Home Über uns Wirtschaft und Handel Kontakt Konsularservice Bildung Links
 
Home > Der Botschafter  > Vorträge
Rede des Botschafters Shi Mingde an der Universität Tübingen
2012/10/26

Rede des Botschafters Shi Mingde anlässlich der Eröffnung des neuen Lehramtsstudiengangs „Bachelor/Master of Education Sinologie/Chinesisch“ an der Universität Tübingen am 25.10.2012

Sehr geehrter Herr Rektor Prof. Engler,

sehr geehrte Frau Ministerin Warminski-Leitheusser,

sehr geehrter Herr Qiao,

meine Damen und Herren,

mit großer Freude bin ich hierher gekommen, um an der Eröffnungsfeier des neuen Lehramtsstudiengangs „Bachelor/Master of Education Sinologie/Chinesisch“ an der Universität Tübingen teilzunehmen.

Als Universitätsstadt bekannt, ist Tübingen eine alte und junge Stadt mit voller Vitalität und Charme. Viele große Dichter und Denker wie Hegel, Schelling, Johannes Kepler haben hier gelebt und gewirkt, fast jeder Platz und jedes Haus in der Altstadt erinnert an einen berühmten Gelehrten. Sie sind das Stolz der Universität und der Stadt, weil sie große Beiträge zu der menschlichen Zivilisation geleistet haben. Im diesem Jahr wurde die Universität Tübingen zu den 11 Exzellenz-Universitäten in Deutschland gekürt, hiermit möchte ich meine Gratulation und Glückwünsche aussprechen.

Die Universität Tübingen und das Bundesland Baden-Württemberg legen großen Wert auf den Austausch mit China in den Bereichen Wissenschaft, Bildung und Kultur. Dieser Austausch hat eine lange Tradition, verfügt über ein breites Spektrum und hat bemerkenswerte Ergebnisse erzielt. In den letzten Jahren unterhält die Universität Tübingen eine enge und fruchtbare Zusammenarbeit mit einigen renommierten chinesischen Universitäten, wie Peking Universität, Nanjing Universität, Fudan Universität und Hong Kong Universität. Diese Kooperationen haben nicht nur die chinesisch-deutsche Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung intensiviert und bereichert, sondern auch das gegenseitige Verständnis und Vertrauen gefördert.

Als eine der bekanntesten Forschungsstätte der China-Wissenschaft in Deutschland weist die Sinologie der Universität Tübingen ein breites Feld auf. Es umfasst die Forschung von der chinesischen Antike bis zu zeitgenössischen sozialen Bereichen. Der Lehrstuhl „Greater China“ ist europaweit der einzige Lehrstuhl, der sich mit der gesamten chinesischen Zivilisation beschäftigt. Die Errichtung des Lehramtsstudiengangs für Chinesisch an Ihrer Universität, der heute offiziell eingeführt wird, gehört zu den ersten erfolgreichen Bemühungen im Raum Süddeutschlands. Bundesweit gesehen geht es hier um den zweiten Lehramtsstudiengang für Chinesisch, der der wachsenden Nachfrage nach heimischen qualifizierten Chinesisch-Lehrer Rechnung tragen wird. Ich bin mir zuversichtlich, dass der Chinesisch-Unterricht an baden-württem-

bergischen Schulen und in der ganzen Bundesrepublik in wenigen Jahren von dem heutigen Tag profitieren wird. Dazu möchte ich im Namen der chinesischen Botschaft, und auch in meinem eigenen Namen, Sie, sehr geehrten Herrn Rektor, liebe Professoren und Studierende, recht herzlich beglückwünschen.

Meine Damen und Herren,

laßt uns kurz auf die Geschichte des chinesisch-deutschen Bildungsaustauschs zurückblicken: im Jahr 1876 kamen die ersten Studierenden aus China nach Deutschland. Unter den in den nachfolgenden Jahrzehnten in Deutschland studierten Chinesen waren viele, die später akademisch wie politisch großen Einfluss auf die chinesische Zeitgeschichte und Entwicklung ausgeübt haben, wie Cai Yuanpei und Ji Xianlin, großer Gelehrter und Rektor von Peking-Universität, Zhou Enlai, langjähriger chinesischer Ministerpräsident, Zhu De, Feldmarschall, und Qiao Guanhua, der Außenminister, um nur einige Beispiele zu nennen. Herr Qiao Guanhua hatte in den 30er Jahren hier an der Tübinger Universität promoviert, heute wird seine Promotionsurkunde nach mehr als 70 Jahren nachträglich ausgehändigt, sein Sohn, Herr Qiao Zonghuai, der in Vaters Fußstapfen getreten und Vizeaußenminister war, ist extra angereist und wird die Urkunde entgegennehmen.

Heute erreicht der chinesisch-deutsche Austausch in Bildung und Wissenschaft eine solche Breite und Tiefe, die man vor 100 Jahren sich kaum vorstellen konnte. Die Zusammenarbeit ist voll mit Inhalten gefüllt und erlebt kontinuierliche Vertiefung. Die 13 Konfuzius-Institute in Deutschland, die von China und Deutschland gemeinsam aufgebaut sind, stellen eine Brücke zwischen der chinesischen und deutschen Kultur dar. In den letzten 6 Jahren wurden mehr als 800 deutsche Lehrern und Schüler, Schuldirektoren, Sprachstipendiaten, Teilnehmer des „Chinese Bridge“ -Sprachwettbewebs nach China eingeladen, so dass sie Gelegenheit hatten, die chinesische Kultur vor Ort erleben zu können.

Sowohl im Hochschulbereich als auch bei der Berufsausbildung hat die Zusammenarbeit beider Länder in den letzten Jahren große Erfolge erzielt. Derzeit sind mehr als 550 Partnerschaften zwischen Hochschulen etabliert. Etwa 30,000 Chinesen studieren und forschen in Deutschland, mehr als 5,000 Deutsche machen ihren Studienaufenthalt in China. China ist das zweitgrößte Zielland für deutsche Studierende außerhalb der EU geworden. Deutschland ist Chinas einer der wichtigsten Partner bei der Zusammenarbeit in Berufsausbildung.

Die Sprache ist eine wichtige Brücke zu mehr Völkerverständigung, zu mehr Völkerfreundschaft und damit zu mehr Frieden in der ganzen Welt. Sprache zu vermitteln heißt auch Frieden zu vermitteln. Die Sprache an sich ist auch das unabdingbare Werkzeug, das man nicht genug schleifen und pflegen kann. So haben China und Deutschland im August bei ihren zweiten Runde der Regierungskonsultationen einen weisen Beschluss gefasst, das Jahr 2013/14 gemeinsam als das Jahr der chinesischen und deutschen Sprache auszutragen. Die Errichtung des Lehramtsstudiengangs für Chinesisch an der Universität Tübingen und eine Reihe Veranstaltungen in dieser Woche hier könnten als Vorspann von diesem Sprachenjahr verstanden werden. Möge „das Chinesische Sprachjahr in Deutschland“ den neuen Studiengang hier beflügeln!.

Ich bin der festen Überzeugung, dass immer mehr Leute aus dieser Region durch die Plattform um die Sinologie der Universität Tübingen die Möglichkeit haben, in Kontakt mit der chinesischen Sprache und Kultur zu kommen und sich mehr über chinesische Geschichte und Gegenwart zu informieren. Ich wünsche, dass die Universität Tübingen nicht nur die Führungsposition bei der China-Forschung in Deutschland und Europa beibehält, sondern auch in vielen Bereichen mit chinesischen Universitäten und Forschungsinstituten weiterhin vertieft kooperieren wird.

Die chinesische Botschaft schätzt solche Zusammenarbeit sehr und ist bereit, der Universität Tübingen beim weiteren Aufbau des Lehramtsstudiengangs beizustehen. Die konkrete Unterstützung könnte je nach Bedarf in Form von Entsendung von Sprachlektoren, Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien, Vergabe von Stipendien u.s.w organisiert werden.

Meine Damen und Herren,

nochmals meine herzlichen Glückwünsche zur Eröffnung des Lehramtsstudiengangs !

Ihnen allen viel Erfolg und viel Spass beim Lehren und Lernen !

Suggest to a friend
  Print