| Chinesische und deutsche Journalisten treffen sich zur Diskussion über Berichterstattung |
| 2010/05/21 |
Im Rahmen eines Medienforums in Shanghai diskutierten am Dienstag Journalisten aus China und Deutschland, wie man die Berichterstattung verschiedener Themen unterschiedlich angehen könnte. Pressefreiheit und die Freiheit der Bürger, über Nachrichtenereignisse informiert zu werden, waren unter den Hauptdiskussionsthemen.
He Chongyuan (2. v. l.), Vize-Präsident von People's Daily, hält auf dem chinesisch-deutschen Medienforum in Shanghai am Dienstag eine Rede. Mitte im Bild sind Hu Xijin, Chefredakteur von Global Times, Dr. Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch-Stiftung, und Joachim Rogall, Leiter der Robert Bosch-Stiftung (v. r. n. l.). (Foto: Wu Gang) Chinesische und Deutsche könnten voneinander falsche Eindrücke wegen unvollständiger oder verdrehter Nachrichtenberichterstattung entwickelt haben, meinten Journalisten beider Länder am Dienstag. Rund 20 erfahrene Journalisten aus beiden Ländern trafen sich in Shanghai, um sich darüber auszutauschen, wie man Berichterstattung verschiedener Themen unterschiedlich angehen könnte, darunter auch die Serie von Amokläufen in Schulen und Kindergärten in den vergangenen beiden Monaten in China, bei denen insgesamt 19 Menschen starben. Chinesische Journalisten, darunter erfahrene Redakteure von großen Medien wie People's Daily, CCTV, China News Service und China Youth Daily stimmten zu, dass es bei der Pressefreiheit und der Freiheit des Rechts der Bürger, über Nachrichtenereignisse informiert zu werden, Grenzen gibt, da es die soziale Stabilität des Landes betrifft. "Die Amokläufe auf Kinder in den Schulen waren offensichtlich Nachahmungen frustrierter Menschen, die sich an der Gesellschaft rächen wollten, und die Medienberichte über die ersten Fälle spielten definitiv eine große Rolle dabei", so Zhao Zhongying, stellvertretender Chef von China National Radio. Thomas Schmid, Herausgeber und Chefredakteur von Welt-Group, erklärte eine andere Perspektive. "Ich bin nicht der Ansicht, dass der Stopp der Berichterstattung über die Tragödie mehr Verbrechen verhindern würde", so er. Die Nachrichten würden sich ohnehin per Internet ausbreiten. Auch andere führende deutsche Medien wie die Deutsche Presse Agentur, Die Zeit und die Süddeutsche Zeitung legten ihre Meinung dar. Die meisten deutschen Medien meinen, dass durch die Berichterstattung der Tragödie wie auch des Elends der Familien der Opfer und des Rats der Behörden mehr Verbrechen verhindert werden können und die Menschen sich sicherer fühlen, so Peter Limbourg, Chefredakteur des Fernsehsenders N 24. Chinesische Journalisten sagten, dass die deutschen Medien China häufig als Land voller Probleme darstellten, was die Sichtweise der Deutschen gegenüber China geprägt haben könnte: Nur 30 Prozent der Deutschen haben eine positive Sichtweise gegenüber China, während 80 Prozent der Chinesen Deutschland positiv sehen, wie eine Umfrage belegt. In Bezug auf Pressefreiheit äußerte Hu Xijin, Chefredakteur von Global Times, ein solches Ziel könne nur Schritt für Schritt erreicht werden, und beschrieb es als "Atomreaktor" und "nicht wie eine Atombombe, die sofort explodiert". Das Medienforum, das von Global Times und der Robert Bosch-Stiftung gesponsert wurde, hatte das Ziel, eine direkte Plattform für Medienleute zu schaffen, damit diese einen besseren Einblick in die Medienbranche des jeweils anderen Landes bekommen und eventuelle Missverständnisse, die durch die Medien des anderen Landes entstanden sind, klären konnten. Quelle: Global Times |
