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Rede von Botschafter WU Ken auf dem Empfang anlässlich der Akkreditierung
12.4.2019, Berlin

Exzellenzen,

Sehr geehrte Gäste, liebe Freunde, meine Damen und Herren,

guten Abend.

Zunächst bedanke ich mich ganz herzlich für Ihr Kommen. Seit Beginn der diplomatischen Beziehungen zwischen China und Deutschland im Jahr 1972 bin ich nun der 11. Botschafter der Volksrepublik China in der Bundesrepublik Deutschland, und das ist mir eine große Ehre. Als ich vor zwei Wochen Bundespräsident Steinmeier mein Beglaubigungsschreiben überreichte, beglückwünschte er mich zu meiner Rückkehr an alte Wirkungsstätten. Ich freue mich sehr, nun wieder auf Deutsch mit Ihnen allen kommunizieren zu können. Die Glückwünsche des Bundespräsidenten haben mich gedanklich in die Zeit vor 30 Jahren zurückversetzt.

An alte Wirkungsstätten zurückzukehren bedeutet für mich zunächst, dass ich in meiner Rolle als Botschafter das starke Band, das mich seit jeher mit Deutschland verbindet, wieder aufnehmen kann. Dies erfüllt mich mit großer Freude. Im Jahr 1987 kam ich zum Studium an die Johann-Wolfgang-Goethe-Universität nach Frankfurt. Die späten 80er und frühen 90er Jahre markierten den Beginn meiner Diplomatenlaufbahn, im Rahmen derer ich zunächst in der chinesischen Botschaft in der DDR und später in der Botschaft in der BRD arbeitete. Die deutsche Wiedervereinigung habe ich hautnah miterlebt. Danach habe ich trotz verschiedenster Posten in anderen Ländern nie mein Interesse an Deutschland verloren.

An alte Wirkungsstätten zurückzukehren bedeutet auch, dass die alte Freundschaft, die ich fühle, mich besonders eng an dieses Land bindet. Ich freue mich in diesem Sinne außerordentlich,.dass mein früherer Deutschlehrer an der Universität Wuhan, Jörn Jansen, heute gekommen ist. Lieber Jörn, ich danke Dir vom Herzen, dass Du gemeinsam mit deiner Frau Christina den Weg zu mir gefunden hast, und vor allem dafür, dass Du mich auf den richtigen Weg des Deutschlernens gebracht hast. Dass ich heute eine Rede auf Deutsch halten kann, das ist Dir zu verdanken. Du hast mir nicht nur das Fenster nach Deutschland geöffnet sondern auch beigebracht, andere Länder und Völker objektiv und umfassend zu betrachten. Diese scheinbar simple aber dennoch prägnante Einstellung hat meinen beruflichen Weg stark beeinflusst. Vielen Dank dafür.

An alte Wirkungsstätten zurückzukehren bedeutet auch, dass ich einen klaren Vergleich zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart herstellen kann. Ich erinnere mich noch ganz genau, wie ich Anfang der 90er Jahre nach Berlin kam. Damals waren die Überwindung der Ost-West-Trennung und die Einigung des deutschen Volkes die wichtigsten Aufgaben für die Deutschen. China befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Anfangsphase der Reform- und Öffnungspolitik und damit in einem Lernprozess. Die Wirtschaftskraft und der internationale Einfluss unseres Landes waren damals noch sehr eingeschränkt. Seitdem haben die Welt, Asien, Europa und insbesondere auch China und Deutschland große Veränderungen erfahren. Ost- und Westberlin waren bald wiedervereint, und Deutschland hat nicht nur eine nationale Einigung erlebt, die alten und neuen Bundesländer haben sich gemeinsam weiterentwickelt. China hingegen hat es in 40 Jahren der Reform und Öffnung geschafft, 700 Millionen Menschen aus der Armut zu holen und ist zur zweitgrößten Weltwirtschaft geworden.

Beide Länder spielen auf der internationalen Bühne sowie in der Weltwirtschaft eine wichtige Rolle. Die bilateralen Beziehungen erfreuen sich einer nie dagewesenen Tiefe und Intensität. Vor zwei Wochen ist Staatspräsident Xi Jinping in Paris mit Bundeskanzlerin Merkel zusammengetroffen, und die beiden haben sich über die künftige chinesisch-deutsche und chinesisch-europäische Zusammenarbeit verständigt. Zwischen China und Deutschland sind bereits mehr als 70 bilaterale Mechanismen etabliert worden, darunter die Regierungskonsultationen, die wir nur mit Deutschland haben.

Deutschland ist 43 Jahre in Folge der größte Handelspartner Chinas in Europa, und China ist seit drei Jahren Deutschlands größter Handelspartner weltweit. Jedes Jahr reisen insgesamt mehr als 2 Millionen Deutsche und Chinesen in das jeweils andere Land. Als ich meine Karriere begonnen habe, gab es damals für China nur ein Generalkonsulat in Hamburg. Heute sind wir neben Hamburg auch in München, Frankfurt und Düsseldorf vertreten. Zu diesem besonderen Anlass möchte ich auch alle vier Generalkonsuln bei uns in der Botschaft herzlich begrüßen.

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut. Das hohe Niveau der bilateralen Kooperationen ist auch alles andere als selbstverständlich. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, mich bei allen Kollegen und Freunden aus China und Deutschland zu bedanken für ihre jahrzehntelange Unterstützung der bilateralen Beziehungen und den Beitrag, den sie geleistet haben!

Meine Damen und Herren,

wenn man sagt, dass die Entwicklung von Deutschland und China zum Zeitpunkt meines ersten Aufenthalts in Berlin noch mit großen Unsicherheiten konfrontiert waren, so haben die Veränderungen in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass solche Instabilitäten und Unsicherheiten sich auch in der heutigen Weltlage wiederspiegeln. Während einst etablierte Konzepte wie Multilateralismus und Freihandel immer stärker gefährdet werden, erfahren Unilateralismus, Populismus und Protektionismus ungeahnten Aufschwung. Je mehr wir solche Veränderungen sehen, desto mehr brauchen wir strategische Partner. Mehr denn je müssen wir daher unseren strategischen Fokus beibehalten, um die stabile und gesunde Entwicklung der chinesisch-deutschen Beziehungen zu sichern, und Umbrüchen in der Welt um uns herum entgegenzuwirken.

Unsere Vorstellung der Zusammenarbeit basiert auf den Prinzipien der Öffnung, Toleranz und des gegenseitigen Nutzens. Nur mit beiderseitiger, kontinuierlicher Öffnung kann unsere Zusammenarbeit weiter vorangetrieben werden, und unseren beiden Ländern zum gegenseitigen Wohl gereichen. In den 1980er Jahren kamen deutsche Unternehmen, allen voran VW, nach China. Sie haben einen großen Beitrag geleistet und gleichzeitig auch viel davon profitiert.

Ich habe drei Jahre in der Provinzregierung Guangdong gearbeitet, dort wo die Öffnung Chinas ihren Anfang genommen hat und durch umfassendste Entwicklung zu einer „Vorzeigeprovinz" geworden ist. Genau der Geist, sich zu öffnen hat die Kooperationen zwischen Guangdong und Deutschland zu enormen Erfolgen gebracht. BASF wird in den kommenden Jahren in Zhanjiang in der Provinz Guangdong ein großes eigenfinanziertes Chemieindustrieprojekt ansiedeln. Ich habe selbst in der Stadt Jieyang in Guangdong den chinesisch-deutschen Industriepark Metal Eco besucht und mich von der dortigen vielfältigen und erfolgreichen Zusammenarbeit überzeugen können. Das Beispiel der Provinz Guangdong macht deutlich, dass eine offene Zusammenarbeit neue Entwicklungsräume erschließen und Situationen schaffen kann, in denen sich beide Seiten gegenseitig unterstützen. In der gegenwärtigen internationalen Situation sollten China und Deutschland noch mehr an dem Gedanken der Öffnung festhalten, eine offene Zusammenarbeit fördern und eine offene Weltwirtschaft aufbauen.

Wir müssen durch offenen Austausch das gegenseitige Verständnis verbessern, Missverständnisse abbauen und das bilaterale Vertrauen stärken. Das ist, glaube ich, für die chinesisch-deutsche Zusammenarbeit von entscheidender Bedeutung. In jüngster Zeit hat die öffentliche Meinung in Deutschland und Europa ihre Aufmerksamkeit besonders auf China gerichtet, auch ich selbst habe sehr unterschiedliche Interpretationen von Chinas Entwicklung und Aufstieg gehört, insbesondere bei der Frage, ob die „Belt and Road"-Initiative (also die Neue Seidenstraße) eine Chance oder doch eine Herausforderung für Europa sei. Ich möchte betonen, dass China vor 30 Jahren Deutschland in seinem Streben nach Einheit nachdrücklich und bedingungslos unterstützt hat. Heute setzen wir uns in gleicher Weise unterstützend für die europäische Integration ein und hoffen auf ein einheitlicheres, stabileres und wohlhabenderes Europa. Mencius, der chinesische Weise, sagte: wer wenig habe, solle an sich selbst arbeiten, wer seine Ziele erreicht habe, solle die Welt unterstützen.

Bei der Verwirklichung seiner eigenen Entwicklung hat China niemals auf Kosten der Interessen anderer Länder gehandelt, sondern die internationale Zusammenarbeit befürwortet und eine gemeinsame Entwicklung gefördert. Zu diesem Zweck hat die chinesische Seite auch die Belt-and-Road-Initiative vorgeschlagen, um allen Ländern der Welt eine Plattform für Win-Win-Kooperationen zu entwickeln. Einige Menschen hegen tiefe Zweifel gegenüber der „Belt and Road"-Initiative, was mich an den jetzt gerade beginnenden Frühling denken lässt, der bei mir jedoch zu einer allergischen Reaktion führt. Medizinisch gesehen sind Allergien eine Überreaktion des menschlichen Immunsystems auf etwas Ungewohntes, Unverständliches, auch wenn dies an sich für den menschlichen Körper harmlos oder sogar vorteilhaft ist. Tatsächlich erkennen immer mehr europäische Länder die großen Chancen, die die Belt-and-Road-Initiative bietet. „Der frühe Vogel fängt den Wurm", dieses Sprichwort kennen Sie alle. Es wäre zu hoffen, dass die "Allergien" gegenüber der Belt-and-Road-Initiative möglichst bald überwunden wird, damit China und Deutschland gemeinsam das Potenzial ihrer Zusammenarbeit in dieser Initiative ausschöpfen und davon profitieren können.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Freunde.

Wir alle sind Zeugen, Nutznießer und Mitgestalter der guten bilateralen Beziehungen. Die chinesisch-deutschen Beziehungen hängen nicht nur von den Bemühungen der beiden Regierungen ab, sondern sind auf Sie, liebe Gäste, auf jede einzelne Person angewiesen. Lassen Sie uns weiter beharrlich darum bemühen, unsere Chancen zu ergreifen, die Bereiche und Inhalte unserer Zusammenarbeit kontinuierlich zu erweitern und die Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland auf eine neue Ebene zu bringen.

Herzlichen Dank!

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