hat China bei den Pro-Kopf- Emissionen gerade einmal den weltweiten Durchschnittswert von etwa 4 t erreicht.

Hieraus wird ersichtlich, dass der Klimawandel seinen Hauptgrund in den menschlichen Aktivitäten seit der Industriellen Revolution hat und vor allem dadurch verursacht wurde, dass im Zuge der Industrialisierung und Urbanisierung in großem Stil Energie und Ressourcen verbraucht und Treibhausgase ausgestoßen wurden. Aufgrund der unterschiedlichen Niveaus der wirtschaftlichen Entwicklung in verschiedenen Ländern gab es große Unterschiede bei den Gesamt- und den Pro-Kopf-Emissionen verschiedener Staaten in den vergangenen 200 Jahren. Trotzdem ist kein Land in der Lage, sich dem Problem Klimawandel ganz allein zu stellen, alle Staaten weltweit müssen gemeinsame Anstrengungen unternehmen.

Meine Damen und Herren,

derzeit sind in China die Pro-Kopf-Emissionen nicht hoch, aufgrund der großen Bevölkerung sind aber die Gesamtemissionen und deren Auswirkung auf die Lebensumwelt der Menschheit unübersehbar. Die chinesische Regierung hat diese Problematik relativ früh erkannt und ergreift parallel zur Entwicklung der Wirtschaft ganz bewusst Maßnahmen zur Bewältigung des Klimawandels und zum Umweltschutz, um nicht den alten Weg der entwickelten Staaten einzuschlagen, „erst Verschmutzung, dann Sanierung". Hierzu möchte ich Ihnen gerne einige weitere Informationen geben.

Erstens: China hat für den Kampf gegen den Klimawandel bereits Leitungsstrukturen geschaffen und eine strategische Planung ausgearbeitet. Schon im Jahr 1990 hat China eine Nationale Koordinierungsgruppe gegen den Klimawandel eingerichtet, hatte also als eines der ersten Länder weltweit ein solches Koordinierungsgremium auf nationaler Ebene. Im Juni 2007 hat China die Nationale Leitungsgruppe gegen den Klimawandel unter Vorsitz von Ministerpräsidenten Wen Jiabao gegründet und das „Nationale Konzept zur Bewältigung des Klimawandels" herausgegeben, in dem Politik und Maßnahmen Chinas zur Bewältigung des Klimawandels bis 2010 umfassend dargelegt werden. Das war nicht nur das erste umfassende politische Dokument Chinas zur Bewältigung des Klimawandels, sondern auch das erste nationale Konzept zu diesem Thema in einem Entwicklungsland.

Zweitens: China erörtert intensiv ein neues Entwicklungsmodell der „wissenschaftlichen Entwicklung", fördert Energieeinsparungen und Emissionsreduzierungen stark und hat eine Reihe wirkungsvoller Maßnahmen ergriffen, nämlich

-- kontinuierliche Aufforstungen in großem Stil zum Ausbau von Wald als Kohlenstoffsenke. Der 12. März ist in China der Tag des Baumpflanzens, dieser Feiertag besteht bereits seit 85 Jahren. Das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung hat im letzten Monat einen Bericht vorgelegt, wonach die künstlich aufgeforstete Fläche in China 73% der weltweit von Menschen angelegten Waldfläche ausmacht, das ist Platz 1 weltweit. Angaben des Chinesischen Forstamts zufolge hat China eine Fläche von 620.000 km² aufgeforstet, das ist das 1,7fache des Territoriums der Bundesrepublik, ingesamt wurden hierdurch bereits 3 Mrd. t CO2 absorbiert.

-- Schließung von Unternehmen mit hoher Umweltverschmutzung, Stilllegung rückständiger Produktionskapazitäten. Von 2006 bis 2008 hat China 605,9 Mio. t Eisen-, 434,7 Mio. t Stahl-, 140 Mio. t Zement- und 644,5 Mio. t Koks-Produktionskapazitäten mit niedriger Energieeffizienz stillgelegt. China hat kleine Kohlekraftwerke mit hohem Energieverbrauch und starker Umweltbelastung mit einer Gesamtleistung von 54,07 GW geschlossen; das entspricht etwa der Hälfte der installierten Gesamtleistung Deutschlands und bedeutet eine jährliche Emissionsminderung von etwa 124 Mio. t CO2 sowie eine Senkung des Kohleverbrauchs pro erzeugter Kilowattstunde um 20%. In diesem Jahr plant China die Stilllegung weiterer kleiner Kohlekraftwerke mit insgesamt 10 GW Leistung.

-- verstärkte Entwicklung von Branchen mit niedrigen Emissionen und neuen Energien. China ist das Land, in dem sich neue und erneuerbare Energien am schnellsten entwickeln. Derzeit nutzt ein Zehntel der chinesischen Haushalte Solarenergie zur Warmwasserbereitung, d.h. mehr als 60% aller Solarenergie-Warmwassergeräte weltweit sind in China installiert. 30,5 Mio. Haushalte in ländlichen Gebieten nutzen schon Biogas, was eine Minderung der CO2-Emissionen von über 49 Mio. t bedeutet. China liegt bei der für Solarenergie genutzten Fläche sowie bei der Erzeugung von Strom aus Wasserkraft weltweit an erster Stelle, und wird wahrscheinlich noch in diesem Jahr zum - hinter Deutschland - zweitgrößten Produzenten von Windkraft aufsteigen. Von 2005 bis 2008 war bei erneuerbaren Energien in China ein Zuwachs um 51% zu verzeichnen, das ist eine jährliche Zunahme um 14,7 %. Man erwartet, dass erneuerbare Energien in diesem Jahr einen Anteil von 10% am Gesamtenergieverbrauch Chinas erreichen.

-- verstärkte Entwicklung des öffentlichen Verkehrs, Anreize zur Entwicklung von Autos mit kleinem Hubraum. Ende März 2006 hat die chinesische Regierung alle Beschränkungen für Kraftfahrzeuge mit kleinem Hubraum aufgehoben und fördert Kraftfahrzeuge mit kleinem Hubraum bzw. energiesparende Kraftfahrzeuge durch die Verschärfung der Abgasnormen, steuerliche Anreize sowie Subventionen. So wurden im Jahr 2009 Vergünstigungen bei der Anschaffungssteuer für kleine Kraftfahrzeuge erlassen, und der Anteil von Fahrzeugen mit einem Hubraum von höchstens 1,6 Litern am Gesamtaufkommen neu zugelassener Kraftfahrzeuge stieg auf 70%.

-- Erhöhung der Investitionen in Wissenschaft und Forschung zur Bekämpfung des Klimawandels. China ist bereits zu einem riesigen Versuchsgelände für verschiedene neue Energietechnologien geworden. Zur Bewältigung der internationalen Finanzkrise hat China ein Stimulationsprogramm in Höhe von mehr als 430 Mrd. Euro beschlossen, wovon ein Anteil von 15% für Investitionen vorgesehen ist, die mit dem Kampf gegen den Klimawandel zu tun haben, darunter rd. 20 Mrd. Euro für Energieeinsparung, Emissionsminderung und ökologische Sanierungsprojekte sowie rd. 40 Mrd. Euro für eigenständige Innovationen und Branchenstrukturreformen.

Man muss sagen, dass China eins der Länder ist, die in den letzten Jahren Energieeinsparung und Emissionsreduzierungen am ernsthaftesten betrieben und dafür auch die größten Anstrengungen unternommen haben. Hier wurden auch beachtliche Erfolge erzielt. In den 15 Jahren von 1990 bis 2005 ist der Energieverbrauch pro BIP-Einheit in China um 47% gesunken. Im selben Zeitraum ist dieser Wert in den entwickelten Staaten nur um 26% zurückgegangen. Von 2005 bis 2009 ist der Energieverbrauch pro BIP-Einheit in China erneut um mindestens 13% gesunken, was einer Emissionsminderung von 800 Mio. t CO2 entspricht, also in etwa der jährlichen CO2-Emissionsmenge Deutschlands.

Drittens: Zusätzlich zu seinen eigenen Bemühungen hat China schon Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts begonnen, sich an der internationalen Klimazusammenarbeit zu beteiligen. Von Rio de Janeiro bis Kyoto, von Bali bis Kopenhagen hat China aktiv die Aktivitäten im Kontext des „Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen" sowie des „Kyoto-Protokolls" unterstützt und sich an diesen Aktivitäten beteiligt, zudem hat China eine effektive Umsetzung der Klimarahmenkonvention und des Protokolls aktiv unterstützt und gemeinsam mit den Völkern der Welt die gemeinsamen Anstrengungen zum Schutz der globalen Umwelt und zur Bewältigung des Klimawandels gefördert.

Meine Damen und Herren,

während der Kopenhagener Klimakonferenz im letzten Jahr hat China hart dafür gearbeitet, ein positives Ergebnis zu erreichen. Auf der Konferenz traten viele Gegensätze und Meinungsunterschiede zutage, was bereits reichlich kommentiert wurde. Meines Erachtens war die unterschiedliche Haltung zum Prinzip der gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortung der eigentliche Grund, der zu den großen Unterschieden zwischen den Ansätzen der Verhandlungsparteien geführt hat. Aber warum will China unbedingt an dem Prinzip der gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortung festhalten? Ist dieses Prinzip überhaupt so wichtig? Hierzu möchte ich gerne meine Meinung erläutern.

Erstens waren, wie bereits erwähnt, in den vergangenen 200 Jahren die Emissionen der Staaten, die eine Industrialisierung und Modernisierung durchlaufen haben, und die Emissionen der Entwicklungsländer unterschiedlich, und auch heutzutage unterscheiden sich ihre Emissionen sehr stark. Gleichzeitig fehlt es den Entwicklungsländern sehr oft an Kapital und Technologien zur Bewältigung des Klimawandels. Deshalb sollte auch die Verantwortung, die von den verschiedenen Ländern getragen wird, unterschiedlich sein. Die Forderung, Entwicklungsländer und entwickelte Länder sollten nach denselben Maßstäben ihre Emissionen reduzieren, ist nicht fair und auch kaum zu verwirklichen.

Zweitens sollten wir vor dem Hintergrund der Globalisierung der Wirtschaft nicht nur die Emissionen im eigenen Land betrachten, sondern auch die Transferemissionen. Manche Länder haben im Zuge der Industrialisierung und Modernisierung arbeitsintensive Branchen mit hohem Energieverbrauch, hoher Umweltverschmutzung und hohen Emissionen in Entwicklungsländer verlagert, die Produkte dieser Branchen aber wieder in die entwickelten Länder zum dortigen Konsum geliefert, wodurch das Problem der „Transferemissionen" entstand. Derzeit sehen sich viele Entwicklungsländer einem zunehmenden Druck der „Transferemissionen" ausgesetzt; der Öffentlichkeit ist dieses Problem aber kaum bewusst.

Drittens sollten wir angesichts der unterschiedlichen Entwicklungsniveaus der Länder der Welt neben den Emissionsmengen auch die noch zu leistende Entwicklung berücksichtigen. Derzeit leben 80% der Weltbevölkerung in Entwicklungsländern, eine Mrd. Menschen leiden noch Hunger, 2,4 Mrd. Menschen nutzen immer noch Kohle, Holzkohle oder Stroh als wichtigsten Brennstoff, und 1,6 Mrd. Menschen leben immer noch ohne Strom. Für diese Menschen ist Entwicklung die wichtigste Überlebensvoraussetzung. Wenn wir undifferenziert auch von ihnen die gleichen Emissionsreduzierungen fordern wie von den entwickelten Ländern, würden sie für immer in Armut leben, und das möchte sicherlich keiner von uns sehen.

China ist ein Entwicklungsland, Wirtschaftsentwicklung und Armutsbekämpfung sind nach wie vor die wichtigsten Aufgaben. Heutzutage haben in China immer noch fast 200 Mio. Menschen weniger als 1,25 $ pro Tag zur Verfügung, fast 30.000 Dörfer mit mehr als 10 Mio. Menschen in China sind nicht mit Strom versorgt. Ohne Strom sind sie weiterhin zur Bodenbearbeitung auf Zugtiere angewiesen, haben nur Öllampen als Beleuchtung, müssen ihr Trinkwasser auf der Schulter herbeischaffen, ihr Getreide von Hand mahlen, und haben auch keine Möglichkeit, sich durch Nutzung der Ressourcen vor Ort aus der Armut zu befreien.

In einem Winter vor über 10 Jahren hat ein britischer Botschafter mir erzählt, er sei auf einer Reise in Südchina nachts im Hotelzimmer vor Kälte wach geworden und habe die Nacht nur überstanden, weil er sofort zwei zusätzliche Decken gefordert habe. Er erzählte mir, seit dem Zweiten Weltkrieg habe er zum ersten Mal so gefroren. Ich sagte ihm, dass in Südchina aufgrund des niedrigen Entwicklungsstands die Räume im Winter nicht geheizt würden. Und wie ist es heutzutage? Zwar hat es schon große Verbesserungen gegeben, aber die meisten Wohnhäuser haben immer noch keine Heizung. Ausländer, die im Winter durch Südchina reisen, können oft beobachten, dass viele Einheimische draußen in der Sonne sitzen, da es im ungeheizten Haus kälter ist als draußen. Viele Millionen von Chinesen verbringen so Jahr für Jahr den kalten Winter.

Daraus ergibt sich eine Frage: Sollten wir diesen Chinesen auch Strom und Heizung zur Verfügung stellen, damit sie genau so leben können wie Berliner oder Pekinger? Meine Antwort ist ein klares Ja. Ihnen kommen dieselben Rechte zu. Um die Lebensumstände zu verbessern, braucht man Entwicklung, also werden auch Energiebedarf und entsprechende Emissionen angemessen ansteigen. Der Kampf gegen den Klimawandel darf nicht zum Preis haben, dass die Entwicklung geopfert wird sowie Armut und Rückständigkeit fortbestehen. Die entwickelten Länder sollten den Entwicklungsländern angemessenen Raum für die von der Entwicklung verursachten Emissionen einräumen. Den Entwicklungsländern ohne jede Differenzierung Reduktionsverpflichtungen abzuverlangen, die ihre Fähigkeiten überfordern, bedeutet nichts anderes, als den Entwicklungsländern ihr Recht auf Entwicklung abzuerkennen. Das ist der Grund, warum wir nach wie vor der Ansicht sind, man sollte weiterhin an dem Prinzip der gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortung festhalten.

Natürlich bedeutet dies nicht, dass China und auch andere Entwicklungsländer keine Verantwortung übernehmen. Nehmen wir China als Beispiel: China hat schon ein weiteres freiwilliges Reduktionsziel genannt, nämlich bis 2020 den CO2-Ausstoß pro Einheit des BIPs im Vergleich zu 2005 um 40-45% zu reduzieren. Ungeachtet des Verhaltens anderer Länder wird China dieses Ziel unbeirrt verfolgen und sogar versuchen, es zu übertreffen.

Meine Damen und Herren,

die Bekämpfung des Klimawandels ist eine große und langwierige Aufgabe. Die Kopenhagener Konferenz ist kein Endpunkt, sondern ein Neuanfang. Am 29. Januar hat Ministerpräsident Wen Jiabao in Schreiben an den dänischen Premierminister und den Generalsekretär der Vereinten Nationen deutlich gemacht, dass China den Copenhagen Accord positiv bewertet und unterstützt. Gleichzeitig hat China dem UNFCCC-Sekretariat seine freiwilligen Mitigationsvorhaben gemeldet. China wird sich weiterhin aktiv an der internationalen Zusammenarbeit gegen den Klimawandel beteiligen, die Ergebnisse der Kopenhagener Konferenz konsolidieren und sich mit anderen Seiten gemeinsam um die Unterzeichnung eines rechtlich bindenden Abkommens noch im Jahr 2010 bemühen. Meines Erachtens sollten wir in der nächsten Phase der internationalen Klimazusammenarbeit folgende Prinzipien verfolgen:

Erstens sollten wir weiter an dem Rahmen und den Grundprinzipien festhalten, die durch das „Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen" und das „Kyoto-Protokoll" festgelegt sind, und nicht wieder ganz von vorn anfangen. Die dringendste Aufgabe ist jetzt, die Übereinstimmungen des Copenhagen Accord in einen Verhandlungstext für die beiden Arbeitsgruppen von Klimarahmenkonvention und Kyoto-Protokoll umzugießen, so bald wie möglich Verhandlungen aufzunehmen, die noch bestehenden Probleme möglichst rasch zu lösen und so sicherzustellen, dass die Konferenz in Mexiko am Ende des Jahres positive Ergebnisse erzielt.

Zweitens sollten wir an dem Prinzip der gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortung festhalten. Die entwickelten Länder sollten zuerst in großem Umfang ihre Emissionen reduzieren und den Entwicklungsländern finanzielle und technologische Unterstüzung bereitstellen. Das ist eine moralische Verantwortung, aber auch eine vertragliche Pflicht. Die Entwicklungsländer sollten gemäß den Gegebenheiten ihrer Länder mit finanzieller und technologischer Unterstützung durch die entwickelten Länder ihre Treibhausgas-Emissionen so weit wie möglich reduzieren und sich an den Klimawandel anpassen.

Drittens müssen wir einerseits langfristig denken, andererseits und vorrangig aber auch jetzt handeln. Im Kyoto-Protokoll wurden für die entwickelten Länder klare Reduktionsziele für den ersten Verpflichtungszeitraum bis 2012 festgeschrieben. Wenn man aber den tatsächlichen Stand der Umsetzung betrachtet, wird man feststellen, dass die Emissionen mancher entwickelter Länder nicht zurückgegangen, sondern gestiegen sind. Die bisher von den entwickelten Ländern veröffentlichten mittelfristigen Reduktionsziele bleiben noch weit hinter den Forderungen des Protokolls und den Erwartungen der Weltgemeinschaft zurück. Deshalb ist jetzt das Wichtigste, die bereits zugesagten kurzfristigen und mittelfristigen Reduktionsziele umzusetzen.

Viertens müssen effektive Mechanismen geschaffen sowie die Quellen der Finanzmittel und Technologien gesichert werden. Gemäß dem Copenhagen Accord ist ein Mechanismus für die finanzielle und technologische Unterstützung der entwickelten Länder an die Entwicklungsländer einzurichten. In der nächsten Phase sollte die internationale Gemeinschaft im Kontext der Klimarahmenkonvention einen praktikablen, effektiven Rahmen schaffen, damit die entwickelten Länder wirklich ihre Zusagen umsetzen, den Entwicklungsländern Technologie überlassen und Finanzmittel zur Verfügung stellen.

Diesbezüglich habe ich zwei Punkte anzumerken.

Erstens: Manche Menschen sind der Ansicht, China sollte von den entwickelten Ländern keine Finanzmittel und Technologien erhalten. Hierzu möchte ich sagen: China ist ein Entwicklungsland und braucht ebenfalls finanzielle und technologische Unterstüzung. China hat bereits große Bemühungen um freiwillige Energieeinsparungen und Emissionsminderungen unternommen, und falls die entwickelten Länder China mit Finanzmitteln und ausgeweitetem Technologietransfer zur Seite stehen, kann China es noch besser machen. Gleichzeitig haben wir eindeutig erklärt, dass Finanzmittel und Technologie zunächst den ärmsten Entwicklungsländern zur Verfügung gestellt werden sollten, insbesondere den kleinen Inselstaaten, den am wenigsten entwickelten Staaten, den Binnenstaaten und den afrikanischen Staaten, um sie dabei zu unterstützen, den Aufbau von Fähigkeiten zur Bewältigung des Klimawandels zu stärken.

Zweitens: Warum will China sein Handeln zur Emissionsreduzierung nich unter internationale Kontrolle stellen? Die freiwilligen Mitigationsmaßnahmen Chinas in den vergangenen Jahren hat die internationale Gemeinschaft weder mit Finanzmitteln noch mit Technologietransfer unterstützt, sondern sie gingen zurück auf Entscheidungen, die China im Interesse seiner nachhaltigen Entwicklung eigenständig getroffen hatte. Hierbei wurden auch deutliche Erfolge erzielt. Auch für unsere neuen Reduktionsziele erhalten wir keine finanzielle und technologische Unterstüzung seitens der entwickelten Länder; im Bewusstsein unserer Verantwortung gegenüber der eigenen Bevölkerung und gegenüber der Welt handeln wir dennoch aktiv. Das ist ein freiwilliges, eigenständiges Handeln, das an keine Bedingung geknüpft ist und auch nicht an das Handeln irgendeines anderen Landes gekoppelt ist. Gemäß den Forderungen der Klimarahmenkonvention und dem Mandat der Bali Roadmap unterliegen diese freiwilligen Mitigationsmaßnahmen nicht der Forderung nach internationaler Kontrolle durch MRV oder einem Peer Review. Wir werden dieses Ziel aber als bindende Vorgabe in die Gesamtplanung für die volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung aufnehmen und deren Umsetzung durch ein System von Statistiken, Überwachung und Verifikation sicherstellen. Die Umsetzungsergebnisse werden veröffentlicht, damit wird auch die Transparenz unseres Handelns gewährleistet.

Meine Damen und Herren,

bei der konkreten Praxis der Energieeinsparungen und Emissionsreduzierung ist Deutschland weltweit vorbildlich. So weit ich weiß, hat die deutsche Regierung schon Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts als Vorreiter ein nationales CO2-Minderungsprogramm aufgestellt. Nach Informationen des Bundesumweltministeriums lagen die Treibhausgasemissionen Deutschlands 2008 um 23,3% niedriger als 1990, Deutschland hat damit das im Kyoto-Protokoll vorgegebene Reduktionsziel von 21% übertroffen. Dies sehen wir mit Anerkennung.

Vor und nach der Kopenhagener Konferenz haben China und Deutschland engen Kontakt gehalten, Ministerpräsident Wen Jiabao und Bundeskanzlerin Merkel haben sowohl in Telefonaten als auch in persönlichen Treffen offen, tiefgehend und freundschaftlich ihre Meinungen ausgetauscht und gemeinsam zum konstruktiven Ergebnis der Konferenz beigetragen.

Technische Zusammenarbeit und wissenschaftlicher Austausch zwischen China und Deutschland im Klimabereich nehmen immer mehr zu. Im letzten Jahr wurde ein Projekt für saubere Energienutzung des RWE-Konzerns in der chinesischen Provinz Shanxi offiziell begonnen, und beide Länder haben eine Vereinbarung zur gemeinsamen Forschung im Bereich Klimawandel und Energie unterzeichnet. All das wird die Anwendung der fortschrittlichen deutschen Umwelt- und Energietechnologie in China weiter voranbringen. Ich bin sicher, dass Kooperation Chinas und Deutschlands im Kampf gegen den Klimawandel vielversprechende Perspektiven hat und hier noch viel zu erreichen ist.

Meine Damen und Herren,

der Klimawandel ist eine der derzeit größten globalen Herausforderungen. Die Klimaerwärmung einzudämmen und unsere Heimat Erde zu retten, ist die gemeinsame Mission der Menschheit. Jedes Land und jedes Volk, jedes Unternehmen und jede Person tragen eine unabweisliche Verantwortung zu handeln.

Im Juni und Dezember dieses Jahres werden in Bonn und im mexikanischen Cancun Klimakonferenzen stattfinden. Wir sind bereit, mit Deutschland und anderen Ländern gemeinsam Anstrengungen zu unternehmen, damit auf diesen Konferenzen substanzielle Ergebnisse erzielt werden können. Aber egal, wie groß die Herausforderungen auch sind, egal, wie das Ergebnis aussieht, wird China sich in Verantwortung gegenüber dem eigenen Volk und den Völkern der Welt um Energieeinsparungen und Emissionsreduzierung bemühen, sein Bestes für den Schutz der gemeinsamen Heimat der Menschheit tun, um für die kommenden Generationen eine noch schönere Zukunft zu schaffen.

Die fünf Minuten sind schon längst überschritten, ich danke Ihnen für Ihre Geduld!

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