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Rede des Botschafters Shi Mingde anlässlich des Empfangs
2014/09/26

Wir sind heute abend hier zur Feier des fünfundsechzigjährigen Bestehens der Volksrepublik China versammelt. Viele unserer zahlreichen Gäste sind alte Freunde Chinas und der chinesischen Botschaft, und man sieht auch viele neue Gesichter. Sie alle sind an der Entwicklung Chinas interessiert und engagieren sich für die chinesisch-deutsche Zusammenarbeit zum beiderseitigen Nutzen. Ich möchte Ihnen von Herzen für Ihr Kommen danken und heiße Sie willkommen!

In einer Woche jährt sich der Gründungstag der Volksrepublik Chinas zum 65. Mal. 65 Jahre sind nur ein Augenblick im Strom der Geschichte, doch für uns, für diese Generationen von Chinesen, waren sie eine ganz besondere Zeit. Wir wurden zu Zeugen und Beteiligten eines historischen Sprungs, den China von einem bettelarmen, in Allem ganz am Anfang stehenden Land zu einem Land gemacht hat, das insgesamt einen bescheidenen Wohlstand erreicht hat und von neuem stolz und aufrecht seine Position im Osten der Welt einnimmt. Es hat eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die ohne Beispiel ist. Besonders seit Beginn von Reform und Öffnung weist China ein jährliches Wachstum von 10% auf, Chinas Anteil am Volumen der Weltwirtschaft ist von 1,8% auf über 12% gestiegen, China ist zur zweitgrößten Volkswirtschaft geworden. Das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt ist von 200 auf 7.000 US-Dollar angewachsen. China ernährt mit weniger als 7% der globalen Anbaufläche 22% der Weltbevölkerung, es hat 250 Millionen Menschen aus der Armut herausgeführt, und die durchschnittliche Lebenserwartung ist von 36 Jahren auf 75 Jahre gestiegen. Es gibt heute in China über eine Milliarde Handybenutzer, 600 Millionen Menschen sind im Netz. Wir haben gut 11.000 Hochgeschwindigkeits-Bahnkilometer gebaut, das entspricht fast der Hälfte des weltweiten Hochgeschwindigkeitsnetzes. In 2013 unternahmen die Chinesen 97 Millionen Auslandsreisen und sind damit weiterhin Weltmeister bei den Ausgaben für Auslandstourimus. Als ein Land mit 1,3 Milliarden Menschen hat China in nur wenigen Jahrzehnten einen Entwicklungsweg bewältigt, für den die Industrieländer mehrere Jahrhunderte benötigten.

Dieses Entwicklungswunder wurde im Wesentlichen dadurch ermöglicht, dass wir uns schrittweise vorangetastet haben und so einen der Situation unseres Landes entsprechenden sozialistischen Weg mit chinesischen Charakteristika fanden. In der Vergangenheit hat China westliche Demokratie erprobt und auch das sowjetrussische Modell studiert und übernommen, doch beides war nicht erfolgreich. Die Geschichte und die heutige Realität lehren uns, dass nur der Sozialismus China retten kann, und dass nur der Sozialismus mit chinesischen Charakteristika China entwickeln kann. Das ist die Schlussfolgerung aus der Geschichte und die Entscheidung des Volkes. Natürlich ist der Sozialismus mit chinesischen Charakteristika nicht ein für alle mal festgelegt und unveränderlich, sondern er schreitet mit seiner Zeit voran und entwickelt sich in der Praxis weiter. Der 18. Parteitag der KPCh und besonders das Dritte Plenum des 18. ZK haben strategische Festlegungen zur umfassenden Vertiefung der Reform getroffen und schlugen damit den Weg ein hin zum Aufbau eines allgemeinen bescheidenen Wohlstands und zur Verwirklichung des chinesischen Traums, des großen Wiederaufschwungs der chinesischen Nation.

Liebe Freunde,

in diesem Jahr befindet sich die Weltwirtschaft in einer komplizierten Gemengelage, die Erholung der entwickelten Länder gestaltet sich schwierig, und das Wachstum der Schwellenländer hat sich verlangsamt, was auf Chinas Wirtschaft, besonders seinen Export, gewisse negative Auswirkungen hat. Manche befürchten eine “harte Landung” oder gar den “Zusammenbruch” der chinesischen Wirtschaft, doch ich halte diese Sorgen für völlig unnötig. In der Hauptsache ist die Verlangsamung von Chinas Wachstum ein Ergebnis bewusster Steuerungsmaßnahmen der chinesischen Regierung. Deren Ziel ist eine höhere Qualität und Effektivität, um eine nachhaltige, stabile und gesunde Weiterentwicklung der Wirtschaft zu gewährleisten. Konfrontiert mit dem Abwärts-Druck der Wirtschaft haben wir auf starke Anreizprogramme verzichtet und nicht den Geldhahn aufgedreht, sondern intensiv unsere Reformen weiterbetrieben und Strukturanpassungen durchgeführt; damit haben wir die Stabilität der Wirtschaft bewahrt, und es hat positive Veränderungen gegeben. Erstens: Trotz des verlangsamten Wirtschaftswachstums sind innerhalb der ersten acht Monate 9,7 Millionen neue Beschäftigte im städtischen Bereich dazugekommen, über 100.000 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Zweitens: Durch die Abschaffung bzw. Delegierung von über 600 Genehmigungsverfahren wurde der Markteintritt für Unternehmen vereinfacht, was in der Bevölkerung in großem Maß die Bereitschaft zu Geschäftsgründungen angeregt hat. Von Januar bis August wurden über 8 Millionen neue Marktteilnehmer registriert; es ergab sich eine geradezu fontänenartige Zunahme an Neugründungen. Drittens: Die Preise sind stabil geblieben. In den ersten acht Monaten stiegen die Verbraucherpreise nur um 2,3%. Viertens: Das Investitions- und Produktionswachstum bei Unternehmen mit hohem Energieverbrauch und hohen Emissionen ist deutlich zurückgegangen. Im ersten Halbjahr ist der Energieverbrauch pro BIP-Einheit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,2% gefallen, und der entsprechende CO2-Ausstoß um etwa 5%. Dies ist die größte Reduktion seit einer Anzahl von Jahren.

Gleichzeitig muß man einräumen, dass China, das nach wie vor ein Entwicklungsland ist, gegenwärtig immer noch gewaltigen Problemen und Herausforderungen gegenübersteht. Chinas Wirtschaft befindet sich in einem Stadium, in dem “drei Phasen zusammenkommen”: eine Phase, in der tiefgreifende Widersprüche sichtbar werden und in der beim Wachstumstempo ein neuer Gang eingelegt wird, eine Phase der schmerzhaften Strukturanpassungen, und eine Phase, in der die vorangegangenen Konjunkturanreize zu verdauen sind. Im kommenden Zeitraum wird die chinesische Regierung den Wandel der Form des Wirtschaftswachstums beschleunigen, mittels struktureller Reformen die Strukturanpassungen vorantreiben und den “goldenen Schlüssel” Innovation richtig einsetzen, um der chinesischen Wirtschaft ein mittleres bis hohes Wachstum zu sichern und ein “Upgrade” der chinesischen Wirtschaft auf die Beine zu stellen. Die chinesische Wirtschaft besitzt eine enorme Elastizität, große Reserven und ausreichend Manövrierraum. Sie ist in der Lage, einem großen Auf und Ab in der Zukunft vorzubeugen, oder gar einer “harten Landung”. China hat die Zuversicht, die Fähigkeit und die Voraussetzungen, um immer aufs Neue Schwierigkeiten zu überwinden, und um die wesentlichen wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Zielmarken dieses Jahres zu erreichen.

Meine Damen und Herren,

in Deutschland heißt es: “Alle guten Dinge sind drei”. Dieses Jahr haben drei wichtige hochrangige Besuche immer wieder Höhepunkte in den chinesisch-deutschen Beziehungen markiert und sie weiter vorangebracht. Im März hat Präsident Xi Jinping Deutschland einen erfolgreichen Staatsbesuch abgestattet. Im Juli besuchte Bundeskanzlerin Merkel China zum siebten Mal. Und nach seinem Besuch im Mai letzten Jahres wird Ministerpräsident Li Keqiang im Oktober erneut nach Deutschland kommen und gemeinsam mit Bundeskanzlerin Merkel die dritte Runde der chinesisch-deutschen Regierungskonsultationen leiten. Die Führungspersönlichkeiten Chinas und Deutschlands unterhalten einen sehr frequenten und engen Besuchsverkehr, der sehr deutlich zeigt, wie eng und gefestigt die politischen Beziehungen zwischen China und Deutschland sind. Auch die chinesisch-deutsche Wirtschaftszusammenarbeit hat ein sehr hohes Niveau erreicht. Im letzten Jahr kletterte das bilaterale Handelsvolumen auf 161,6 Milliarden US-Dollar, das 590fache des Jahres der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen. In den ersten 8 Monaten dieses Jahres erreichten beide Länder ein Handelsvolumen von 117,35 Milliarden US-Dollar, das sind 12,2% mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Der kulturelle Austausch nimmt immer mehr zu. Das 2013 bis 2014 von beiden Ländern gemeinsam veranstaltete “chinesisch-deutsche Sprachenjahr” stieß auf sehr gute Resonanz. 2015 ist das Jahr der chinesisch-deutschen Innovationspartnerschaft. China wird auch das Partnerland der Hannover Cebitmesse sein. Über 30.000 Studenten aus China bilden das größte Kontingent unter den ausländischen Studierenden in Deutschland. Wöchentlich verbinden über 70 Flüge mehr als 10 Städte der beiden Länder, und über eine Million Touristen reisen jährlich von Deutschland nach China, oder umgekehrt. In den internationalen Angelegenheiten verstärken beide Länder ihre politische Abstimmung und Kooperation, in Bezug auf die weltweiten Brandherde treten sie aktiv für den Frieden ein. Sie bemühen sich gemeinsam um eine Reform des internationalen Wirtschafts- und Finanzsystems und wenden sich gegen Handelsprotektionismus; so leisten sie einen konstruktiven Beitrag für die Erhaltung des Weltfriedens und die Förderung der globalen Wirtschaft. Doch ich bin der Überzeugung, dass es noch weite Perspektiven für den Ausbau der chinesisch-deutschen Beziehungen gibt, und dass hier noch viel getan werden kann. Dazu sind unsere weiteren gemeinsamen Anstrengungen vonnöten; wir sollten unermüdlich neue Aspekte unserer bilateralen Beziehungen entwickeln.

Lasst uns darauf nun das Glas erheben:

Auf das 65jährige Bestehen der Volksrepublik China,

auf eine gute Zukunft der chinesisch-deutschen Beziehungen,

auf das Wohl und die Gesundheit aller Gäste,

“Ganbei”!

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