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Mit Herz und Hand gezeichnet: Deutsche Kinderbuchillustrationen faszinieren Chinesen
2010/04/23

Text von Chen Qi, Fotos von Ren Bin, Beijing

"Das Bild geht durch die Seele" : Mit dem Vortrag von Professorin Birgit Dankert wurden zwei Aufstellungen der deutschen Kinderbüchern und Illustrationen in Beijing eröffnet.

Professorin Birgit Dankert hielt einen Vortrag.

"Das Bild geht durch die Seele" hieß der Vortrag von Professorin Birgit Dankert am Freitag in Beijing, der Hunderte von chinesischen Lesern und Künstlern angezogen hatte. Mit diesem informationsreichen Bericht über deutsche Bilderbücher und Illustrationen wurden zwei Aufstellungen in der Central Academy of Fine Arts (CAFA) eröffnet, nämlich die Ausstellung "Zeitgenössische Bilderbuchillustration in Deutschland" und die Ausstellung "Aufwachsen mit Kirsten Boie".

An den Veranstaltungen nahm drei Gäste aus Deutschland teil: Birgit Dankert, Professorin der Bibliotheks- & Informationswissenschaft, Kinderbuchkritikerin der ZEIT und Jurorin beim Deutschen Jugendliteraturpreis 2007; Kirsten Boie, eine der bekanntesten und erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchautorinnen Deutschlands, und Nadia Budde, ausgezeichnete Illustratorin. Daneben waren viele chinesische Künstler und Experten im Bereich von Kinderbüchern und Illustrationen zur Eröffnungszeremonie eingeladen.

Anhand dreizehn ausgewählter Positionen ermöglichen die Ausstellungen einen bemerkenswerten Einblick in das Schaffen deutscher Illustratorinnen und Illustratoren. Neben international renommierten Klassikern wie Janosch, Klaus Ensikat oder Wolf Erlbruch werden auch jüngere Künstler vorgestellt, deren Werke neuere Tendenzen in der Bilderbuchillustration widerspiegeln.

Eingeladen wurden auch(von links bis rechts)der Leserförderer A Jia, der weltweit bekannte Illustrator Xiong Liang, der erfahrende Verleger im Bereich Kinderbücher Ao De, die Vizeredakteurin und Übersetzerin der Thinkingdom Media Group Saruwatari Shizuko (Aus Japan) und die Direktorin der Lizenzagentur Beijing Star Media für deutschsprachige Kinderliteratur Frau Wang Xing.

Vielfalt in Deutschland, neuer Trend in China. "Das Bilderbücherfieber begann in China etwa 2006. Seitdem werden immer mehr deutsche Kinderbücher, besonders Bilderbücher, als Lizenzprodukt in China verkauft," erläuterte Wang Xing, Direktorin der Lizenzagentur Beijing Star Media für deutschsprachige Kinderliteratur, im Interview mit china.org.cn. "Im Jahr 2009 sind etwa 200 Titel deutscher Kinderbücher durch uns ins Chinesische übersetzt worden, zwei Drittel davon waren Bildbücher. Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres sind bereits Copyrigthtverträge für 58 Kinderbücher durch uns geschlossen worden, darunter 32 Bilderbücher," sagte Wang Xing.

Während die Entwicklung von Bilderbüchern in China erst in den letzten Jahren begonnen hat, hat Deutschland bereits reiche Erfahrungen auf diesem Gebiet. "Bildbücher und Bildbuchillustrationen spielen im Moment im deutschen und im europäischen Markt eine sehr große Rolle," sagte Nadia Budde. "In Deutschland zeichnet sich der neue Trend von Illustrationen durch eine große Vielfalt an Stilen, Techniken und auch Ausdrucksformen aus." Als einen neuen Trend erwähnte sie, dass zahlreiche Illustrationen und Illustratoren aus verschiedenen Künstlergenerationen es heute vermögen, durch ihre individuellen Bildsprachen Kinder wie Erwachsene gleichermaßen zu begeistern. "Es ist nicht so richtig klar, ob diese Bilderbuchsehnsucht daher kommt, dass sich Kinder mehr Bilder in Büchern wünschen, oder es vielleicht sogar die Erwachsenen sind, die gerne Bilderbücher haben oder sich wünschen. Tatsache ist, dass besonders die sehr künstlerisch oder aufwendig gestalteten Kinderbücher sehr oft in den Bücherregalen der Erwachsenen zu finden sind. Tatsache ist aber auch, dass Eltern und Kinder viel öfter die Bilderbücher gemeinsam lesen oder einander vorlesen", meinte Budde.

Kinderbücher ohne Tabus? Im Interview wurde diskutiert über ernsthafte oder empfindliche Themen in zeitgenössischer Kinderliteratur wie zum Beispiel Tod, Scheidung, Krieg, die in deutschen Kinderbücher heute schon üblich, in chinesischen jedoch noch sehr selten zu finden sind. "Ich glaube nicht, dass man sagen kann ‚Jetzt schreiben wir Kinderbücher ohne Tabus’, sondern die allgemeinen Rahmbedingungen haben sich so liberalisiert, dass diese Themen möglich sind", sagte Birgit Dankert gegenüber china.org.cn. "Das sind Sachen, die in einander greifen. Man kann nicht sagen ‚Jetzt befreien wir die Jugendliteratur’, sondern dass muss sich auch anders befreien. Und dann ist auch diese Freiheit in der Darstellung der kindlichen Wirklichkeit und Themen wie Tod, Scheidung und andere möglich."

Nadia Budde meinte, die Frage sei nicht, ob man irgend ein Tabu nehmen soll, sondern, wie man diese Themen speziell für Kinder in einem bestimmten Alter darstellen soll. "Natürlich ist ein Thema für ein vierjähriges Kind ganz anders als für ein zehnjähriges darzustellen"

Kirsten Boie betonte, die Autoren und Illustratoren seien nicht davon ausgegangen, den Kindern beizubringen , das Leben sei schrecklich und schwer. "Das soll ihnen dabei helfen, mit solchen Situationen umzugehen."

Dialog zwischen verschiedenen Kulturen. Was die kulturellen Unterschiede betrifft, sagte Kirsten Boie: "Ich glaube, dass gerade in einer Zeit, in der die Welt immer mehr zusammenwächst, Kinderbücher eine große Bedeutung haben. Ich bin überzeugt, dass Kinder überall auf der Welt, wie unterschiedlich ihr Leben auch aussehen mag, immer die gleichen Aufgaben zu bewältigen haben, die gleichen Ängste, die gleichen Kümmernisse, die gleichen Freuden, und deshalb können deutsche Kinder chinesische Bücher und chinesische Kinder deutsche Bücher verstehen. Dieser Austausch wird sehr zum gemeinsamen Verständnis beitragen". Birgit Dankert bestätigte, auch sie verstehe diese beide Ausstellungen als ein Angebot zum Dialog der Kulturen.

Eine Studentin von der Central Academy of Fine Arts sagte in der Ausstellungshalle gegenüber china.org.cn, dass sie als eine der Bilderbuchfans Chinas die Illustrationen deutscher Künstler sehr speziell im Stil finde. Sie hofft, dass solche Veranstaltungen in der Zukunft öfter stattfinden könnten, damit sie die deutsche Kunst und Kultur besser kennenlerne.

Ein chinesischer Bilderbuchautor als Besucher der beiden Ausstellungen meinte, dass die Qualität der deutschen Bücher sehr hoch sei. Es gehe nicht nur um die künstlerische Qualität, sondern auch die Papierqualitäten, die Drucktechniken und die Ausstattung der Bücher. "Nun besitzen japanische Bilderbücher und Mangabücher einen großen Marktanteil in China. Das ist aber eine so genannte Fastfood-Kultur. Die Bilder in japanischem Stil kann man ganz schnell und ganz einfach mit dem Computer schaffen, während man die richtigen Illustrationen mit hoher Qualität wie die hier ausgestellten Bilder mit der Hand und mit dem Herz fertigen muss."

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