Home Über uns Wirtschaft und Handel Kontakt Konsularservice Bildung Links
 
Home > Der Botschafter  > Vorträge
Rede von Botschafter Wu Hongbo beim Abendbankett des Verbandes der Automobilindustrie (VDA)
2011/11/22

Sehr geehrter Herr Präsident Wissmann,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

guten Abend! Vielen Dank für die freundliche Einladung von Herrn Präsident Wissmann zur Teilnahme an der heutigen Veranstaltung. Es ist mir eine große Freude, auf ein Mal so viele wichtige Vertreter der deutschen Automobilindustrie kennenzulernen und direkt mit Ihnen auszutauschen.

Als Erfindungsort des Automobils behält Deutschland mit kontinuierlicher Suche nach Perfektion und Innovation als seiner Tradition in den vergangenen über 100 Jahren stets starke internationale Konkurrenzfähigkeit im Bereich Automobilindustrie bei. „Made in Germany“ ist heute schon ein Synonym für höchsten Qualitätsstandard. Die Automobilzulieferer werden als ein entscheidender Faktor in der Automobilindustrie betrachtet. Die deutschen Automobilzulieferer sind hoch entwickelt und spezialisiert, verfügen über reichliche Technologie und Managementserfahrungen und bilden damit einen wichtigen Grund für den fortdauernden Erfolg der deutschen Automobilindustrie. Ich habe den Jahresbericht des VDA gelesen. Nach der vorgelegten Statistik haben die deutschen Automobilzulieferer im vergangenen Jahr einen Umsatz von etwa 6,16 Mrd. Euro erzielt. Damit hat die Branche wieder das Vor-Krisen-Niveau erreicht und setzt in diesem Jahr das schnelle Wachstum fort. Diese positive Tendenz ist hart erkämpft. Und zu dem erfolgreichen Geschäft der anwesenden Unternehmer möchte ich herzlich gratulieren.

China ist eine Nachwuchskraft in der Automobilindustrie. Aber die Automobilindustrie und deren Zulieferer haben in den mehr als 30 Jahren seit der Reform- und Öffnungspolitik eine rapide Entwicklung realisiert. 2009 ist China zum größten Hersteller und Absatzmarkt von Autos aufgestiegen. Bis Oktober dieses Jahres hat sowohl die Produktion als auch der Absatz von Autos in China die 15 Mio.-Marke überschritten. Die chinesischen Automobilzulieferer entwickeln sich synchronisch mit den Automobilherstellern. Im vergangenen Jahr hatten sie eine Wertschöpfung von über 1,6 Billionen Yuan (RMB) und sind damit um 44% gewachsen. Nun ist die Branche in der Lage, Zulieferung für 18 Mio. und After-Sales-Service für 70 Mio. Fahrzeuge anzubieten. Die Zusammenarbeit mit Deutschland hat die rapide Entwicklung der chinesischen Automobilindustrie entscheidend vorangetrieben. 1984 hat Shanghai Volkswagen als erster Jointventure-Automobilhersteller Produktion aufgenommen. Santana ist das Synonym für die moderne Automobilindustrie in China. Für deutsche Automobilindustrie ist China nach mehr als 2 Jahrzehnten schon der wichtigste Produktionsstandort außerhalb Deutschlands und der weltweit größte Absatzmarkt. Der Absatz der deutschen Autos wird für dieses Jahr mehr als 2,2 Mio. betragen. In den ersten 10 Monaten haben deutsche Autohersteller schon 2,05 Mio. Autos in China verkauft, viel mehr als in Deutschland, was nur 1,16 Mio. beträgt. Es ist mir ganz sicher, China ist für viele anwesende Freunde gar nicht so fremd. Denn sie haben dort bereits Produktionsstätten oder Forschungszentren eingerichtet. Inzwischen ist die chinesisch-deutsche Zusammenarbeit schon keine Ein-Bahn-Straße mehr. Mit deutschen Kollegen zusammenzuarbeiten gilt für chinesische Unternehmen bei ihrer „Go-out“-Strategie als erste Wahl in Europa. Allein in diesem Jahr haben chinesische Firmen in deutsche Unternehmen wie Preh, Saargummi und KSM investiert.

Meine Damen und Herren,

China ist zwar schon der größte Produzent und Absatzmarkt von Automobil. Aber pro 1000 Chinesen verfügen über lediglich ca. 60 Autos. Diese Zahl ist deutlich unter dem Niveau in Deutschland (500). Schätzungen zufolge wird sich der Kfz-Bestand Chinas bis 2015 verdoppeln und 145 Mio. betragen. Der Markt für Ersatz- und Bauteile wird mehr als 20% pro Jahr wachsen. Ich hoffe, die deutschen Zulieferer die enorme Chance wahrnehmen und sich noch aktiver an der Entwicklung des chinesischen Marktes beteiligen. Ich möchte hiermit folgende Vorschläge zum Ausbau unserer Zusammenarbeit unterbreiten.

Erstens, den finanziellen und technologischen Einsatz erhöhen und den Marktanteil in China ausbauen. Seit Chinas Beitritt zur WTO hat China die Einfuhrzölle für Zubehör und Ersatzteile in großem Maße reduziert und die Offenheit des Marktes ständig erhöht. Ausländische Unternehmen belegen jetzt schon 75% des chinesischen Marktes. Im Bereich Elektronik und Motoren liegt der Marktanteil der ausländischen Autozulieferer bei über 90%. Wenn man sich trotz harter Konkurrenz auf chinesischem Markt behaupten oder sogar Marktanteil ausbauen will, sollte man den finanziellen und technologischen Einsatz weiter erhöhen. Sonst werden Ihre amerikanischen oder japanischen Konkurrenten die Nase vorn haben. Die chinesische Regierung wird die Gesetze zum Schutz des geistigen Eigentums strikt ausführen, um für Sie stabile und zuverlässige Rahmenbedingungen für Zusammenarbeit zu schaffen, um Ihre mögliche Sorgen zu beseitigen.

Zweitens, die Tiefe und Breite der Zusammenarbeit ausbauen und die neue Zusammenarbeitsbereiche in Mitte- und Westchina erschließen. Dank der staatlichen Entwicklungsstrategie zur Erschließung von West- bzw. Mittechina entwickelt sich die Wirtschaft in diesen Regionen schnell. Die Infrastruktur dort verbessert sich ständig. Durch Auslagerung der Produktion von Küstenregion nach Mitte- und Westchina erhöht sich die Produktionskapazität dort auch sehr schnell. In Mitte- und Westchina leben mehr als 700 Mio. Kunden. Das ist an sich schon ein riesiger Markt, der nicht zu vernachlässigen ist. Für deutsche Automobilzulieferer empfielt sich daher, Zusammenarbeit in Mitte- und Westchina aktiv zu überprüfen und planen. In dieser Hinsicht steht die chinesische Botschaft gern bereit, für VDA und für Sie als Unternehmer alle mögliche Hilfe bei Expedition der Investitionsrahmenbedingungen und Suche nach möglichen Zusammenarbeitspartnern zu leisten.

Drittens, Fahrzeuge mit alternativer Antriebstechnik als historische Chance anpacken und danach streben, die Kooperation beider Länder auf ein höheres Niveau zu bringen. Im Zwölften Fünfjahre-Programm der chinesischen Regierung wird Fahrzeug mit alternativer Antriebstechnik als neue Schlüsselbranche mit strategischer Bedeutung festgestellt. Es wird erwartet, dass bis 2015 1 Mio. solche Fahrzeuge, bis 2020 sogar 15 Mio. verkauft werden. Die deutsche Bundesregierung hat in ihrem Plan für Entwicklung der Elektromobilität festgelegt, dass bis 2020 und 2030 jeweils 1 und 6 Mio. Elektrofahrzeuge verkauft werden. Im Juni dieses Jahres haben unsere beiden Regierungen während ihrer ersten Regierungskonsultationen Gemeinsame Erklärung zur Errichtung einer strategischen Partnerschaft für Elektromobilität unterzeichnet. Ich hoffe, dass Unternehmen beider Länder bei Kerntechnologie wie Batterieaufladen, Antrieb und Kompatibilität, Normung sowie Zertifikat ihre Zusammenarbeit intensivieren können. Außerdem sollten die Wirtschafts- sowie Wissenschaftsressourcen beider Länder zusammengeführt werden, um gemeinsam einen Vorsprung bei der künftigen Konkurrenz zu verschaffen.

Viertens, die Lokalisierung vertiefen, die Ausbildung der chinesischen Mitarbeiter bei Produktion, Forschung, Anschaffung und Management intensivieren. Der chinesische Markt braucht Manager, die technisches Fachwissen mit Verwaltungsmethoden kombinieren können. Dieser Markt braucht aber auch technische Mitarbeiter, die Produktion, Elektronik und Computer auskennen. Im Jahr 2010 sind 3,6 Mio. Menschen in chinesischer Automobilindustrie beschäftigt. Bis 2015 werden mehr als 5 Mio. in dieser Branche tätig sein. Angesichts der hohen Wachstumsrate der chinesischen Automobilindustrie und deren Zulieferer wird für die nächsten Jahre permanent ein struktureller Fachkräftemangel bestehen. Das deutsche duale Ausbildungssystem legt eine solide Grundlage für die Wirtschaftsentwicklung Deutschlands. Die Unternehmen, die hier vertreten sind, haben reichliche Erfahrung bei Ausbildung ihrer Mitarbeiter. Die lokalen Fachkräfte auszubilden dient einem besseren Verständnis für chinesische Märkte und Kunden, schafft auch eine wichtige Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung auf dem chinesischen Markt. Deshalb rufe ich alle anwesenden Freunde auf, der Ausbildung der chinesischen Fachkräfte noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken, um mögliche Beschränkung der weiteren Entwicklung wegen Fachkräftemangel zu vermeiden.

Meine Damen und Herren,

gegenwärtig vermehrt sich die Unsicherheit über die Weltwirtschaft. Das Wachstum der US-Wirtschaft ist nach wie vor schwach. Die Gefahr, dass sich die Schuldenkrise auf Kernländer der Eurozone ausbreiten wird, nimmt zu. China steht auch vor Herausforderungen wie Regulierung der Wirtschaftsstruktur sowie Eindämmung von Inflation. Angesichts der Wirtschaftsglobalisierung ist die Zusammenarbeit und gemeinsame Bewältigung die einzige Möglichkeit zur Realisierung des gemeinsamen Gewinns. Ich wünsche und glaube, dass Sie Ihre Bemühungen fortsetzen, noch größere Beiträge zum Ausbau der Zusammenarbeit und zur gemeinsamen Überwindung der gegenwärtigen Schwierigkeiten leisten werden.

Vielen Dank!

Suggest to a friend
  Print