Home Über uns Wirtschaft und Handel Kontakt Konsularservice Bildung Links
 
Home > Der Botschafter  > Interviews
„WIN-WIN ist der Weg"---- WELT AM SONNTAG veröffentlicht den Artikel des Botschafters Shi Mingde
2017/02/07

Am 29. Januar veröffentlichte WELT AM SONNTAG einen Artikel des Botschafters Shi Mingde über die Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland für globale Stabilität und freien Handel. Im Folgenden der Artikel im Wortlaut:

Mit dem Beginn des Jahres 2017 treten wir in eine Welt, die von noch mehr Unruhe und Ungewissheit geprägt ist. Auf der einen Seite sind Probleme wie regionale Krisen, Terrorismus und Flüchtlinge miteinander verwoben und schwer zu lösen. Die US-Präsidentschaftswahl bringt für die Beziehungen zwischen den großen Ländern enorme Veränderungen mit sich. Die internationale Sicherheit und politische Konstellation stehen vor einer neuen Runde tief greifender Anpassungen. Auf der anderen Seite schwächelt die Erholung der Weltwirtschaft. Der internationale Handel und die internationalen Investitionen stagnieren, das multilaterale Handelssystem ist in Mitleidenschaft gezogen. Die Gründe für das Zunehmen von „Schwarzer Schwan“-Ereignissen (unvorhersehbare Entwicklungen, die den Lauf der Geschichte zum schlechteren verändern, Anm. d. Red.) liegen darin, dass Strömungen wie Deglobalisierung, Handelsprotektionismus und Populismus stärker werden.

China wird weiter an Reform und Öffnung festhalten. Die Geschichte hat gezeigt, dass die Öffnung China Entwicklung und Wohlstand bringt; Konservatismus und Selbstisolation können nur Rückständigkeit und Armut bewirken. Die Erfolge Chinas ziehen die Blicke der Welt auf sich - und sie sind auf Reform und Öffnung zurückzuführen. China wird keinesfalls seine Tore schließen, sondern sie weiter öffnen. China ist Nutznießer und Befürworter der Globalisierung. Die Globalisierung ist ein bestehender, nicht durch menschlichen Willen veränderbarer Prozess. Sie hat uns nicht nur enorme Chancen gebracht, sondern uns auch vor ernste Herausforderungen gestellt. Die Globalisierung hat unsere wirtschaftlichen, politischen und Sicherheitsinteressen miteinander verwoben und voneinander abhängig gemacht. Die internationale Gemeinschaft ist zu einer Interessens- und Schicksalsgemeinschaft geworden. Der Versuch, die Globalisierung aufzuhalten, ist ein vergebliches Unterfangen. Sich abzuschotten und zu isolieren, ja sogar den Schaden auf andere abzuwälzen ist noch schädlicher. Wir sind darauf angewiesen, im selben Boot sitzend, den Strom zu überqueren und durch Kooperation gemeinsam zu gewinnen.

China wird die Global Governance im Wirtschaftsbereich aktiv vorantreiben. Der G20-Gipfel in Hangzhou hat den internationalen Konsens beträchtlich vorangebracht, die Global Governance im Wirtschaftsbereich hat damit neue Erfolge erzielt. China und Deutschland arbeiten eng zusammen und leisten dafür einen sehr großen Beitrag. Die Global Governance muss öffnungsorientiert sein und alle Beteiligten dazu ermutigen, sich zu beteiligen und zu integrieren, sie darf nicht exklusiv vorgehen und muss verhindern, dass immer mehr voneinander abgeschottete Ordnungsmechanismen greifen und ein regulativer Flickenteppich entsteht. Zusammenarbeit muss die Triebkraft der Global Governance im Wirtschaftsbereich bilden, die Länder müssen ihre Kommunikation und ihre Abstimmung verstärken und ihre jeweiligen Interessen und Anliegen beachten. Über Regeln muss gemeinsam beraten, Mechanismen müssen gemeinsam geschaffen werden.

Global Governance im Wirtschaftsbereich muss einen gemeinsamen Nutzen zum Ziel haben und die Teilnahme und den Vorteil aller befürworten. Sie darf nicht eine Seite allein erstarken lassen. Es darf nicht „The winner takes it all“ gelten, sondern es muss der gemeinsame Vorteil angestrebt werden, um so das Ziel des gemeinsamen Gewinnens zu erreichen.

„Ein Gürtel, eine Straße“ (die neue Seidenstraße) ist ein wichtiges öffentliches Gut, das von der chinesischen Regierung zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit und des Global Governance auf den Weg gebracht wurde. Nach diesem Konzept werden die vitale Wirtschaftsregion Asiens und die entwickelte Wirtschaftsregion Europas eng miteinander verbunden. Seit mehr als drei Jahren halten wir an den Prinzipien von „gemeinsamer Beratung“, „gemeinsamem Bau“ und „gemeinsamer Nutzung“ fest und verknüpfen auf diese Weise die Entwicklung Chinas eng mit der Entwicklung der europäischen Länder. 18 europäische Länder wurden bereits Gründungsmitglieder der Asian Infrastructure Investment Bank, sieben Länder in Europa unterzeichneten gemeinsam mit China ein Memorandum zur Zusammenarbeit im Rahmen von „Ein Gürtel, eine Straße“. China trat der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung bei, und China und Deutschland errichteten Koordinationsmechanismen zur Verbindung von „Made in China 2025“ mit dem deutschen Projekt „Industrie 4.0“.

China war stets eine stabile Kraft bei der Förderung der globalen Wirtschaft. 2015 trug China zu 25 Prozent zum Wachstum der Weltwirtschaft bei. 2016 entwickelte sich die chinesische Wirtschaft aus Stabilität heraus zum Positiven hin, das Wachstum bewegt sich weiter in einer vertretbaren Bandbreite. In den vorangegangenen drei Quartalen 2016 wuchs sie stabil um 6,7 Prozent, womit sie unter den wichtigsten Volkswirtschaften an vorderster Stelle steht. Die Summe der Exporte im kommenden fünf Jahren wird mit acht Billionen US-Dollar prognostiziert, das real genutzte Auslandskapital wird einen Gesamtwert von 600 Milliarden erreichen, die Auslandsinvestitionen werden sich auf 750 Milliarden Dollar und die Zahl der Auslandsreisen auf 700 Millionen belaufen. Der chinesische Markt, die chinesische Industrie, das chinesische Konzept, der chinesische Dienstleistungsbereich und die Kaufkraft der chinesischen Touristen – dies alles wird eine beständige Triebkraft für die Entwicklung der globalen Wirtschaft bilden.

China und Deutschland sind wichtige Volkswirtschaften und einflussreiche Länder. In der gegenwärtigen Lage hat die Verstärkung der „umfassenden strategischen Partnerschaft“ beider Länder eine enorme Relevanz, sie vermag es, ein positives Signal von Kooperation, Frieden und Stabilität in die Welt zu senden. China wie Deutschland sind Nationen des globalen Handels und der globalen Investitionen. Umso mehr müssen beide Länder gemeinsam die Global Governance vorantreiben, die globale Handelsliberalisierung und Investitionserleichterung fördern und sich klar gegen jede Form des Protektionismus stellen.

Wir wollen die Wirtschafts-, Handels- und Investitionszusammenarbeit beider Länder weiter stärken. China und Deutschland sind füreinander in ihrer Region jeweils der größte Handelspartner. Im letzten Jahr belief sich das bilaterale Handelsvolumen auf etwa 160 Milliarden US-Dollar, was einem Anteil von 30 Prozent am Handelsvolumen zwischen China und der EU entspricht. Die deutschen Exporte nach China betragen das 1,6-Fache der Exporte nach Südkorea, Japan und Indien zusammengenommen. Derzeit gibt es mehr als 8200 deutsche Unternehmen in China, die kumulierten Investitionen betragen über 60 Milliarden Euro. Die Mehrheit der deutschen Unternehmen in China erzielte langfristig stabile Gewinne. China hat gerade erst damit begonnen, in Deutschland zu investieren, die Summe beläuft sich auf knapp acht Milliarden US-Dollar, das macht weniger als ein Prozent der ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland aus.

Die chinesische Seite wird das Öffnungsniveau seiner Wirtschaft weiter erhöhen und ein gutes Marktumfeld sowie gute rechtsstaatliche und politische Bedingungen schaffen, um ausländischen Unternehmen, darunter auch deutschen, noch mehr Investitionsmöglichkeiten zu bieten. Wir hoffen auch, dass Deutschland chinesischen Investitionen gegenüber eine tolerantere und offenere Haltung einnehmen wird und mehr Maßnahmen zur Handelsliberalisierung und zu Handelserleichterungen ergreifen wird. Über Gespräche und die Beachtung der Anliegen des Partners können wir Handelskonflikte ohne Weiteres lösen. Nur durch Zusammenarbeit können wir gemeinsam gewinnen.

Wir hoffen auf eine weiterhin enge Zusammenarbeit mit Deutschland, um für das Vorantreiben der Global Governance neue Denkansätze bereitzustellen, um neue Chancen zu schaffen und um noch mehr Signale für Zusammenarbeit, Öffnung, Frieden und gemeinsames Gewinnen in die Welt zu senden.

Suggest to a friend
  Print