Home Über uns Wirtschaft und Handel Kontakt Konsularservice Bildung Links
 
Home > Der Botschafter  > Vorträge
Vortrag von Herrn Botschafter Wu Hongbo bei der Eröffnung des Konfuzius-Instituts Metropole Ruhr
2009/11/11

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Vortrag von Herrn Botschafter Wu Hongbo bei der Eröffnung

des Konfuzius-Instituts Metropole Ruhr

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Sauerland,

sehr geehrter Herr Bürgermeister Yin,

sehr geehrter Herr Prorektor Bosbach,

sehr geehrter Herr Prorektor Li,

meine Damen und Herren,

es ist mir eine große Freude, an der Eröffnung des Konfuzius-Instituts Metropole Ruhr teilzunehmen. Die Stadt Duisburg ist eine Stadt mit besonderer Bedeutung für die chinesisch-deutschen Beziehungen. Schon 1982 hat die Stadt Partnerschaft mit der chinesischen Stadt Wuhan geschlossen und wurde damit die erste deutsche Stadt mit einer Partnerstadt in China. Darüber hinaus hat mich die Stadt Duisburg in zweierlei Hinsicht beeindruckt, was den Kontakt zu China anbelangt. Zum einen hat Duisburg schon im Jahr 1984 einen Experten namens Werner Gerich nach China entsandt. Dieser wurde der erste ausländische Fabrikdirektor seit Beginn der Reform und Öffnung Chinas. Er hat seinen chinesischen Kollegen ohne jeglichen Eigennutz sein Management-Know-how und seine technischen Erfahrungen näher gebracht. Zu seinem Andenken wurde jeweils in Duisburg und Wuhan eine Bronzestatue errichtet. Zum anderen pflegt Duisburg seit Jahren im Bildungsbereich eine enge und erfolgreiche Zusammenarbeit mit China. Die Universität Duisburg-Essen arbeitet seit fast 20 Jahren mit der Wuhan-Universität zusammen. Die Fremdsprachenschule Wuhan und das Duisburger Max-Planck-Gymnasium haben auch Partnerschaft geschlossen. Dieser Austausch und die Zusammenarbeit sind nicht nur hilfreich für das beiderseitige Lernen und die Förderung von Forschung und Lehrtätigkeiten, sondern durch personelle Kontakte und Austausch wird ganz konkret die Freundschaft beider Völker gefördert.

Die Eröffnung des Konfuzius-Instituts Metropole Ruhr gibt dem Austausch zwischen beiden Seiten einen weiteren Impuls. Ich bin davon überzeugt, dass dieses Konfuzius-Institut als neue Plattform immer mehr deutschen Freunden aus Duisburg und Essen, ja aus dem ganzen Ruhrgebiet, neue Chancen für den Kontakt zur chinesischen Sprache und Kultur bietet, tiefere Einblicke in die chinesische Geschichte und Gegenwart ermöglicht und so auch einen positiven Beitrag zur Verständigung zwischen dem chinesischen und deutschen Volk leistet. Dazu gratuliere ich Ihnen ganz herzlich.

I. Über die Entwicklung Chinas und das Konzept einer „Harmonischen Welt"

Ich glaube, alle anwesenden Freunde interessieren sich sehr für die Entwicklung in China. Ich möchte Ihnen gerne einige Informationen dazu geben.

Dieses Jahr ist das 60jährige Jubiläum der Volksrepublik China. Die Entwicklung Chinas in den letzten 60 Jahren hat die Aufmerksamkeit der Welt auf sich gezogen. Im Jahr 1949 betrug das BIP Chinas nur 18 Mrd. $, pro Kopf nur etwa 50 $. Im Jahr 2008 betrug das BIP 4,4 Billionen $, pro Kopf 3350 $. Im Jahr 1950 betrug der Außenhandel Chinas nur 1,13 Mrd. $, war aber im Jahr 2008 auf 2561,6 Mrd. $ geklettert. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Chinesen lag 1949 bei nur 35 Jahren, im Jahr 2008 war sie auf 73 gestiegen. Der Analphabetismus sank von 80% bei der Gründung der Volksrepublik auf 6,67%.

Es gibt noch viele ähnliche Beispiele, die ich hier nicht aufzähle. Manche werden wohl sagen: China hat bereits Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt abgelöst und gehört daher bereits zu den stärksten Ländern der Welt. Aber wenn man das Pro-Kopf-BIP betrachtet, wird man feststellen: Auch nach 60 Jahren hat China erst die 3300-Dollar-Grenze durchbrochen und damit den 104. Platz in der Welt erreicht. Deutschland jedoch hat mit 44000 $ ein mehr als 10mal so hohes BIP pro Kopf wie China. In den vergangenen 30 Jahren hat China erfolgreich 250 Mio. Menschen von Armut befreit. Aber bis heute müssen sich immer noch 135 Mio. Chinesen mit weniger als 1 $ pro Tag zufriedengeben. Und diese Zahl ist sogar größer als die Bevölkerungszahlen von Deutschland und Spanien zusammengerechnet.

Andere werden wohl sagen, China wird wahrscheinlich in diesem Jahr oder spätestens im kommenden Jahr Deutschland als Exportweltmeister ablösen. Dazu möchte ich nur sagen, es ist klar, dass das Exportvolumen Chinas groß ist. Aber hinsichtlich der Qualität und des technischen Niveaus gibt es immer noch einen großen Abstand zwischen den chinesischen Produkten und den hochwertigen, modernen deutschen Produkten. Ein aussagekräftiges Beispiel dafür ist: Wir Chinesen müssen 800 Mio. Hemden oder Blusen exportieren, um ein europäisches A340-Flugzeug zu importieren. Jetzt wird der größere, noch modernere A380 gebaut, wenn wir davon einen kaufen wollen, müssen wir in China noch viel mehr Hemden und Blusen produzieren.

Ich glaube, die beiden Beispiele haben deutlich gemacht: Trotz aller Erfolge bei Reformen und Entwicklung ist China bis heute immer noch ein zwar großes, aber kein starkes Land. Mit anderen Worten: Wenn einer eine Torte für sich hat, ist es etwas ganz anderes, also wenn 13 Personen sich die Torte teilen.

Eine Besonderheit unserer heutigen Welt ist, dass der Kontakt zwischen den Nationen enger denn je und die Abhängigkeit der Nationen voneinander auch stärker denn je ist. Mit der Vertiefung der Globalisierung ist die Verbindung zwischen China und der Welt so eng wie nie zuvor. In seinen internationalen Beziehungen hält China stets an folgenden Prinzipien fest:

1. China tritt für eine Demokratisierung der internationalen Politik ein. Die internationalen Angelegenheiten sollten durch Konsultationen von allen Ländern gelöst werden. Alle Länder, egal ob groß oder klein, reich oder arm, sind gleichberechtigt.

2. Wir sollten in Wirtschaft und Handel kooperative win-win Beziehungen schaffen. Die wirtschaftliche Globalisierung ist eine unaufhaltsame Tendenz, aber die Armen sollten nicht immer ärmer und die Reichen nicht immer reicher werden. Wir müssen die Zusammenarbeit verstärken, nach gegenseitigem Nutzen und gemeinsamem Vorteil streben, damit alle Länder und alle Völker von der wirtschaftlichen Globalisation profitieren können.

3. Die Vielfalt der Welt muss respektiert werden. Dass alle Völker in der Welt Entwicklungsmodelle und -wege nach eigenen verschiedenen Gegebenheiten auswählen können, muss besonders respektiert werden. Dass Deutschland gemäß seinen Gegebenheiten die Soziale Marktwirtschaft und das Rheinische Modell entwickelt hat, bildet einen wichtigen Grundstein für die politische Stabilität und wirtschaftliche Entwicklung in der deutschen Nachkriegszeit. Das gleiche gilt auch China. Nach 60jährigen Bemühungen und Versuchen hat China einen Weg gefunden, der den eigenen Gegebenheiten entspricht.

4. Ein neues Sicherheitskonzept, das von gegenseitigem Vertrauen und Zusammenarbeit zu gemeinsamem Nutzen gekennzeichnet ist, soll ausgearbeitet werden. Man muss besonders darauf achten, dass die internationalen Streitigkeiten auf friedliche Weise statt durch Kriege beigelegt werden sollen. Es darf nicht sein, dass die Großen die Kleinen erpressen, die Starken die Schwachen bezwingen.

Die obengenannten vier Punkte mögen nicht vollständig sein. Aber sie sind auf jeden Fall ganz wichtig. Kurzum, China ist bereit, gemeinsame Bemühungen mit allen Ländern der Welt zu unternehmen, um Frieden zu bewahren, Entwicklung zu fördern und eine harmonische Welt aufzubauen.

II. Zum Stand der chinesisch-deutschen Beziehungen

Dieses Jahr ist das 37. Jubiläum der Aufnahme der chinesisch-deutschen diplomatischen Beziehungen. In [diesen] 37 Jahren haben die chinesisch-deutschen Beziehungen dank der Bemühungen beider Seiten große Fortschritte gemacht.

Im politischen Bereich finden rege gegenseitige Besuche auf hoher Ebene statt. Das politische Vertrauen vertieft sich ständig. Vor dem Hintergrund der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise hat Ministerpräsident Wen Jiabao zu Beginn dieses Jahres Deutschland einen Besuch zur Stärkung der Zuversicht abgestattet und mit der deutschen Seite Übereinstimmung darüber erzielt, dass China und Deutschland Hand in Hand zusammenarbeiten und gemeinsam die Krise bewältigen sollten. Vor 3 Wochen hat der stellvertretende Staatspräsident Chinas, Herr Xi Jinping, Deutschland besucht und der Frankfurter Buchmesse mit China als Ehrengast beigewohnt. Dieser Besuch war der erste Besuch eines ranghohen ausländischen Politikers in Deutschland nach der Bundestagswahl. Der Besuch war erfolgreich und trug viele Früchte. Das ist ein klarer Ausdruck der Wertschätzung der chinesisch-deutschen Beziehungen auf beiden Seiten und hat den chinesisch-deutschen Beziehungen nach der Bundestagswahl einen kräftigen Schub in Richtung auf stabile Vorwärtsentwicklung gegeben.

Wirtschaftlich bringt die bilaterale Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen beiden Völkern konkrete Vorteile. Das Handelsvolumen ist von 274 Mio. $ bei der Aufnahme diplomatischer Beziehungen auf 115 Mrd. $ im letzten Jahr gestiegen, was eine Zunahme um das 420fache bedeutet. Heute entspricht das chinesisch-deutsche Handelsvolumen ungefähr dem zwischen China und Großbritannien, Frankreich und Italien zusammen oder dem zwischen Deutschland und Japan, Indien und Südkorea zusammengerechnet. Wegen der Finanzkrise ist der Handel zwischen China und Deutschland in diesem Jahr zurückgegangen. Aber der Rückgang ist deutlich geringer ausgefallen als der mit anderen Haupthandelspartnern. Der Anteil des chinesisch-deutschen Handels am China-EU-Handel ist sogar gestiegen. Viele deutsche Firmen, wie Bayer, VW, Daimler und BMW haben in China ermutigend gute Ergebnisse erzielt. All das macht die vielversprechende Perspektive der chinesisch-deutschen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wirtschaft und des Handels deutlich.

Im Kulturaustauschbereich haben die Veranstaltungen Deutschland und China - Gemeisam in Bewegung sowie China in Dresden und Dresden in China, beide unter Schirmherrschaft von Staatspräsident Hu Jintao und Bundespräsident Köhler, Erfolge erzielt. Als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse hat China seine umfangreiche und vielfältige Kultur auf der Messe präsentiert. Zwischen Bundesländern, Provinzen und Städten beider Staaten bestehen 59 Partnerschaften. Mehr als 400 Hochschulen beider Länder haben ebenfalls Partnerschaften geschlossen. Die Funktionen des Chinesischen Kulturzentrums Berlin werden weiter ausgebaut. Die Zahl der Konfuzius-Institute nimmt rapide zu. Mit Eröffnung des Konfuzius-Institutes in Duisburg, die wir heute hier feiern, haben wir bereits 10 Konfuzius-Institute in Deutschland. Um den Kulturaustausch zwischen China und Deutschland zu intensivieren, hat sich die chinesische Regierung entschieden, in den kommenden 3 Jahren 600 deutsche Schüler zum Sommerlager in China einzuladen, 200 deutschen Dozenten sowie Studenten Stipendien für Chinesisch-Fortbildungskurse in China anzubieten und zum 40jährigen Jubiläum der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen ein "China-Jahr" in Deutschland zu veranstalten. Der intensive personelle und kulturelle Austausch hat das gegenseitige Verständnis beider Völker und den Volkswillen als Grundlage für die langfristige und stabile Entwicklung der bilateralen Beziehungen gestärkt. Die chinesische Seite ist zufrieden mit der guten Entwicklung der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern.

Ich bin am 20. August in Deutschland eingetroffen, das ist noch keine lange Zeit, aber ich bin mir der Ehre der Mission und der Größe der Verantwortung bewusst. Der jetzige gute Zustand der chinesisch-deutschen Beziehungen ist Ergebnis unermüdlicher Bemühungen von Generationen. Die chinesisch-deutschen Beziehungen weiter voranzubringen ist für mich sowohl eine unabweisliche Pflicht als auch eine große Herausforderung.

Herr Oberbürgermeister Sauerland, Herr Prof. Heberer, Herr Prof. Taube sowie viele anwesende deutsche Freunde haben seit Jahren ihren Beitrag zur Förderung der chinesisch-deutschen Beziehungen geleistet. Dafür danke ich Ihnen herzlich. Ich erwarte und bin davon überzeugt, dass Sie alle weiterhin die chinesisch-deutschen Beziehungen mit Interesse verfolgen und unterstützen werden, um sie in Zukunft voranzutreiben.

III. Probleme in den chinesisch-deutschen Beziehungen

Wir vertreten seit jeher die Auffassung, dass alle Länder ihre Unterschiede in Gesellschaftssystem, Ideologie, Kultur, Tradition und Entwicklungsniveau überwinden und Beziehungen der freundschaftlichen Zusammenarbeit aufbauen können. Die Geschichte der chinesisch-deutschen Beziehungen seit 37 Jahren hat uns in dieser Ansicht bestätigt. Kein Land und kein Gesellschaftssystem ist perfekt. Deshalb sollten die Regierungen und Völker aller Länder den Austausch intensivieren, voneinander lernen, mit Stärken der anderen eigene Schwächen nachbessern und sich gemeinsam entwickeln.

Wir sind auch der Auffassung, dass die Vielfalt der Gesellschaftssysteme und die Entwicklungswege, die die Völker ausgewählt haben, respektiert werden müssen. Das ist so ähnlich wie beim Essen. Sie essen mit Messer und Gabel, und wir mit Essstäbchen. Niemand behauptet, man könne sich nicht sättigen, wenn man mit Messer und Gabel oder [wenn man] mit Essstäbchen isst. Es gibt auf der heutigen Welt vielfältige Gesellschaftssysteme und Entwicklungsmodelle. Ob sie gut oder schlecht sind, können die Völker in der Welt [selbst] am besten beurteilen.

Die Menschheit schreitet in der historischen Entwicklung ständig tastend voran und lernt dabei neue Dinge kennen. Überlegen Sie sich Gedanken einmal: Hat es das in der menschlichen Geschichte schon gegeben, dass ein Fünftel der Weltbevölkerung in ganz kurzer Zeit gemeinsam den Weg der Industrialisierung, Modernisierung und Urbanisierung einschlägt? Der erfolgreiche Entwicklungsweg und die großen Erfolge Chinas wecken bei vielen Neugier und Unverständnis; das ist nur verständlich. Denn das Entwicklungsmodell und die erfolgreichen Erfahrungen Chinas sprengen schon den Rahmen der bestehenden Lexika der Politikökonomie und Sozialwissenschaft. Darin liegt wohl der Grund, dass die Top-Ökonomisten in der Welt die wirtschaftliche Lage Chinas immer wieder falsch einschätzen.

Gerade weil China und Deutschland Unterschiede in Gesellschaftssystem, Ideologie, Kultur und Tradition haben, ist es unvermeidbar, dass Probleme in unseren bilateralen Beziehungen auftreten. Umso mehr sollten beide Regierungen und Völker ihren Meinungsaustausch intensivieren und das gegenseitige Vertrauen verstärken. Auf der Frankfurter Buchmesse hat ein deutscher Journalist zufällig 10 Chinesen und 10 Deutsche nach Schriftstellern des anderen Landes gefragt. Neun Deutsche kannten überhaupt keinen chinesischen Schriftsteller. Im Vergleich dazu nannten die Chinesen mehrere Namen deutscher Autoren. Der Verlag Commercial Press hat in den letzten Jahren eine Sammlung von "Chinesische Übersetzungen berühmter wissenschaftlicher Werke der Welt" in 10 Reihen mit mehr als 400 Bänden aus den Kategorien Philosophie, Geschichte, Politik, Ökonomie, Geographie und Sprachwissenschaft herausgegeben, die die wichtigsten Werke aller Schulen von der Klassik bis Gegenwart umfasst. Aber wie viele chinesische wissenschaftliche Werke werden in Fremdsprachen übersetzt worden? Ganz wenige. Das beweist einerseits, dass die Chinesen gewillt sind, von fortschrittlichen Konzepten und Erfahrungen aus dem Ausland zu lernen, und andererseits, dass es noch großen Nachholbedarf bei der Präsentation unseres Landes gibt.

Meines Erachtens sollte man bei Kommunikation und Austausch vor allem zwei Punkte beachten:

Erstens Allseitigkeit und Objektivität. Man sollte sowohl das Gute als auch das Nicht-Gute sehen, und insbesondere in der Lage sein, zu unterscheiden, welche Seite die Hauptströmung bildet. Zum Beispiel begegnete ich in Berlin auf der Straße einmal einem Betrunkenen, was mir nicht viel ausmachte, es gibt ja in jeder Stadt solche Leute. Aber ich denke, wenn jetzt ein Journalist immer wieder über diesen Betrunkenen berichtet, wird man sicher glauben, dass Deutschland ein Land ist, wo überall Betrunkene sind. Bedauerlicherweise tun manche deutsche Medien genau so dies und stellen China als ein schreckliches Land dar. Mit der Bekämpfung der Erdbebenkatastrophe sowie mit den Olympischen Spielen in Beijing im letzten Jahr scheinen viele Ausländer auf einmal ein liebevolles, gemeinsam vorwärts strebendes neues China entdeckt zu haben. Wie Sie alle wissen, kann es nicht sein, dass ein Land und ein Volk sich über Nacht so grundlegend ändern. Was war also das Problem? Es liegt darin, dass die Medien nicht allseitig und objektiv über China berichtet haben. So wünsche ich mir aufrichtig, dass beide Völker bzw. die Medien das andere Land allseitig und objektiv betrachten und darüber berichten.

Zweitens [muss man] Vorurteile beseitigen. Im langen Fluss der menschlichen Geschichte traten verschiedenste Gesellschaftsformen und Entwicklungsmodelle auf. Manche sind geglückt, manche missglückt. Das ist normal. Es gibt Leute, die glauben, so wie der Sozialismus in der ehemaligen Sowjetunion und den osteuropäischen Ländern gescheitert ist, so wird er auch in China scheitern. Ich glaube, wenn man den Sozialismus chinesischer Prägung und das besondere Entwicklungsmodell Chinas nicht genau studiert, ist es ganz leicht, zu einer solchen Schlussfolgerung zu kommen. Wenn man mit dieser Schlussfolgerung China betrachtet, ist es nicht zu erklären, weshalb China es geschafft hat, 1,3 Milliarden Chinesen zu ernähren, während noch eine Milliarde Menschen weltweit Hunger leiden; weshalb das wirtschaftliche Wachstum Chinas trotz der internationalen Finanzkrise weiterhin bei 8% bleibt; weshalb manche China aufgefordert haben, den Kapitalismus zu retten; weshalb Länder, die seit Jahrzehnten das westliche Entwicklungsmodell praktizieren oder nachahmen, immer noch zu den ärmsten der Welt gehören. Wenn man China mit ideologisch starren Denkmustern oder sogar mit Auffassungen aus dem Kalten Krieg betrachtet, wird man nie ein klares Bild bekommen. Hierbei sind Vorurteile furchtbarer als Unwissen. Daher hoffe ich aufrichtig, dass die Völker bzw. die Medien beider Länder beim Austausch und bei der Berichterstattung die historischen und ideologischen Vorurteile überwinden, um das andere Land und dessen Volk wirklich kennenzulernen und zu verstehen.

VI. Schlusswort

Ich möchte meine Rede gerne mit einem Zitat von Konfuzius beenden: Wenn drei unterwegs sind, dann kann einer unter ihnen bestimmt mein Lehrer sein. Das Gute an ihm übernehme ich, das Schlechte an ihm korrigiere ich. Damit mahnt Konfuzius, man sollte aus den Stärken anderer lernen und sich die Schwächen anderer eine Lehre sein lassen, um sich zu vervollkommnen. Seit 2000 Jahren ist der Satz nicht nur Richtschnur für viele Chinesen geworden, er beeinflusst auch die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Chinas. Vielleicht können Sie mit diesem Spruch anfangen, um Konfuzius und das heutige China kennenzulernen.

Zum Schluß wünsche ich dem Konfuzius-Institut Metropole Ruhr ein gutes Gelingen und der Zusammenarbeit zwischen der Universität Duisburg-Essen und China bzw. zwischen der Stadt Duisburg und China viel Erfolg!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Suggest to a friend
  Print