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„Neuer Schwung-Mingde Shi lobt die gute chinesisch-deutsche Zusammenarbeit beim G20-Treffen"----Handelsblatt veröffentlicht den Artikel des Botschafters Shi Mingde
2016/09/02

Am 2. September veröffentlichte Handelsblatt einen Artikel des Botschafters Shi Mingde über die chinesisch-deutsche Zusammenarbeit beim G20-Treffen. Im Folgenden der Artikel im Wortlaut:

Das Gipfeltreffen der 20 führenden Industrie- und Schwel­len­länder (G20), das Anfang September erstmals in der chi­ne­sischen Stadt Hangzhou stattfinden wird, stößt weltweit auf gro­ße Beach­tung und erweckt hohe Erwartungen. Die internationale Finanzkrise zieht sich schon bald acht Jahre hin, doch die Erholung der Welt­wirtschaft verläuft lang­samer als erwartet. Bevor noch die alten Probleme gelöst sind, tauchen neue Herausforderungen auf.

Die geopolitischen Risi­ken steigen, der welt­weite Handel geht ständig zurück, und im Namen des Pro­tek­tionismus und des Isolationismus machen sich die Gegner der Globalisierung bemerkbar. Der Brexit bedeutet für Europa und die Welt einen gewaltigen Schock und belastet die ohnehin labile Weltwirtschaft noch zu­sätzlich.

Angesichts dieser Herausfor­derun­gen sucht jedes Land nach geeigneten Auswegen, doch die politi­sche Abstim­mung zwischen den maßgeblichen Wirtschaften bleibt unzu­reichend, die Nebenwirkungen der Finanz- und Wäh­rungs­po­li­tik machen sich negativ bemerkbar, und neue Wachstums­fak­toren greifen noch nicht, so dass die Weltwirt­schaft spürbar an Schwung verloren hat. Wie man das globale Wachstum wieder in Gang set­zen kann, ist die größte Schwierigkeit, mit der sich die einzelnen Länder konfrontiert sehen. Sie wird auch auf dem bevorstehenden, von China ausgerichteten G20-Gipfel das bestimmende Thema sein.

Als der erste Regelungsmechanismus für die internationale Wirtschaft, an dem entwickelte Länder und in der Entwicklung be­findliche Länder gleichberechtigt mitwirken, stehen die Mit­glieds­länder der G20 für zwei Drittel der Weltbevölkerung, 60% der welt­weiten Fläche, 80% des Welthandels und 85% des erwirt­schafteten Bruttoinlandprodukts (BIP). Mit Blick auf die unter­schiedlichen In­teressen der einzelnen Regionen und Völker sowie der Ent­wick­lungsländer und entwickelten Länder folgt dieses Gre­mium dem Grundsatz der einmütigen Konsultationen und erfüllt damit in der Förderung der Entwicklung der globalen Wirtschaft, Zusam­menar­beit und Kooperation eine Tag für Tag bedeutsamer werdende Auf­gabe.

Breiter Dialog

Seit China Ende vorigen Jahres turnusmäßig den Vorsitz über die G20 übernommen hat, hat es bereits große Anstren­gun­gen unternommen, um das Gipfeltreffen zu einem vol­len Erfolg zu machen und greifbare Ergebnisse zu erzielen. Die chinesische Seite hat bisher vier Sherpa-Treffen, drei Treffen der Finanz­minister und Notenbankchefs sowie Vizechefs und Dut­zen­de von Zusammenkünften aller möglicher Arbeitsgruppen durch­ge­führt. Der breite Dialog mit unterschiedlichen Vertretern aus In­du­strie und Handel, der Jugend- und Frauenverbände sowie der Ar­beitswelt wurde gesucht und jede Anstrengung unter­nom­men, die Bereit­schaft zum Konsens zwischen den wichtigen Wirt­schaften zu för­dern und durch die Bündelung aller Kräfte der Welt­wirtschaft neuen Schwung zu verleihen.

China hat gewaltige Anstrengungen zur Gestaltung dieses Gipfel­tref­fens unternommen. Für die Konferenz wurden die vier The­menkreise Methoden innovativen Wachstums, Optimierung der globa­len Wirtschafts- und Finanzordnung, Förderung des internationalen Han­dels und internationaler Investitionen sowie Anstöße zu einer groß­zü­gi­gen, vernetzten Entwicklung festgelegt. Es ist dies das erste Mal, dass auf einem G20-Gipfel Fragen der Entwicklung im Rahmen der welt­wei­ten makroökonomischen Politik einen solch prominenten Platz ein­neh­men.

Dabei wird erkennbar, dass China in seinen Konzepten zur Be­ant­wortung der Krise und zur Bewältigung der Schwierigkeiten mit Deutsch­land weitgehend auf einer Wellenlänge liegt. Was die Vorschläge zur Verbesserung der globalen Wirtschafts- und Finanzordnung angeht, ver­treten sie weitgehend gemeinsame Standpunkte. Beide Länder setzen sich für die Stärkung des Wirtschaftswachstums mittels allgemeiner politischer Maßnahmen wie struktureller Reformen, Innovationen und Investitionen ein. Beide Seiten betonen die Rolle der Realwirtschaft und vertreten die Ansicht, dass eine dauerhafte Erholung der Weltwirtschaft nicht allein auf finanzpolitische Stimuli und geld­po­li­tische Lockerungen bauen darf. Was das innovative Wachstum an­geht, betrachten beide Länder Schritte wie die Revolution der neuen In­dustrien und die digitalisierte Wirtschaft als Schlüssel, um aus tech­ni­scher, systemischer und ökonomischer Sicht Innovationen anzustoßen und eine Blaupause für das innovative Wachstum der Weltwirtschaft zu entwerfen.

Betrachten wir China, so wurde dort die Innovation in der staatlichen Entwick­lungs­strategie bereits an zentrale Stelle gerückt. Bis zum Jahre 2020 wer­den die Investitionen für Aufwendungen im Bereich Forschung und Ent­wicklung 2,5% des Bruttoinlandsprodukts ausmachen, und der Beitrag von Wissenschaft und Technik am wirtschaftlichen Wachstum wird 60% erreichen. Im Jahre 2015 gehörten über 300 chinesische Firmen zu den 2500 weltweit am stärksten in Forschung und Entwicklung investie­ren­den Unternehmen. Chinesische Firmen befreien sich allmählich von ihrer Geschichte als Erstausrüster (OEM) und entwickeln zunehmend ihre ei­genen Marken. Besonders der IT-Bereich hat sich durch wissen­schaft­lich-technische und handelsmäßige Innovationen zu einem Schlüssel­fak­tor und Leuchtturm des wirtschaftlichen Wachstums im China der letz­ten Jahre entwickelt.

So beläuft sich zum Beispiel das Volumen der in diesem Jahr über China Mobile abgewickelten Zahlungen auf 180 Mill. US-Dollar und soll bis 2018 jährlich um 20% steigen; Zahlungsabwickler wie AliPay haben bereits in Deutschland Fuß gefasst. Bevor noch von Amazon die Zustellung von Waren durch unbemannte Luftfahrzeuge dis­kutiert wurde, hat die chinesische Firma SF Express Versuche in dieser Richtung angestellt. WeChat bildet augenblicklich Chinas verbreitetste Plattform für den spontanen Austausch von Nachrichten und hat bereits vor Facebook, WhatsApp und SnapChat zahlreiche weltweit beliebte neue Funktionen entwickelt.

Musterfall für Zusammenarbeit

Richten wir den Blick auf Deutschland, so zeigt sich dieses Land als die weltweit viertgrößte Wirtschaftsmacht, die in der Fer­ti­gungsindustrie eine starke Stellung und in der „Industrie 4.0“ eine führende Rolle einnimmt. Die Verdienste um die Wahrung der Sta­bilität der Wirtschaft im Euro-Raum sind unübersehbar. Wie sich die chinesische und deutsche Wirtschaft im Bereich der klas­si­schen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen und der Investi­tio­nen zum gegenseitigen Nutzen ergänzen, wurde längst zu einem Mus­terfall der weltweiten wirtschaftlichen Zusammenarbeit, und im Be­reich der Innovation haben China und Deutschland das Tor der Kooperation schon weit aufgestoßen.

Während des Deutschland­besuches von Ministerpräsident Li Keqiang im Jahr 2014 haben die beiden Seiten ihren „Aktionsrahmen für die deutsch-chinesische Zu­sammenarbeit: Innovation gemeinsam gestalten“ veröffentlicht und sich dafür eingesetzt, auf dem Weg über Reformen und Inno­vationen das Wachstum zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit der beiden Länder zu erhöhen. Im vorigen Jahr hat das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung eine China-Stra­te­gie verabschiedet, die darauf abzielt, eine vielfältige Zusammenar­beit in den Bereichen Wissenschaft und Forschung sowie Inno­va­tion voranzutreiben.

Neuer Geschäftsmuster

Als noch vielversprechender und aussichts­rei­cher gilt zweifellos die strategische Verknüpfung von „Made in China 2025“ mit der deutschen „Industrie 4.0“, nach der beide Sei­ten gemeinsam eine neue industrielle Revolution anstoßen und neue Geschäftsmuster herausbilden werden. Damit lassen sich noch effizientere, ökonomischere, umweltbewusstere und individu­ellere Produktionsmethoden verwirklichen, um ein noch höheres und nachhaltigeres Wirtschaftswachstum zu erzielen.

Wenn Bundeskanzlerin Merkel auf dem G20-Gipfel in Hang­zhou auftritt, wird das seit ihrem Amtsantritt die insgesamt 10. Chi­nareise sein. Das macht sie zur europäischen Spitzenpolitikerin mit den meisten China-Besuchen und bringt hinlänglich zum Ausdruck, wie eng und von wechselseitigem Vertrauen geprägt die Bezie­hun­gen zwischen China und Deutschland sind. Die chinesische Seite räumt diesem Besuch von Bundeskanzlerin Merkel großes Gewicht ein und sieht ihm erwartungsvoll entgegen.

Als die beiden Länder, die sich 2016 und 2017 im Vorsitz ablösen, werden China und Deutschland im Rahmen der G20 verantwortungsvoll ihre Kräfte ver­einen, ihre Standpunkte abstimmen und den erfolgreichen Ab­lauf der G20-Mechanismen sicherstellen, um einen Beitrag für die Nach­haltigkeit der Agenda und die Wiederbelebung der Welt­wirt­schaft zu leisten.

Im Zuge der Globalisierung der Wirtschaft haben sich der Austausch und die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Län­dern bis heute ständig weiter vertieft und zu einer Gemen­ge­lage geführt, in welcher der eine mit dem anderen unlösbar ver­bunden ist. Unter solchen Umständen lassen sich die Widrigkeiten der Zeit nur überwinden, wenn alle sich im selben Boot sehen, einander helfen und aus allgemeiner Einsicht heraus konzertiert handeln. China ist auf die Welt angewiesen, und auch die Welt kann nicht ohne China auskommen. Alles weist darauf hin, dass dieser Gipfel den Menschen Zuversicht vermitteln und dem Wachstum der Welt­wirtschaft neuen Schwung verleihen wird.

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