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Ansprache des Botschafters Wu Hongbo zur Eröffnung der China-Woche an der FU Berlin
2010/06/18

Sehr geehrter Herr Präsident Alt,

sehr geehrte Frau Direktorin Prof. Dr. Leutner,

sehr geehrter Herr Generaldirektor Rieke,

sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sandschneider,

meine Damen und Herren,

Vor 4 Jahren wurde das erste Konfuzius-Institut in Deutschland hier eröffnet. Bis heute haben wir in Deutschland insgesamt schon 11 Konfuzius-Institute, die das Lernen der chinesischen Sprache und Kultur für deutsche Freunde sehr erleichtern und eine Brücke für Förderung von Kontakt und Kenntnis zwischen den beiden Völkern schlagen. Daher freue ich mich sehr an diesem Ort, der für die Kultur- und Bildungszusammenarbeit zwischen China und Deutschland von wichtiger Bedeutung ist, an der Eröffnung der China-Woche von der FU Berlin teilzunehmen. Zuerst möchte ich im Namen der chinesischen Botschaft zu der China-Woche der FU Berlin herzlich gratulieren.

Meine Damen und Herren, es ist allen bekannt, dass es im 17. bzw. 18. Jahrhundert in Europa ein China-Fieber gab. Das chinesische Porzellan, die chinesische Seide, die Gartenkunst, Literatur und das Brauchtum Chinas wurden sosehr von Europäern, insbesondere von den der oberen Schicht begehrt. Von dem wunderbaren Meissener Porzellan bis das prachtvolle Teehaus im Potsdamer Sansoucci, von dem klassischen China-Saal im Goethehaus in Frankfurt bis das Gelöbnis Wohin mein Auge spähend brach, Dort ewig bleibt mein Osten. im Gedicht Chinesisch-deutsche Jahres- und Tageszeiten von Goethe. An all dem kann man den starken Einfluß dieser Strömmung im damaligen Deutschland erkennen. Herr Präsident Prof. Dr. Alt ist Experte für die deutsche Literatur zu der Zeit. Daher kann er Ihnen diesbezüglich viel kompetenter berichten als ich. Aber wenn wir heute diese Geschichte ganz objektiv beobachten, werden wir feststellen, dass das damalige China-Fieber nicht auf umfassender wahrer Kenntnis über China basierte. Wegen der geographischen Entfernung und des schweren Verkehrs waren damals direkte Kontaktmöglichkeiten zwischen beiden Seiten sehr begrenzt. Die Bewunderung über China war geprägt von den Anekdoten mancher Missionäre und der Vorstellung über China als ein mysteriöses exotisches Land. Deshalb war das damilige China-Bild von vielen Mißverständnissen und Vorurteilen begleitet. Für Chinesen von heute ist das Chinesische Teehaus im Sansoucci kein klassisches chinesisches Gebäude, sondern ähnelt eher einer Jurte. Die vergoldenen chinesischen Figuren an diesem Gebäude sehen eher wie Europäer in chinesischer Kleidung aus.

Heute dank des schnellen Verkehrsnetzwerks und vielfältiger Kommunikationsmöglichkeiten ist der Austausch zwischen unseren beiden Völkern längst von den geologischen und telekommunikativen Hürden befreit. Dadurch können wir viel direkter einander kennenlernen. Im Jahr 1978 hat Newsweek bei ihrer jährlichen Wahl für die Person des Jahres den Chefarchitekten für die chinesische Reform- und Öffnungspolitik, Herrn Deng Xiaoping, als Träumer bezeichnet. Das ist Ausdruck ihrer Skepsis gegenüber Entwicklung Chinas. Aber trotz Auswirkung der internationalen Finanzkrise ist das BIP Chinas im vergangenen Jahr um 8,7% gestiegen und trug bis 50% zum Weltwirtschaftswachstum bei. China ist Exportweltmeister, 2. größter Importeur der Welt und der weltweit größte Absatzmarkt von Autos geworden. Durch all diese Fakten entsteht für die Welt ein neues China-Bild und die Aufmerksamkeit ist immer stärker an China gerichtet worden. Weltweit ist ein neues China-Fieber im Entstehen. Der frühere US-Präsident Carter hat mal gesagt, er habe nie damit gerechnet, dass sich China eines Tages zur am schnellsten wachsenden Volkswirtschaft der Welt entwickeln werde. Er habe auch nicht damit gerechnet, dass China bei der internationalen Finanzkrise eine der wichtigsten stabilisierenden Kräfte der Welt werde. Heute sehen wir, dass immer mehr deutsche Freunde die Entwicklung in China intensiv verfolgen, und sich für chinesische Kultur interessieren und mehr Kenntnis über dieses alte aber gleichzeitig auch junge orientale Land wünschen.

China und Deutschland haben vor 38 Jahren diplomatische Beziehungen aufgenommen. Seitdem erweitert und vertieft sich unsere Zusammenarbeit in Bereichen wie Politik, Wirtschaft, Kultur, Bildung und Forschung ständig. Auch Austausch und Zusammenarbeit zwischen Hochschulen beider Länder haben viele Früchte getragen und geben ein gutes Beispiel für chinesisch-deutsche Zusammenarbeit in anderen Bereichen. Die Gewissenhaftigkeit und Pragmatik der deutschen Hochschulen haben immer mehr chinesischen Studenten zu einem Studium hierher herangezogen. Dass 45 deutsche Universitäten sich an der Veranstaltung China-Woche beteiligen, die als wichtigster Teil des Chinesisch-Deutschen Jahres für Wissenschaft und Bildung gilt, ist zum ersten Mal in der Geschichte unseres Kultur- und Bildungsaustausches. Daher ist es auch von wichtiger Bedeutung. Die FU Berlin ist eine der besten Forschungsuniversitäten in Deutschland. Sie wird auch als "deutsche Oxford" genannt. Viele Wissenschaftler, darunter auch mehrere Nobelpreisträger haben hier studiert oder gearbeitet. Die FU Berlin hat auch engen Kontakt zu den Elitenuniversitäten Chinas, wie z. B. Peking Universität, Fudan Universität und Nanking Universität usw. Während der China-Woche werden die Kooperationserfolge zwischen chinesischen und deutschen Hochschulen sowie Forschungseinrichtungen vorgestellt, was den weiteren Austausch anstoßen, deutsche Studenten zum Studium in China ermutigen und gegenseitige Kenntnis sowie Freundschaft zwischen jüngeren Leuten beider Länder fördern wird. Damit ist die China-Woche auch eine wichtige Chance für deutsche Dozenten und Studenten, mehr über China zu erfahren. Daher möchte ich mich herzlich bei Bundesministerium für Bildung und Forschung, bei der Freien Universität Berlin für Ihren Einsatz bedanken.

Meine Damen und Herren, ein chinesisches Sprichwort lautet, einmal sehen ist besser als hundertmal hören. Dr. Kissinger hat mal gesagt, die Welt erlebe nie dagewesene Änderungen. Und die größte davon sei die Änderung in China. Ehrlich gesagt, die schnelle Entwicklung Chinas ist nicht nur für viele Ausländer schwer nachzuvollziehen. Es ist sogar auch für viele Chinesen eine Überraschung. China ist ein komplexes und schönes Buch. Aber dieses Buch ist so dick, dass es gar nicht zu einfach zu verstehen ist. Deshalb hoffe ich, dass die Studenten der FU sich nicht nur von deutschen Medien über China informieren lassen, sondern auch mehr direkt mit Chinesen Kontakt aufnehmen, durch verschiedene Perspektiven und Kanäle das sich schnell entwickelnde wahre China kennenlernen können. China ist so groß. Chinas Potential ist so groß. Daraus ergeben sich so viele Chancen. Sie sind zu Studium, Arbeit, Leben und sogar Unternehmengründung in China herzlich willkommen!

Goethe hat einmal ein Gedicht über die Integration der chinesischen und der westlichen Kultur geschrieben. Sinngemäß heißt es: der westliche und östliche Kontinent können nicht länger getrennt bleiben. Wer hat diese Weitsicht, soll das auch einsehen. Was ich hoffe, ist das Voneinanderlernen der beiden Erdteile. Was ich auch hoffe, ist die Kontaktaufnahme zwischen Ost und West. Leibniz hat auch gesagt, die chinesische und die westliche Kultur sollten voneinander lernen und mit einer Laterne die andere beleuchten. Die Grundlage der zwischenstaatlichen Beziehungen ist die Freundschaft zwischen Völkern. Es ist mir ganz sicher, mit Intensivierung des kulturellen Austausches wird der Kontakt zwischen unseren beiden Völkern auch immer enger, die Freundschaft zwischen China und Deutschland wird immer mehr Früchte tragen.

Zum Schluß wünsche ich der China-Woche an der FU Berlin viel Erfolg!

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