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Ansprache des Botschafters Ma Canrong bei der Eröffnung der 6. WirtschaftsWoche Jahrestagung China
2008/11/20

Ansprache des Botschafters Ma Canrong bei der Eröffnung der 6. WirtschaftsWoche Jahrestagung China

(Berlin, 19. November 2008)

Sehr geehrter Herr Chefredakteur Tichy,

Meine Damen und Herren,

Es freut mich sehr, alle Teilnehmer der 6. WirtschaftsWoche Jahrestagung China begrüßen zu können. Ich wünsche der diesjährigen Tagung viel Erfolg wie in vorausgegangenen Jahren!

Diese Tagung findet vor dem Hintergrund der globalen Finanzkrise statt. Deshalb sind die Diskussionen, wie China und Deutschland diese ernsthafte Herausforderung meistern, von großer aktueller Bedeutung.

Meine Damen und Herren, Chinas Wirtschaft ist nach 30 Jahren Reform und Öffnung eng mit der Weltwirtschaft verflochten. So ist es nicht zu vermeiden, dass sich die Finanzkrise, die die ganze Welt erfaßt hat, auch auf den Finanzmarkt und die wirtschaftliche Entwicklung Chinas tiefgreifend auswirkt. Infolge der Verschlechterung des weltwirtschaftlichen Umfeldes und der Schrumpfung der internationalen Nachfrage hat sich das wirtschaftliche Wachstum in China verlangsamt. Die Zuwachsrate der Gewinne von Unternehmen und der Finanzeinnahmen sinkt, der Kapitalmarkt bleibt volatil und flau. Nicht wenige mittelständische Betriebe in den Küstengebieten Chinas stehen am Rande der Produktionseinstellung bzw. Pleite.

Aber insgesamt gesehen, hat sich an der Grundtendenz der wirtschaftlichen Entwicklung in China nicht geändert. Die chinesische Regierung hat bereits Gegenmaßnahmen ergriffen und werden weitere in Erwägung ziehen, um der Außenwirkung entgegenzuwirken und die Stabilität der Wirtschaft und der Finanzmärkte aufrechtzuerhalten. Vor zehn Tagen hat die chinesische Regierung angekündigt, in den kommenden zwei Jahren 485 Milliarden Euro für Investitionen und die Ankurbelung der Binnennachfrage bereitzustellen, um ein weiteres stabiles und schnelles Wirtschaftswachstum sicherzustellen. Eine weitere stabile Entwicklung der chinesischen Wirtschaft wird zur weltwirtschaftlichen Entwicklung, insbesondere zur Wiederherstellung des Vertrauens positiv beitragen.

China und Deutschland verfügen über Wirtschaften mit globalem Gewicht. Die allseitigen und weitgefächerten Kooperationen, nicht zuletzt im Bereich Wirtschaft und Technik weiter zu intensivieren, ist vorteilhaft nicht nur für unsere beiden Länder, sondern auch für die Entwicklung der Weltwirtschaft.

Dank der unermüdlichen Anstrengungen der chinesischen und deutschen Wirtschaftskreise und Regierungen hat die bilaterale Wirtschafts- und Handelszusammenarbeit eine erfreuliche Entwicklung erlebt. Heute sind China und Deutschland füreinander der größte Handelspartner in der jeweiligen Region. In diesem Jahr wird das chinesisch-deutsche Handelsvolumen 100 Milliarden US-Dollar überschreiten. Damit kann das 2004 von den Regierungschefs beider Länder festgesetzte Ziel, das bilaterale Handelsvolumen zu verdoppeln, vorfristig erreicht werden. Bis jetzt betragen die direkten Investitionen aus Deutschland in China insgesamt schon 15 Milliarden US-Dollar und machen ein Viertel der Gesamtinvestitionen der EU-Länder in China aus. Die bilaterale wirtschaftliche Kooperation spielt in vieler Hinsicht eine Vorreiter-Rolle für EU-Länder.

Dennoch ist der Umfang der wirtschaftlichen Zusammenarbeit verhältnismäßig klein im Vergleich mit der Gesamtstärke Chinas und Deutschlands. Darin liegt auch das große Potential mit vielversprechenden Perspektiven. Meiner Ansicht nach können wir beide Seiten die Zusammenarbeit in den folgenden Bereichen ausbauen:

1. Dienstleistungssektor. Den Dienstleistungssektor zu einem Pfeiler der chinesischen Volkswirtschaft beschleunigt auszubauen, ist der Königweg für den Strukturwandel und die Umstellung des Wachtumsmodells in China. Deutschland ist führend im Dienstleistungssektor. Wir begrüßen, dass deutsche Dienstleistungsunternehmen ihr Engagement in China intensivieren und in den Schnellzug des sich schnell entwickelnden chinesischen Dienstleistungssektors einsteigen.

2. Erschließung Westchinas. Gegenwärtig ist China gerade dabei, die Strategien zur großangelegten Erschließung Westchinas und zur Förderung des Aufschwungs in Mittelchina mit allen Kräften umzusetzten. Die Schwerpunkte liegen auf Infrastruktur, Umwelt, moderne Landwirtschaft, Energie- und Rohstoffindustrie. In diesen Bereichen können deutsche Unternehmen über fortgeschrittene Technologien und Produkte anbieten und sollen diese historische Chance rechtzeitig beim Schopf packen.

3. Mittelständische Unternehmen. Die Investitionen der deutschen Großunternehmen in China sind fast Routine geworden. Aber die Rolle der mittelständischen Betriebe in der bilateralen Zusammenarbeit muss noch ausgebaut werden. Wir begrüßen, dass sich deutsche mittelständische Betriebe in China engagieren, damit die bilaterale Zusammenarbeit neue Impulse und feste Grundlage unter den Fuß bekommt.

4. Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung. China ist das bevölkerungsreichste Land in der Welt, die Naturressourcen sind verhältnismäßig wenig und die Öko-Umwelt ist belastet. Es ist zu einer dringenden Aufgabe geworden, im Zuge der schnellen wirtschaftlichen Entwicklung und der beschleunigten Erhöhung des Konsumniveaus die Ressourcen-Engpässe abzumildern, die Öko-Umwelt zu verbessern und eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Die Umweltschutz-Industrie ist in Deutschland hochentwickelt. Deutschland ist technisch führend und erfahren bei der Erhöhung der Energieeffizienz, der Entwicklung sauberer Energie, dem Recycling und dem ökologischen Schutz. Eine Intensivierung der bilateralen Kooperation im Umweltschutz kann nicht nur China helfen, sondern der deutschen Wirtschaft große Geschäftschancen und Gewinne bringen.

Meine Damen und Herren,

Im Zeitalter der Globalisierung, insbesondere angesichts der Finanzkrise, mit der alle Länder der Welt konfrontiert sind, liegt es im Grundinteresse der chinesischen und deutschen Wirtschaft und Völker, unsere Wirtschafts- und Handelszusammenarbeit auf Basis des gegenseitigen Nutzens auszubauen und zu vertiefen. In der chinesischen Sprache besteht das Wort „Krise“ aus „Gefahr“ und „Chance“. Bei Ihnen sagt man auch, dass in jeder Krise eine Chance steckt. Wenn wir die Gefahr erfolgreich bewältigen können, können wir danach eine neue Entwicklungschance gewinnen. Ich wünsche mir, dass die Wirtschaftskreise unserer beiden Länder die Zuversicht verstärken, die Zusammenarbeit intensivieren und gemeinsam Anstrengungen unternehmen, um die wirtschaftliche Stabilität beider Länder zu gewährleisten und die Entwicklung der bilateralen Wirtschafts- und Handelskooperation des gegenseitigen Nutzens zu fördern.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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