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Chinas Startup-Boom: Alle 7 Minuten ein neues Unternehmen
2015/07/10

Als der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang vor einem Monat in Beijings Stadtviertel Zhongguancun – Chinas Silicon Valley – in ein Café ging, erhielt die Startup- und Gründerszene des Landes einen enormen Aufschwung. Denn bei dem besagten Café handelt es sich um eine auf Internet und Unternehmertum fixierte Gemeinschaft, wo sich gewöhnlich Startup-Eigentümer und angehende Unternehmer aufhalten.

Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang in Beijings Stadtviertel Zhongguancun.

Es war nicht das erste Mal, dass Startups in China von offizieller Stelle befürwortet wurden. Die chinesische Regierung hatte bei ihrer jährlichen legislativen Tagung im März zugesagt, Innovationen und neue Unternehmen künftig stärker zu fördern. Kurz darauf hatten verschiedene lokale Regierungen Mittel zur Unterstützung für aufstrebende Jungunternehmer bereitgestellt. Startups erleben in China gerade einen neuen Boom.

Wer sind die Unternehmer?

Insgesamt 4,854 Millionen neue Firmen wurden von März letzten Jahres bis Mai diesen Jahres registriert, das entspricht 10.600 neuen Unternehmen pro Tag oder sieben jede Minute.

Die reichsten Regionen des Landes, wie die Städte im Jangtse-Flussdelta, dem Perlflussdelta und Beijing, sind die Heimat der meisten Startups, gefolgt von Städten im Südwesten Chinas, wie beispielsweise Chongqing und Chengdu.

Der südchinesische Stadt Shenzhen, die seit mehr als 30 Jahren an der Spitze aller Reform des Landes steht, verfügt über die größte Konzentration von Unternehmern. Jeder sechste Einwohner ist hier Inhaber eines Startups. Die Stadt Qingdao in der Provinz Shandong erreicht beispielsweise nur ein Zehntel dieses Werts. Die Metropolen Shanghai und Beijing landen auf Rang 10 und 16.

Dieser neue Startup-Boom wird von den verschiedensten Leuten getragen, darunter solche, die im Ausland studiert haben und nach China zurückgekehrt sind sowie Leute, die ihre Arbeitsplätze gekündigt haben, um ihre eigenen Unternehmen aufzubauen. Auch Wanderarbeiter, die in ihre Heimatstädte zurückgekehrt sind und ihr eigenes Geschäft aufbauen wollen, gehören dazu, ebenso wie Studenten, sagte Gu Shengzu, ein prominenter Wirtschaftsexperte und Regierungsbeamter.

Was das Investitions- und Finanzierungsvolumen angeht, waren Beijing (6,2 Mrd. Euro), Shanghai (1,4 Mrd. Euro) sowie die Provinzen Guangdong (1,4 Mrd. Euro) und Zhejiang (980 Mio. Euro) 2014 die aktivsten Orte.

Die Hälfte aller Startups sind Internetunternehmen

"Die Internetindustrie hat die meisten Unternehmer nach Beijing gelockt. Große Projekte wurden bereits durch BAT (Baidu, Alibaba und Tencent) erworben, deshalb beäugen viele die Transformation der traditionellen Industrien (mit Hilfe des Internet)", sagte Zhu Guilin (Name v.d. Redaktion geändert), ein Startup-Unternehmer, der seinen lukrativen Job bei Microsoft vor zwei Jahren an den Nagel hing.

Die Internetindustrie führt den Boom an, was durch die überdurchschnittlich hohe Zahl der neu registrierten Unternehmen und das Investitionsvolumen veranschaulicht wird.

Statistiken zeigen, dass die Investitionen in die Internetindustrie 2012 noch bei weniger als 89,6 Millionen Euro lagen, doch bis 2014 schnellte diese Zahl in die Höhe – auf mehr als 5,3 Milliarden Euro, was im letzten Jahr 49 Prozent aller chinesischen Investitionen in Startups entsprach.

Chinas heißgelaufener Kapitalmarkt hat den Boom zusätzlich angefeuert. Angel-Investoren und Kapitalbeteiligungsgesellschaften, die vom Kapitalmarkt profitiert haben, gießen ihr Geld nun förmlich in die Startups.

Business Angel-Institutionen investierten im vergangenen Jahr in insgesamt 766 Projekte, eine Steigerung von 353 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die gesamte Investitionssumme belief sich auf 471 Millionen Euro, im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 161,7 Prozent – und es gibt keine Anzeichen für ein Nachlassen dieses Trends.

Einige Wissenschaftler und Branchenkenner haben bereits vor den potenziellen Risiken des Booms gewarnt, einschließlich der hohen Ausfallrate von Startups und den daraus resultierenden Insolvenzen und faulen Krediten. Doch Entrepreneure wie Zhu Guilin sind optimistisch. "Der Startup-Boom ist eben nicht wie die Blasen im Immobilien- und Aktienmarkt. Es mag zwar auch hier zur Blasenbildung kommen, aber die jungen Unternehmer werden ihre Fähigkeiten bis dahin auf jeden Fall weiterentwickelt haben und so trotzdem zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen", sagte Zhu.

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