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Botschafter Wu Hongbo gab der Zeitung "Trierischer Volksfreund" ein Interview
2011/01/31

Am 27. Januar 2011 gab Botschafter Wu Hongbo der Zeitung "Trierischer Volksfreund" ein Interview. Hier veröffentlichen wir das Interview im Wortlaut wie folgend:

Herr Botschafter, wie kommt es, dass ältere Chinesen sich nicht mit "Wie geht's?" begrüßen, sondern mit der Frage "Hast du schon gegessen?"
 
Wu Hongbo: Im Lauf der Jahrtausende hatten die Chinesen wegen Naturkatastrophen und Kriegen häufig nicht genug zu essen. Das Essen ist eine lebenswichtige Frage. Aus diesem Grund begrüßten sich die älteren Chinesen oft mit der Frage "Hast du schon gegessen?", um Interesse für die andere Seite zu zeigen. Im Lauf der Zeit ist es zur Begrüßung geworden.

Heute sieht die Lage anders aus.
 
Wu Hongbo: Gegenwärtig ernährt China mit einer Ackerfläche, die nur sieben Prozent der gesamten Ackerfläche der Welt ausmacht, erfolgreich eine Bevölkerung, die ein Fünftel der Weltbevölkerung ausmacht. Während sich auf der Erde immer noch mehr als 900 Millionen Menschen nicht satt essen können, machen sich die 1,3 Milliarden Chinesen keine Sorgen mehr um ihre Nahrung. Das ist ein großer Beitrag, den China zur Welt geleistet hat.

Triers Partnerstadt Xiamen ist eine schöne und wirtschaftlich erfolgreiche Küstenstadt, die Unternehmen ebenso anzieht wie Touristen. Doch die Mehrheit der 1,3 Milliarden Chinesen lebt arm im ländlichen Raum. Die Städte wachsen und glänzen, das Land bleibt zurück.
 
Wu Hongbo: Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens: Der Osten Chinas ist von Ebenen, der Westen von Gebirgen und Wüsten geprägt. Zweitens: Mehr als 70 Prozent der Industrie und des Transportwesens Chinas konzentrieren sich in den östlichen Küstengebieten, während die anderen Landesteile nur eine schwache Basis haben. Das Ungleichgewicht in der Entwicklung spiegelt die realen Verhältnisse Chinas wieder.

Was wird dagegen getan?
 
Wu Hongbo: In den vergangenen Jahren hat China bereits eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die die Entwicklung und den Aufbau der ländlichen Regionen gefördert haben. Gegenwärtig hat das Entwicklungstempo in den westlichen Regionen bereits das in den östlichen Küstengebieten übertroffen. Die Bauern haben einen schnelleren Einnahmenzuwachs als die Stadtbevölkerung.

Das Handelsvolumen der Volksrepublik China mit der Bundesrepublik ist so groß wie das mit Frankreich, Großbritannien und Italien zusammen. Gibt diese Verbindung der deutsch-chinesischen Städtepartnerschaften eine besondere Bedeutung?
 
Wu Hongbo: Insbesondere vor dem aktuellen Hintergrund der Finanzkrise hat der Handel mit China die deutsche Wirtschaft kräftig aus der Krise herausgeholt. China ist dabei zum wichtigsten ausländischen Markt für die Schlüsselindustrien Deutschlands wie Maschinenbau, Automobile und Chemie und auch zum größten Handelspartner Deutschlands außerhalb der EU geworden, wozu mit absoluter Sicherheit auch die Städtepartnerschaften beider Länder beigetragen haben.

Kritiker dieser Partnerschaften beziehen sich auf die innerhalb der Volksrepublik China zu beobachtenden Missachtung der Menschenrechte, auf die Unterdrückung von Rede- und Meinungsfreiheit und auf das starre Einparteiensystem. Mit welchen Argumenten treten Sie solchen Kritikern entgegen?
 
Wu Hongbo: China ist vielen internationalen Menschenrechtskonventionen beigetreten, hat mit vielen Ländern einschließlich Deutschland Dialoge über Menschenrechte geführt und enorme Bemühungen für die Wahrung und Entwicklung der Menschenrechte geleistet. Das grundlegendste Recht des Menschen ist das Recht auf die Existenz. Seit der Reform und Öffnung im Jahr 1978 sind 250 Millionen Chinesen von der extremen Armut befreit worden. Das bedeutet: Zwei Drittel der Erfolge der Armutsbekämpfung auf der Erde stammen aus China. Und: Die Anzahl der Internetnutzer in China übertrifft die Gesamtbevölkerung der USA.

Eine sehr positive Darstellung.
 
Wu Hongbo: Selbstverständlich ist China wie andere Länder auch kein perfektes Land. Wir sind bereit, Kritik und Vorschläge anzuhören und von anderen Ländern zu lernen, um die Menschenrechte besser zu entwickeln. Ob das Gesellschaftssystem Chinas gut ist, kann das chinesische Volk am besten beurteilen. Ob die chinesische Regierung Erfolge erzielt hat, darüber ist sich das Volk sehr im Klaren. Wenn die Kritiker meinen, dass sie intelligenter als das chinesische Volk seien und alles sich nach ihnen richten sollte, täuschen sie sich.

  


 

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