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Interview von AFP mit dem chinesischen Botschafter, Herrn Wu Hongbo am 3.12.2009 im folgenden Wortlaut
2009/12/28

Interview von AFP mit dem chinesischen Botschafter, Herrn Wu Hongbo am 3.12.2009 im folgenden Wortlaut

(Das Gespräch führte Frau Claudia Wessling, Redakteurin von AFP in Berlin)

-AFP:Sie erlebten in den ersten drei Monaten in Deutschland gerade den deutschen Regierungswechsel. Wie läuft Ihre Zusammenarbeit mit der schwarz-gelben Koalition?

-Wu: Ich glaube, ich habe Glück gehabt. Ich bin kurz vor der Bundestagswahl in Deutschland angekommen. Da war der beste Zeitpunkt für einen ausländischen Botschafter, um sich über die deutsche Politik zu informieren. Denn alle Parteien beschäftigten sich mit Wahlkampfreden und Darstellung der zukünftigen Politik, was mir sehr hilfreich war. Die neue Bundesregierung Deutschlands hat sich am 26. Oktober konstituiert. Ich sehe in der neuen Regierung mehr Kontinuität mit teilweise kleinen Änderungen. Die Union bleibt weiter an der Macht, nur die FDP hat SPD als Koalitionspartner ersetzt.

---AFP: Sie haben eben die FDP erwähnt, die für China wohl nicht so leicht ist. Herr Niebel, der neue Entwicklungsminister, hat bereits im Wahlkampf angekündigt, man solle die Entwicklungshilfe an China streichen. Wie sehen Sie das?

---Wu: Nach dem Sieg bei der Bundestagswahl bildete die FDP mit der Union die neue Bundesregierung. Ich sehe die China-Politik der neuen Bundesregierung und die chinesisch-deutschen Beziehungen optimistisch. Ich erläutere Ihnen gerne die Gründe dafür:Erstens, seit 37 Jahren haben China und Deutschland diplomatische Beziehungen aufgenommen. In diesen 37 Jahren wurden die deutschen Regierungsparteien mehrmals gewechselt. Aber die Weiterentwicklung der Beziehungen zu China ist schon ein Konsens aller deutschen Parteien geworden. Zweitens, wie Sie wissen, vor der Konstituierung der neuen Bundesregierung stattete der stellvertretende Staatspräsident Chinas Xi Jinping Deutschland einen Besuch ab. Neben Frau Bundeskanzlerin Merkel traf er auch mit Herrn Westerwelle, damals Parteichef der FDP, zusammen. Beide Seiten brachten zum Ausdruck, dass sie großen Wert auf die bilateralen Beziehungen legten und bereit waren, die Beziehungen der freundschaftlichen Zusammenarbeit zu intensivieren. Der dritte Grund liegt in unseren wirtschaftlichen Beziehungen. China ist Deutschlands größter Handelspartner in Asien, und Deutschland auch der größte für China in Europa. Das chinesisch-deutsche Handelsvolumen im letzten Jahr betrug 115 Mrd. US-Dollar, was einem Viertel des gesamten Handelsvolumens zwischen China und all den 27 EU-Ländern entspricht. Daher kommt die Entwickling der chinesisch-deutschen Beziehungen der Wirtschaft und dem Handel beider Länder zugute. Der vierte Grund liegt im immer reger gewordenen Kontakt und Austausch zwischen beiden Völkern. Der deutschen Statistik nach sind in den vergangenen Jahren mehr als 450,000 chinesische Touristen durchschnittlich pro Jahr nach Deutschland gekommen. Meiner Recherche nach sind 380,000 Deutsche bis diesen September nach China gereist. So entspricht die Entwicklung der chinesisch-deutschen Beziehungen auch der Volksmeinung der beiden Völker.

Nun komme ich zum Punkt der Entwicklungshilfe.

-AFP: Was Sie eben gesagt haben, scheint mir, als wäre die Entwicklungshilfe für die chinesisch-deutschen Beziehungen eigentlich auch nicht so wichtig. Stimmt das?

-Wu: Ich mache gerne meine Bemerkungen. Erstens, der Angelpunkt für den Streit über die Entwicklungshilfe liegt darin, ob China noch ein Entwicklungsland ist. Sie waren in China und wissen, dass China riesengroß ist und die Entwicklungsniveaus in verschiedenen Regionen sehr unterschiedlich sind. Wie alle wissen, hat China ein enormes Gesamtwirtschaftsvolumen. Aber wenn wir nach dem Pro-Kopf-Wert rechnen, beträgt das Pro-Kopf-BIP Chinas nur 3300 US-Dollar, womit wir weltweit den 104. Platz belegen. Dieser Pro-Kopf-Wert Chinas ist niedriger als der von Albanien in Europa, Namibia in Afrika und Jordanien in Nahost. Nach unserem Kriterium der Armut leben noch 40 Mio. Chinesen unter der Armutsgrenze. Nehmen wir den Standard der UNO von 1,2 US-Dollar pro Tag pro Person, dann leben noch 150 Mio. Chinesen in Armut. Diese Zahl übertrifft die Gesamtbevölkerungszahl von Deutschland und Spanien. Diesem Kriterium nach kann China bloß ein Entwicklungsland sein, man kann sagen, ein großes Land in der Entwicklung.

Der zweite Punkt ist die Entwicklungshilfe. Die Entwicklungszusammenarbeit zwischen China und Deutschland hat eine 27jährige Geschichte. Diese Zusammenarbeit hat nicht nur zur Bekämpfung gegen Armut und Naturkatastrophen, Verbesserung des Lebensstandards der Bevölkerung und Erhöhung der Produktivität und Technologie in China wichtige Beiträge geleistet, sondern auch den Zugang deutscher Unternehmen und deren Ausstattungen und Technik zum chinesischen Markt erleichtet.

Drittens, China und Deutschland stehen vor vielen gemeinsamen Herausforderungen wie z.B. Umweltschutz, nachhaltige Entwicklung, saubere Energienutzung und Klimawandel. In diesen Bereichen verfügt Deutschland über viele Erfahrungen und gute Technick. Ich sehe berechtigte Gründe, dass beide Seiten die Zusammenarbeit fortsetzen sollen. Man soll darauf achten, dass es sich bei unserer Zusammenarbeit auf diesen Gebieten um Entwicklungszusammenarbeit handelt. Auf die folgenden zwei Punkte möchte ich hinweisen. Erstens, für die überwiegenden Teile der von der deutschen Seite angebotenen Projekte und Finanzmittel im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit leistete China auch finanzielle Unterstützung. Zweitens, von der insgesamt ca. 6 Mrd. Euro wertigen Entwicklungshilfe, bereitgestellt von der deutschen Seite, sind 4,8 Mrd. Darlehen, worunter halb Regierungskredite und halb kommerzielle Kredite sind. Wie allen bekannt ist, müssen Kredite zurückgezahlt werden. Ich gebe Ihnen das neueste Beispiel, woran Sie erkennen können, dass unsere Zusammenarbeit notwendig ist. Beispielweise hat die deutsche Bundesregierung in diesem Jahr ein Budget von 27,50 Mio. Euro für den chinesisch-deutschen Rechtstaatsdialog und für Schutz des geistigen Eigentums bereitgestellt. In diesem März hat man ein neues Projekt für Risikomanagement von Katastrophen, das auf das schwere Erdbeben in Sichuan im letzten Jahr zurückführt, in Gang gesetzt. China ist oft von Naturkatastrophen wie Stürmen, Erdbeben, Überschwemmungen und Dürren u.s.w. heimgesucht, Deutschland hingegen ganz selten. So verfügen die chinesischen und die deutschen Experten jeweils über praktische Erfahrungen und über fortgeschrittene Technik und Knowhows. Der Austausch und die Zusammenarbeit beider Seiten ist von beiderseitigem Nutzen und wird nun deshalb als Entwicklungszusammenarbeit bezeichnet, weil sie längst den traditionellen Begriff von „Sie geben Geld und ich verbrauche" überschreitet. Mein letztes Wort dazu ist: Die Entwicklungszusammenarbeit zwischen China und Deutschland ist eine Win-win Zusammenarbeit von gegenseitigem Nutzen. Wir hoffen, dass diese Zusammenarbeit fortgesetzt werden kann.

-AFP: Danke. Sie haben vorher den Klimawandel erwähnt. Wir wissen, dass das ein aktuelles wichtiges politisches Thema ist. In der nächsten Woche wird die Klimakonferenz in Kopenhagen stattfinden. Und China hat vor kurzem seine Reduktionsziele verkündet. Was erwartet China von Deutschland und Europa in Bezug auf Klimawandel?

-Wu: Die chinesische Regierung und das chinesische Volk messen dem gemeinsamen Entgegentreten der internationalen Gesellschaft gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels großen Wert bei. Unser Ministerpräsident Wen Jiabao wird an der Konferenz in Kopenhagen teilnehmen. Wie Sie gesagt haben, hat die chinesische Regierung neulich unsere Reduktionsziele verkündet. Gleichzeitig haben wir ausgedrückt, dass wir bereit sind, auf der Kopenhagener Konferenz mit allen Ländern in der Welt gemeinsame Bemühungen zu unternehmen, damit positive Ergebnisse bei der Konferenz erzielt werden können.

Was die Hoffnungen und Vorschläge an die entwickelten Länder anbelangt, würde ich drei Punkte nennen. Erstens hofffen wir, dass die entwickelten Länder das Prinzip „gemeinsame aber differenzierte Verantwortung" richtig verstehen und daran festhalten können. Ich habe von den vielen Debatten erfahren, deren Auslöser im wesentlichen darin liegt, wie man das Prinzip „gemeinsame aber differenzierte Verantwortung" verstehen soll. Zweitens, die entwickelten Länder haben historische Verantwortungen für den gegenwärtigen Treibhauseffekt und die Steigerung der Temperatur. Deswegen hoffen wir, dass die entwickelten Länder möglichst früh das mittelfristige Reduktionsziel bis zum Jahr 2020 festlegen und nach 2012 weiterhin ihre vorreitende Rolle bei der Emmissionsreduktion spielen. Drittens, die Entwicklungsländer einschließlich China sind auch bereit, mit allen Kräften ihre Emmissionen zu reduzieren. Aber es mangelt an Finanzmitteln und Technologie. Deshalb hoffen wir, dass die entwickelten Länder ihr klares Versprechen geben, bei Transfer der Technologie und Gewährleistung der Finanzmittel etwas Konkretes zu unternehmen und den Entwicklungsländern helfen.

Hier würde ich gerne Deutschland erwähnen. Deutschland hat für die Reduktion der Emmission positive Bemühungen geleistet. Aus meinen Worten können Sie entnehmen, dass sich die Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland in den letzten Jahren auf die Bereiche Umweltschutz, nachhaltige Energieversorgung und saubere Energienutzung konzentrierte, was dem gemeinsamen Entgegentreten des Klimawandels sehr hilft. Deshalb sind wir bereit, mit Deutschland und anderen Ländern gemeinsame Bemühungen zu unternehmen, damit auf der Kopenhagener Konferenz zufriedenstellende Ergebnisse erzielt werden können. Schließlich haben wir nur eine Erde, und alle sind Einwohner von dem Global Village.

-AFP: Was sagen die chinesischen Bürger zum Umweltschutz? Jedesmal, wenn ich nach Peking kam, war ich von der schlechten Luft beeindruckt. Gibt es bei den chinesischen Bürgern auch Organisationen und Bewegungen, die sich für Umweltschutz einsetzen?

-Wu: Wann waren Sie letztes Mal in China?

-AFP: Vielleicht im Jahr 2004 oder 2005.

-Wu: Ich schlage Ihnen vor, sich Zeit zu nehmen und noch mal nach China zu reisen. Die Luftqualität in Peking hat sich viel verbessert. Ich nenne dazu ein Beispiel. Im Jahr 1984 und 1999 wurden in China Feierzeremonien anlässlich des Nationalfeiertages veranstaltet. Damals war der Himmel so unklar, dass man die Flugzeuge nicht sehen konnte. Während des Parade anlässlich des 60. Jubiläums des Nationalfeiertags in diesem Jahr war der Himmel ganz blau. Viele waren darauf nicht vorbereitet und bekamen Sonnenbrand. Man muss sagen, dass die einfachen Bürger großen Wert auf den Klimawandel und Umweltschutz legen. Alle appellieren stark dafür und wünschen, dass eigenes Wohngebiet sauberer und die Luft immer frischer wird. Aber dafür gibt es einen Prozess. Wenn man die entwickelten Länder betrachtet, kann man herausfinden, dass sie alle beim Prozess der Industrialisierung und Urbanisierung viele Schwierigkeiten, wozu auch Verschmutzung gehörte, erlebt haben. Wir bemühen uns zu vermeiden, den alten Weg der entwickelten Länder zu wiederholen.

-AFP: Sie haben eben erwähnt, dass der Bereich Umweltschutz einer der Schwerpunkte der Zusammenarbeit zwischen den deutschen Unternehmen und China ist. Der Bundeswirtschaftsminister Brüderle wird am Wochenende China besuchen. Was würden Sie ihm vorschlagen?

-Wu: Ich hoffe, dass er mit seinen chinensischen Kollegen mehr Austausch macht und neue Weichen für die zukünftige Zusammenarbeit in Wirtschaft und Handel stellen kann. Dass der neue Bundeswirtschaftsminister für seine erste Auslandsreise China wählt, zeigt die Bedeutung, die er den chinesisch-deutschen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen beimesse. Ich wünsche seinem Besuch großen Erfolg.

-AFP: In der letzten Zeit ist uns aufgefallen, dass die deutschen Unternehmen Bedenken haben, dass das geistige Eigentum und die Technologie nicht wirksam geschützt und ihnen geraubt wird. Halten Sie ihre Sorgen für berechtigt, oder glauben Sie, dass es schon Verbesserungen gibt?

-Wu: Die Investitionen deutscher Unternehmen in China bilden einen wichtigen Aspekt für die Wirtschafts- und Handelszusammenarbeit zwischen China und Deutschland. Nach vorläufigen Statistiken haben mehr als 1800 große deutsche Unternehmen in China Vertretungen oder Tochtergesellschaften gegründet. Ich glaube, dass die tatsächliche Zahl weit mehr ist. Insgesamt haben deutsche Unternehmen 16 Mrd. Dollar in China investiert. Die Investitionen konzentrieren sich in den traditionell starken deutschen Industriezweigen wie Auto- und Maschinenbau, Chemie usw.. Im vergangenen und laufenden Jahr wird der Weltmarkt von der Finanzkrise erschüttert. Vor diesem Hintergrund ist China für deutsche Unternehmen zum „Schutzhafen" geworden. Aller Voraussicht nach wird der Absatz von Daimler AG bis Ende des Jahres um 65% steigen. BMW wird im laufenden Jahr in China mehr als 80,000 Autos verkaufen und ein neues Werk in Shenyang bauen. Die deutschen Autobauer investieren in China, bauen Autos dort zusammen, aber viele Einzelteile werden in Deutschland hergestellt. Dadurch wird das wirtschaftliche Wachstum in Deutschland auch gefördert.

Eben haben Sie den Schutz des geistigen Eigentums erwähnt. Das ist ein seriöses Thema für uns, was wir sehr ernstnehmen. Denn der Raub des geistigem Eigentums schadet nicht nur den Interessen ausländischer Unternehmen, sondern auch dem Versuch Chinas, seinen innovativen Weg zu begehen. Daher gehen wir härter gegen die Verletzung des geistigen Eigentums vor. Wie ich kurz erwähnt habe, gehört der Schutz des geistigen Eigentums zu den Projekten der Entwicklungszusammenarbeit zwischen China und Deutschland. Wenn dieses Projekt abgestrichen wird, ist es bedauerlich für beide Seiten. Aber man soll berücksichtigen, dass China ein riesengroßes Land ist und verschiedene Regionen unterschiedlich entwickelt sind. Die Verletzung des geistigen Eigentums kann nicht ausgeschlossen werden. Aber unsere Entschlossenheit bleibt unbeirrt. Wir werden konsequent die illegalen Aktivitäten der Verletzung des geistigen Eigentums bekämpfen. In diesem Bereich sind wir bereit, mit Deutschland und anderen Ländern zusammenzuarbeiten.

-AFP: Umgekehrt interessieren sich chinesische Unternehmen und Fonds für Investitionen in Deutschland. Aber manche hierzulande sind mißtrauisch. Was sagen Sie dazu?

-Wu: Nach meinem Amtsantritt habe ich eine Untersuchung machen lassen, wonach es ungefähr über 700 chinesische Unternehmen und Tochtergesellschaften hier in Deutschland gibt, die hauptsächlich in Hamburg, Frankfurt am Main, Düsseldorf und Köln ihre Niederlassungen finden. Chinesische Unternehmen beginnen in Deutschland zu investieren, obwohl die Größenordnung mit einer Summe von ungefähr 920 Mio. Dollar noch relativ klein ist. Aber die chinesische Investition in Deutschland nimmt zu. Z.B. hat Sanyi-Group, ein sehr bekanntes chinesisches Unternehmen, in Nordreihn-Westfalen 100 Mio. Euro investiert, um ein Forschung- und Entwicklungszentrum bzw. eine Verarbeitungsbasis des Maschinenbaus aufzubauen. Die chinesischen Unternehmen haben in Deutschland am meisten unter den europäischen Ländern investiert. In der letzten Zeit habe ich erfahren, dass manche Bedenken gegen die chinesischen Investitionen in Deutschland machen, insbesondere gegen die Investitionen durch chinesische Staatsunternehmen. Ich möchte darauf hinweisen, dass alle chinesischen Unternehmen, die hier in Deutschland investieren, sei es Zivil- oder Staatsunternehmen, Hauptakteure der Marktwirtschaft sind, die sich nach der Regel der Marktwirtschaft sowie nach dem Prinzip, selbst Verantwortung für Gewinn und Verlust zu tragen, handeln. Ihre Investitionen und Geschäftsführung in Deutschland tragen der Entwicklung der deutschen Wirtschaft und Förderung der Beschäftigung bei. Neulich habe ich Hamburg besucht. Einer von drei Containern kommt aus China oder wird nach China transportiert. Stellen Sie sich vor, wie Hamburg aussehen würde, wenn die Seeschiffahrtgesellschaften nach Amsterdam verlegt werden. Daher finde ich solche Bedenken unberechtigt. Frau Bundeskanzlerin Merkel und der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Herr von Guttenberg haben begrüßt, dass chinesische Unternehmen einschließlich Staatsunternehmen in Deutschland investieren. Natürlich ist es ziemlich neu, dass chinesische Unternehmen in Übersee investieren. Sie haben unausreichende Erfahrungen und müssen noch viel lernen. Wir hoffen, dass die deutsche Regierung Erleichterungen gewähren kann. Was den chinesischen Unternehmern am meisten Kopfschmerzen macht, ist das Visum für Deutschland. Die Beantragung dafür dauert ziemlich lange. Die Formälitäten sind kompliziert. Die Rate der Ablehnung ist groß. So erwarten wir Erleichterungen von Deutschland, damit die Geschäftsleute rechtzeitig Geschäfte machen können.

-AFP: Darf ich kurz fragen, warum die Leute abgelehnt werden?

-Wu: Ich bin überfragt. Denn es betrifft breite Schichten, sowohl Staatsunternehmen als auch Zivilunternehmen, sowohl diejenigen, die hier Firmen gründen möchten, als auch die , die die Messen hier besuchen möchten.

-AFP: Ich bin schon am dritten Block angelangt. Da geht es um allgemeine Perspektiven der chinesischen-deutschen Beziehungen. Wir wissen, es gibt einige schwierige Themen wie Menschenrechte oder Pressefreiheit. Wie sollen beide Seiten Ihrer Meinung nach Meinungsverschiedenheiten vermindern, um Eklats wie z.B. im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse zu vermeiden?

-Wu: Seit meiner Ankunft in Deutschland habe ich den Eindruck, dass die gegenseitigen Verständnisse zwischen beiden Völkern vertieft werden sollen. Ein deutscher Philosoph vom 17. Jahrhundert hat einen berühmten Spruch: Es gibt keine zwei Blätter auf der Welt, die identisch sind. China und Deutschland haben unterschiedliche Geschichte und Kultur. Die wirtschaftliche Entwicklung beider Länder befindet sich auch nicht auf dem gleichen Niveau. Es ist normal, wenn man verschiedene Meinungen bei der Betrachtung mancher Fragen hat. Ich glaube, folgende drei Fragen sollen recherchiert werden. Erstens, es gibt ein Kulturdefizit zwischen China und Deutschland. Wir reden oft vom Handelsdefizit. Europa hat ein Handelsdefizit mit China. Aber das Kulturdefizit zwischen Europa einschließlich Deutschland und China ist viel größer als das Handelsdefizit. Wenn Sie chinesische Bibiliotheken und Buchläden besuchen, können Sie bemerken, dass es viele Bücher über Deutschland auch über seine politische Theorien gibt. Aber wenn man in den deutschen Buchläden herumschaut, wie viele Bücher gibt es über China? Daraus ist ein Defizit entstanden, das zu Mißverständnissen führt. Zweitens, das Denkmodell des Kalten Krieges muss beseitigt werden. Während der chinesischen Kulturrevolution gab es den Begriff „politische Korrektheit". Nun gibt es in Deutschland auch diesen Begriff. Nach meiner Ankunft hier in Deutschland ist es mir aufgefallen, dass manche deutsche Abgeordnete und Politiker darüber diskutieren, ob die Einwanderer in Deutschland Deutsch lernen und in die deutsche Gesellschaft integrieren sollen. Die Mainstraim-Meinung ist, sie sollen die deutsche Sprache beherschen und in die deutsche Gesellschaft integrieren, was sowohl den Einwanderern als auch der deutschen Gesellschaft zugutekommt. Aber wenn dasselbe in China passiert, wird es als etwas Böses betrachtet. Z.B. die chinesische Regierung setzt sich dafür, dass die nationalen Minderheiten wie Tibeter und Uiguren Mandarin lernen, damit sie mehr von neuester wissenschaftlicher und technologischer Entwicklung bzw. chinesischer Kultur erfahren und dadurch mehr Beschäftigung- und Entwicklungschancen bekommen können. Aber dafür wird China vorgeworfen, die Besonderheiten der nationalen Minderheiten und deren Sprache zu vernichten. Das finde ich unfair. Drittens, man soll keine unnötige bzw. sinnlose Debatte machen.. Jedes Land hat eigene Entwicklungsperiode und Gegebenheiten. Man darf nicht stets mit dem Finger auf die anderen zeigen und so tun, als hätte nur er das Richtige getan. Ich weiss nicht, ob Sie den Spruch von Mengzi, einem berühmten chinesischen Philosoph, gelesen haben: Die größte Schwäche eines Menschen ist, immer als Lehrmeister der anderen aufzutreten. Ich finde es nicht gut, wenn man Zeit für sinnlose Debatten verschwendet. Ich erinnere mich an den Spruch vom ehemaligen Premier von Großbritannien Churchill, „Falls wir jetzt beginnen, über die Gegenwart und Vergangenheit zu streiten, werden wir herausfinden, dass wir die Zukunft verloren haben." (If we started quarrel of the present and the past, and we would find, we've lost the future.) Was sollen wir nun tun? Ich glaube, wir müssen auf folgende drei Punkte achten: 1. Intensivierung des Austauschs. Dafür haben wir bereits sehr gute Basis. Jedes Jahr besuchen ca. 700,000 bis 800,000 Chinesen und Deutsche das andere Land. Mehr als 300 chinesische und deutsche Universitäten haben Partnerschaften geschlossen, 59 chinesische Provinzen bzw. Städte haben mit deutschen Bundesländern bzw. Städten Partnerschaften geschlossen. Die chinesische Regierung hat beschlossen, für die kommenden drei Jahre 600 deutsche Schüler zum Sommercamp in China und weitere 200 deutsche Lehrer und Studenten als Stipendiaten zur Fortbildung in China einzuladen. Im nächsten Jahr wird die Veranstaltung „Deutschland und China-gemeinsam in Bewegung" in Schanghai zu Ende gehen, wodurch Deutschland in China gut vorgestellt wird. Obwohl über die diesjährige Frankfurter Buchmesse viel gestritten wurde, ist eins meiner Ansicht nach nicht zu verneinen, nämlich dass dadurch die chinesische Kultur dem deutschen Volk gut vorgestellt wurde. Überdies planen wir vor, zum 40. Jubiläum der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen China und Deutschland das "Chinesische Kulturjahr" in Deutschland zu veranstalten. Das gehört zum Austausch. 2. Verstehen lernen. Man soll sich bemühen, das zu verstehen, was die andere Seite tut. Ich bin der Meinung, dass der Entwicklungsweg und das Entwicklungsmodell eines Landes von diesem Land selbst ausgewählt werden soll. Man soll Verständnis dafür haben, was für einen Weg das Land begeht und welche Maßnahmen es ergreift. Ich habe Gespräche mit vielen Deutschen geführt, und sie haben großes Verständnis für China. Ich zitiere einen Satz von ihnen, mit dem ich Sie nicht ärgern möchte, nämlich haben sie mir gesagt: „China in unserem Herzen sieht nicht so aus, wie die hiesigen Medien berichten." Wenn wir einander verstehen können, werden unsere Mißverständnisse vermindert werden. 3. Respekt. Die beiden Seiten müssen einander respektieren. Neulich gibt es unter den chinesischen Internetbenutzern eine heiße Diskussion über ein deutsches Fernseh-Satireprogramm. Ich glaube, jede Nation hat ihren eigenen Humor und eigene Ironie. Die Art und Weise kann unterschiedlich sein, aber in jedem Land gibt es. Aber wenn man einen Ausländer, der sehr höflich, aber deutlich Ihnen sagt, dass er „kein Deutsch versteht", als Requisit der Fernsehprogramme oder als Hintergrund benutzt und darüber lustig macht, handelt es sich auf keinen Fall um Ironie. Es ist einfach respektlos. Wir sind bereit, mit deutschen Akademikern und Leuten aus allen Kreisen über die Unterschiede in Bezug auf politische Systeme, Entwicklungsmodell, Lebensgewohnheiten und kulturelle Traditionen zu diskutieren, aber die Diskussion muss auf der Basis des gegenseitigen Respekts stattfinden, z.B. bei dem Rechtsstaatsdialog zwischen China und Deutschland haben beide Seiten viel Erfahrungen gemacht. Ich glaube, dazu muss man viel Arbeit leisten und für ein Gelingen braucht man auch längere Zeit. Die chinesische Botschaft bzw. die chinesische Regierung sind bereit, uns mit der deutschen Bundesregierung und Persönlichkeiten aus allen Kreisen gemeinsam zu bemühen, um mehr Überreinstimmungen zu erzielen und Differenzen zu vermindern.

-AFP: Sie haben ein tolles Schlußwort. Da habe ich kaum Fragen. Die letzte Frage ist: welche Erwartungen haben Sie von der EXPO 2010 in Shanghai?

-Wu: Das Motiv der EXPO lautet: „Die Stadt macht das Leben schöner." Wir rechnen mit ca. 70 Mio. Besuchern auf der EXPO in Shanghai, die uns die Chance gibt, Fortschritte Chinas im Bereich der Stadtentwicklung und der Umweltverbesserung der ganzen Welt zu präsentieren. Jedes Land tut sein Bestes, um seinen Pavillon am schönsten und optimalsten zu gestalten. Das bietet uns eine sehr gute Chance zum Lernen. Soviel ich weiß, wird der deutsche Pavillon im kommenden Mai durch Ihren Bundespräsidenten eröffnet. Parellel dazu wird die letzte Statation der Veranstaltung „Deutschland und China – gemeinsam in Bewegung" in Shanghai stattfinden. Ich hoffe, dass der deutsche Pavillon der brillanteste ist. Ich erwarte größere Erfolge bei der zukünftigen Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland.

-AFP: Herzlichen Dank!

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