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Ansprache von Botschafter Shi Mingde auf der Eröffnungsveranstaltung der Ausstellung CHINA 8
13.5.2015, Duisburg, abends
2015/05/15

 

Sehr geehrter Herr Vizekanzler Gabriel,

sehr geehrte Herren Bürgermeister,

sehr geehrter Herr Prof. Walter Smerling,

sehr geehrter Herr Akademiepräsident Fan Di'an,

sehr geehrte Direktoren der Kunstmuseen,

liebe Künstler aus China,

meine Damen und Herren,

ich freue mich sehr, dass ich heute auf Einladung der Bonner Stiftung für Kunst und Kultur nach Duisburg kommen konnte, um mit Vizebundeskanzler Sigmar Gabriel zusammen die Ausstellung CHINA 8 zu eröffnen. Ich heiße die geladenen Gäste und alle Freunde herzlich willkommen, besonders möchte ich im Namen der Botschaft Chinas in Deutschland und in meinem eigenen Namen die nach einer weiten Reise hier eingetroffenen chinesischen Künstler begrüßen.

"Ideen zu haben ist gut, Ideen umzusetzen ist besser" lautet das Motto der Bonner Stiftung für Kunst und Kultur. Im Dezember 2013 stellten Prof. Smerling und andere deutsche Freunde mir in meiner Residenz ihren Plan vor, in mehreren Kunstmuseen des Ruhrgebietes eine groß angelegte Ausstellung zeitgenössischer chinesischer Kunst zu veranstalten.Ich habe sofort meine Unterstützung zugesagt, und wir sind in eine konstruktive Diskussion eingetreten. Heute, nur eineinhalb Jahre später, ist diese grosse Idee mit Hilfe der gemeinsamen Unterstützung durch die Stiftung Kunst und Kultur, durch die Museen und durch die chinesischen Kooperationspartner Wirklichkeit geworden. Zwar ist diese Ausstellung kein Kulturprojekt zwischen der chinesischen und der deutschen Regierung, und die Kosten werden vollständig von Sponsoren getragen. Doch es sind 8 Städte, 9 Kunstmuseen, 120 Künstler und 500 Exponate involviert, und die Dauer der Ausstellung beträgt 4 Monate - alle diese Zahlen zeigen, dass dies die bislang größte Ausstellung zeitgenössischer chinesischer Kunst in Deutschland ist. Das freut mich als Botschafter Chinas natürlich ganz besonders.

In Deutschland wird fast jeden Tag über die chinesische Wirtschaft berichtet, doch Meldungen über die Kultur und Kunst Chinas sind ziemlich rar. Tatsächlich sagen Kultur und Kunst viel mehr über ein Land und seine Menschen aus als Wirtschaftszahlen. Nicht nur im politischen, wirtschaftlichen und sozialen Leben hat die Politik von Reform und Öffnung Chinas in den letzten gut 30 Jahren gewaltige Veränderungen gebracht, zur gleichen Zeit wurden durch sie für Kunst und Kultur Wachstumsräume und Entfaltungskräfte geschaffen. Angesichts der zahlreichen Herausforderungen wie Globalisierung, Informatisierung und Urbanisierung sucht die zeitgenössische chinesische Kunst stetig nach neuen künstlerischen Theorien und Formen, um sich so auf der Basis der Tradition zu erneuern. Chinas moderne Kunst hat noch keine lange Geschichte, doch ihre stürmische Entwicklung ist bereits ein einzigartiges Kulturphänomen in China, und sie wurde zu einer herausragenden Kraft in der pluralistischen globalen Kulturlandschaft.

Nachdem die westliche, ja die globale Kunst in den letzten gut zehn Jahren eine aktuelle Transformation durchlaufen hat, besteht auch bei den chinesischen Künstlern eine sich verstärkende Tendenz, den eigenen "Blick" neu zu justieren und die eigenen Traditionen tiefgreifend zu beobachten, das traditionelle chinesische Denken und die ästhetischen Konzepte des Ostens zu neuen Anhaltspunkten zu machen, sowie die Anwendung eigener Sprachen und Methoden zu versuchen, um so eine Wandlung der Tradition in die Moderne und ihren kreativen Einsatz zu verwirklichen. Ganz gleich, ob die Künstler traditionelle Medien und Techniken anwenden oder mit neuen Medien, Mitteln und Sprachen experimentieren, in jedem Fall bringt dies alle Facetten ihrer Lebenserfahrung zum Ausdruck, es baut neue visuelle Ausdrucksmöglichkeiten auf zwischen Individuum und Kollektiv, zwischen dem Ich und der Welt.

Meine Damen und Herren,

Nordrhein-Westfalen ist Deutschlands bevölkerungsreichstes Bundesland, seine Wirtschaft ist hoch entwickelt, und es nimmt in Deutschland einen wichtigen Rang ein. China unterhält mit NRW seit jeher freundschaftliche Beziehungen. Staatspräsident Xi Jinping hat im März letzten Jahres Ihr Bundesland besucht und dabei den Duisburger Hafen besichtigt. Ministerpräsidentin Kraft hat ihrerseits vor kurzem China einen Besuch abgestattet und dort mit NRWs Partnerprovinz höchst erfolgreiche Gespräche geführt. Derzeit leben über 40.000 Chinesen in NRW, dazu kommen 7.000 chinesische Auslandsstudenten. Mehr als 800 chinesische Firmen haben sich hier angesiedelt, und über 2.700 nordrhein-westfälische Unternehmen haben in China investiert oder unterhalten dort Niederlasssungen. Die Bahnstrecke „Chongqing – Xinjiang – Europa" bildet einen günstigen und bequemen Transportweg, der für die Wirtschaftsentwicklung und auch die kulturellen Kontakte Chinas, Europas und der an der Strecke liegenden Regionen von großem Vorteil ist, und Duisburg bildet den Zielpunkt dieser Route.

Die Kultur war immer ein nicht wegzudenkender Bestandteil der chinesisch-nordrhein-westfälischen Beziehungen, beide Seiten bemühen sich hier um einen möglichst umfassenden Austausch. Die Kulturstiftung Ruhr hat in der Villa Hügel die Ausstellungen „Das alte China" und „Tibet" veranstaltet, und die Deutsche Oper am Rhein sowie die Oper Köln haben Wagner-Opern nach China gebracht, den „Fliegenden Holländer" und den „Ring des Nibelungen". Das Kölner Chinajahr 2012 ist allen noch in lebhafter Erinnerung, und vor vierzehn Tagen ist in Peking eine Markus Lüpertz-Ausstellung eröffnet worden. CHINA 8 ist die dritte von der Bonner Stiftung für Kunst und Kultur verantwortete China-Ausstellung, und sie bildet einen Höhepunkt der Kulturzusammenarbeit zwischen China und Nordrhein-Westfalen.

Ich möchte an dieser Stelle Ihnen, Herr Prof. Smerling, besonders danken. Ihr Enthusiasmus für den deutsch-chinesischen Kulturaustausch beeindruckt mich besonders. Neun Kunstmuseen zu einer solchen Zusammenarbeit zu bewegen ist keine leichte Sache, aber Sie haben es fertiggebracht. Ich danke den einzelnen Projektkuratoren der Ausstellung, sowie den Direktoren der beteiligten Museen, ich danke auch Akademiepräsident Fan Di'an und der China Arts and Entertainment Group für die geleistete Arbeit. Besonders danke ich auch Prof. Wolfgang Heit von der Brost-Stiftung, Herrn Klaus Engel von der Fa. Evonik Industries, sowie allen weiteren Sponsoren. Ohne Ihre großzügige Unterstützung wäre diese Ausstellung nicht zustande gekommen. Zuletzt möchte ich allen ausstellenden Künstlern meinen Dank aussprechen. Ihre Kunst wird eine Brücke bauen für den Dialog zwischen den Menschen in China und in Deutschland.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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