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Botschafter Shi Mingde gab dem Handelsblatt ein Interview
2013/05/24

Am 24. Mai veröffentlicht Handelsblatt das Interview mit dem Botschafter Shi Mingde. Das Interview im Wortlaut:

Shi Mingde: Ein Handelskrieg schadet uns allen

Chinas Botschafter fordert ein Willkommenskultur für Investoren und kündigt die Gründung einer chinesischen Handelskammer in Berlin an.

Für einen Diplomaten, noch dazu aus dem als verschlossen geltenden China, ist Shi Mingde ungewöhnlich: Der 58-Jähriger, der 2012 nach Berlin kam, vertritt streitbar und offen seine Meinung.

Herr Shi, bei der ersten Auslandsreise nach seiner Wahl besucht Chinas Premier Li als einziges EU-Land Deutschland. Warum?

Wir wollen damit ein Zeichen setzen, dass China großen Wert auf die Beziehungen zu Deutschland legt, auf das besondere Vertrauen zwischen beiden Ländern. Mit keinem anderen westlichen Staat haben wir so hochrangige Regierungskonsultationen im Rahmen einer strategischen Partnerschaft. Aber wir wollen auch zeigen, dass wir in den schweren Zeiten zu Europa und dem Euro stehen. Wir unterstützen die Euro-Krisenländer, haben viele Staatsanleihen in Europa gekauft und hoffen, dass Europa schnell aus der Krise kommt. Wir sind als große Handelspartner gegenseitig voneinander abhängig. Indem wir Europa helfen, helfen wir uns auch selbst.

Dennoch überziehen sich die EU und China im Moment gegenseitig mit Vorwürfen: Europa kritisiert Ihr Land wegen der Subventionspolitik zugunsten Ihrer Solarindustrie und droht, den europäischen Markt mit Schutzzöllen abzuschotten.

Wir sind sehr enttäuscht von der EU und strikt dagegen, dass sie vorläufige Strafzölle gegen chinesische Solarprodukte beschlossen hat. Das ist ein falsches politisches Signal, ein neuer Schritt hin zu Protektionismus. Politik und Unternehmen sind gerade dabei, einen Kompromiss zu suchen. In der Solarbranche sind bereits Betriebe wegen der US-Strafzölle pleitegegangen, es geht um ein Handelsvolumen von mehr als 20 Milliarden Euro. China und Deutschland wollen Kompromisse und Konsultationen, nicht eine Konfrontation. Ein Handelskrieg würde beiden Seiten schaden, andere Bereiche in Mitleidenschaft ziehen. Das sehen wir mit großer Sorge. China und Europa sollten positives Zeichen setzen, dass die Zeit konfrontativen Denkens endgültig vorbei ist.

Chinesische Firmen investieren verstärkt in Deutschland. Fühlen die Unternehmen sich hier willkommen?

Wir haben ein Interesse daran, dass Investitionen keine Einbahnstraße sind. Allerdings gibt es auf deutscher Seite in der Wahrnehmung einen Bruch: Die Wirtschaft sieht es positiv, während die Medien vielen Deutschen mit Überschriften wie „Chinas Invasion“ oder „Ausverkauf“ Angst machen. Davon kann gar nicht die Rede sein. Chinas Investitionen laufen gerade erst an. Bisher machen sie gerade 0,2 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in Deutschland und nur zehn Prozent der deutschen FDI in China aus. Chinesische Firmen stellen dabei deutschen Firmen Mittel zur Verfügung, investieren, schaffen Arbeitsplätze und zahlen Steuern. Das ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

Wie wollen Sie das Image Chinas verbessern?

2012 haben chinesische Firmen etwa 1,6 Milliarden Euro in Deutschland investiert. Über 2000 chinesische Firmen sind in Deutschland ansässig. Sie haben beschlossen, jetzt eine chinesische Handelskammer, kurz CDHK, in Berlin zu gründen. Premier Li wird dies bekannt geben. Mit der CDHK wollen wir die Kommunikation chinesischer Firmen mit Wirtschaftsverbänden, Regierungsstellen und der Öffentlichkeit verbessern. In den beiden Vorjahren waren die chinesischen Investitionen in Deutschland erstmals größer als umgekehrt. Und wir haben Deutschland noch an anderer Stelle überholt.

Was meinen Sie?

China hat Deutschland 2012 als größtes Reiseland der Welt abgehängt: 83 Millionen Chinesen sind ins Ausland gereist und gaben mit über 100 Milliarden Dollar erstmals mehr als Deutsche aus. Das nützt ihnen aber auch: Chinesische Touristen geben pro Tag bis zu 900 Euro aus, das kurbelt die Binnenkonjunktur an.

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