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  Interviews mit Ministern
ZEIT-Interview mit Vize-Außenministerin FU Ying
 (2010-08-24)
 

Am 07. 07. 2010 gab Frau Vize-Außenministerin Fu Ying in Berlin "Die Zeit" ein Interview, das Themen wie Beziehungen zwischen China und Europa, China-Bild in den westlichen Medien beinhaltete. Am 29. 07. veröffentlichte "Die Zeit" das Interview. Hier ist es im Wortlaut wie folgend:

"Immer noch ein Tropfen Essig!"

ZEIT-Interview mit Vize-Außenministerin FU Ying

 
DIE ZEIT: Madame Fu Ying, wenn Sie nach Europa kommen, besuchen Sie dann einen Kontinent der Zukunft oder einen Kontinent der Vergangenheit?

Fu Ying: Beides. Europa ist sehr in der Vergangenheit verankert, mit seiner Literatur etwa, aber auch mit seinem Beitrag zur Industrialisierung. Aber es gehört auch zur Zukunft. Europa ist führend in der Welt beim Klimaschutz, bei den erneuerbaren Energien. Und die EU ist ein solch kühnes Unterfangen für einen Kontinent, der über Jahrhunderte in Kriege, Kämpfe und Konflikte verstrickt war.

ZEIT: Nach Ansicht vieler Asiaten fällt Europa zurück.

Fu Ying: Es überrascht mich nicht, dass manche Leute das so empfinden. Wenn Sie als chinesischer Tourist in Peking vom brandneuen Terminal 3 abfliegen und in Heathrow oder de Gaulle landen, dann werden Sie wahrscheinlich sagen, »Wieso ist dieser Flughafen so alt?« Solche Vergleiche gibt es.

Trotzdem, ich glaube nicht, dass die Chinesen der Meinung sind, Europa falle ökonomisch zurück. Ihre Wirtschaftsleistung pro Kopf ist zehnmal so hoch wie in China; der Lebensstandard, der Lebensstil, die Lebensqualität, der Wohlfahrtsstaat – alles ist besser. Wir werden Sie noch sehr lange nicht einholen können.

ZEIT: Treffen Sie in Europa und in China auf die gleiche Dynamik?

Fu Ying: Ein Land wie Deutschland ist wirtschaftlich noch immer dynamisch. In China gibt es kaum eine Provinz, die nicht mit Deutschland zusammenarbeitet. Wenn Sie ein Produkt aus Europa kaufen, dann ist der erste Eindruck einer von Verlässlichkeit und guter Qualität.

Was den Leuten ein Gefühl von Stagnation gibt, ist aber ein Stereotyp im Verhalten der Europäer. In den achtziger Jahren habe ich als Übersetzerin gearbeitet. Bei offiziellen Treffen waren die Menschenrechte häufig ein Thema. Unsere Besucher brachten Namenslisten mit. Dreißig Jahre später hat sich China weiterentwickelt, die Welt hat sich weiterentwickelt, so viel hat sich verändert! Der Schutz der Menschenrechte wurde 2004 in die Verfassung aufgenommen. Unsere Gesetze und Vorschriften sind dem angepasst worden. Aus meiner Sicht hat sich sowohl die Haltung zu den Menschenrechten als auch die Wirklichkeit grundlegend verändert.

Aber die europäischen Delegationen, die nach China kommen, haben immer noch die gleiche Haltung, sie klagen uns an und befragen uns in herablassender Weise. So gut wie nie höre ich, bei den Menschenrechten habe es Fortschritte gegeben. In China stellen Einzelne Forderungen auf, die unmöglich erfüllt werden können. Doch diese politischen Extremisten scheinen das ganze Bild zu prägen, das sich europäische Länder von den Menschenrechten in China machen.

ZEIT: Natürlich erkennen wir Europäer an, welche Fortschritte China etwa beim Kampf gegen die Armut erzielt hat. Dennoch finden wir es nicht akzeptabel, dass Ihre Regierung den Bürgern die Meinungsfreiheit oder die Versammlungsfreiheit vorenthält, dass sie ihnen nicht erlaubt, Parteien frei zu gründen.

Fu Ying: Wenn Sie davon reden, China tue dieses oder jenes nicht, dann legen Sie Ihre eigenen Maßstäbe an. Ich frage mich, ob Ihnen klar ist, wo Sie in Sachen Menschenrechten zu Zeiten der frühen Industrialisierung standen, in denen China erst jetzt ist. Inzwischen haben Sie einen starken Sozialstaat geschaffen, Ernährung und Unterkunft sind für Sie seit langem kein Problem mehr. Meine Generation hat noch Hunger erlebt, es ist nicht lange her, dass wir die Mangelwirtschaft überwunden haben. Wenn Sie China immer an Ihren Maßstäben messen und wenn Sie erwarten, China werde eines Tages wie der Westen sein, dann wird diese Hoffnung Sie immer wieder trügen.

ZEIT: Wollen Sie China etwa an den Menschenrechtsstandards vom Europa des frühen 19. Jahrhunderts messen?

Fu Ying: Als gegen Ende der Qing-Dynastie berühmte Gelehrte die Idee der Menschenrechte aufgriffen und das chinesische Rechtssystem reformieren wollten, erkannten sie schnell, dass die Westler ein sehr begrenztes Verständnis von den Menschenrechten hatten und diese Rechte durchaus nicht mit den Chinesen teilen wollten. In den ausländischen Konzessionen standen die Fremden über den Einheimischen. Die Menschenrechte waren eine Sache der Elite. Es gab keinen Dialog. Diese erste Welle der Menschenrechte in China hat keine Früchte getragen.

Eine zweite Welle waren die Studentenbewegungen, die von der Kommunistischen Partei unterstützt wurden. Aber auf die Gründung der Volksrepublik 1949 folgte die Blockade durch den Westen. Viele westliche Konzepte, auch das der Menschenrechte, wurden zurückgewiesen, wegen der schlechten Beziehungen, die wir damals hatten. Die Aufnahme des »Schutzes der Menschenrechte« in die Verfassung 2004 war, wenn Sie darin die dritte Welle der Menschenrechte in China sehen wollen, am erfolgreichsten. Seitdem sind das Sachenrecht, das Arbeitsgesetz u. a. verabschiedet worden. Vielleicht ist es nicht perfekt, aber für Chinas Rechtssystem war es ein großer Schritt vorwärts.

Einerseits weist China die Idee der Menschenrechte nicht zurück, es lernt allmählich, nimmt Gedanken auf und pflanzt sie in die chinesische Erde ein, damit sie dort wachsen und gedeihen können. Andererseits bleibt das unangenehme Gefühl, man will uns etwas aufzwingen.

ZEIT: Der Ruf nach den Menschenrechten kommt doch nicht nur aus dem Ausland, er kam immer auch aus China selbst – von der »Mauer der Demokratie« Ende der siebziger Jahre, über die Demonstrationen auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 bis zur »Charta 08« vor zwei Jahren.

Fu Ying: Wir hatten auch die Kulturrevolution. In China ist vieles geschehen, nicht nur das, was Sie herausgreifen. Wir hatten auch erfolgreiche Reformen, wir hatten Fortschritte bei der wirtschaftlichen Entwicklung, und wir hatten das Interesse der Mehrheit des Volkes an politischer Stabilität. Wir hatten die Unruhen in Tibet und die Xinjiang, wir hatten Überschwemmungen, Erdbeben und wir hatten die Olympischen Spiele. Sie müssen das ganze Bild sehen.

Wenn Sie auf die sechzig Jahre der Volksrepublik zurückblicken, sehen Sie die Fehler, die wir gemacht haben, aber auch unsere Fähigkeit, diese Fehler zu korrigieren, etwa die Kulturrevolution. Dieses Land ist durch die Kulturrevolution traumatisiert worden. Niemand will, dass sich so etwas wiederholt.

Wenn Sie China verstehen wollen, dann reicht es nicht, die Dinge herauszugreifen, die Sie interessieren. Es ist nicht genug, den Leuten zuzuhören, die Ihnen nach dem Munde reden, die Ihre Sprache sprechen. Es sind immer die Interessen der Mehrheit, die zählen. Es ist nicht schwer, unter Chinas 1,3 Milliarden Menschen Extremisten zu finden. Es gibt zu allem unterschiedliche Ansichten. Aber weise Entscheidungen kann man nur treffen, wenn man genau prüft, was für die Mehrheit der Menschen auf dem Spiel steht.

ZEIT: Wirtschaftlich ist China ein anderes Land geworden, politisch hat sich wenig geändert.

Fu Ying: Diese Ansicht ist wirklich paradox. Der Westen erkennt den wirtschaftlichen Fortschritt in China an. Er würdigt auch Chinas Rolle bei der Bewältigung der Finanzkrise. Aber zugleich ignoriert er entschlossen den politischen Fortschritt. Diese Logik funktioniert nicht. Das ist, als wolle man sagen, China habe all dies ohne Regierung, ohne Partei, ohne Politik erreicht, gewissermaßen in totaler Anarchie.

ZEIT: Wenn Sie so erfolgreich sind, warum öffnen Sie sich dann nicht mehr? Warum schaffen Sie die Zensur nicht ab? Warum dulden Sie keinen öffentlichen politischen Dissens?

Fu Ying: Ich war mit meiner Antwort noch nicht fertig. Mein zweiter Punkt ist: Wenn Sie sich selbst für das beste Modell halten – Ihr politisches System, Ihren Umgang mit den Medien, Ihre Regierungsstruktur, Ihre politischen Parteien – und dies wie eine Schablone an China anlegen, werden Sie feststellen: Sie passt nicht.

Schauen Sie sich doch um bei den Ländern, die Ihr System übernommen haben. Wie erfolgreich sind sie, wem geht es so gut wie Ihnen? Haben sie Ihr Bruttosozialprodukt erreicht? Sie wollen Ihr politisches System, Ihre Werte mit einer Menge von Ländern teilen. Was Sie nicht teilen wollen, ist Ihr Reichtum, Ihr Lebensstandard, das Fundament Ihres politischen Systems.

ZEIT: Unser Fehler ist es also, dass wir von China erwarten, unser Modell zu übernehmen?

Fu Ying: Was sind denn Ihre Erfahrungen mit dem Export Ihres Systems in andere Teile der Welt? Wie gut hat das funktioniert?

ZEIT: Unterschiedlich, würde ich sagen.

Fu Ying: Vielleicht funktioniert es an manchen Stellen, aber bestimmt nicht an allen. Sie sollten jedenfalls nicht glauben, dass alle in China ohne Gehirn herumlaufen. 1,3 Milliarden Menschen! Es gibt eine lebendige Gesellschaft, viele Familien, Mütter, die sich um ihre Kinder sorgen. Jeder Bürger hat seine eigenen Wünsche und Forderungen an die Regierung, und die Regierung muss sich vor dem Volk verantworten. Seit altersher gibt es die Metapher vom Volk als dem Meer und der Regierung als dem Schiff. Wenn Sie nicht sinken wollen, müssen Sie auf das Meer achten, sonst lässt das Meer Sie kentern. China verdient Respekt und eine nüchterne Analyse. Es soll nicht immer gefordert werden, sich Ihren Maßstäben anzupassen.

ZEIT: Haben Sie den Eindruck, China werde nicht respektiert?

Fu Ying: Viele Leute haben dieses Gefühl.

ZEIT: Woran machen Sie diesen mangelnden Respekt fest?

Fu Ying: Sie wollen, dass ich Kritik übe?

ZEIT: Bitte.

Fu Ying: Das wäre eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder! (Lacht)

ZEIT: Umso besser!

Yu Ying: Wir glauben an Kritik. Ohne Kritik hätte es nicht über drei Jahrzehnte hinweg Reformen gegeben. Die Dinge bewegen sich langsam in China, weil das Land so groß ist. Aber die Reformen gehen weiter. Viele Medien berichten über China jedoch wie ein Koch, der am Ende immer noch einen Tropfen Essig ins Essen gibt. Jedes Gericht schmeckt gleich, immer schmeckt es nach Essig.

ZEIT: Das könnte auch unsere Regierung sagen: Immer nur Kritik, immer nur Essig! Aber Journalisten sind nicht dazu da, die Regierung zu loben.

Fu Ying: Ihre Presse ist weiter entwickelt, sie ist auch kritischer. Die Regierung hat sich dem angepasst, sie kann damit umgehen.

ZEIT: Nicht immer.

Fu Ying: In Großbritannien habe ich versucht, die Medien zu verstehen, die Marktgesetze, denen sie unterworfen sind, den Wettbewerb zwischen ihnen. Ich glaube, die Medien sind ein Produkt Ihrer modernen Entwicklung. Verglichen damit, sind die chinesischen Medien jünger, aber sie sind inzwischen auch sehr aktiv. Wenn Abwässer einen Fluss verschmutzen, oder wenn eine Fabrik die Umwelt verpestet, dann gehen sie dem nach.

Für Ihre Medien sind gute Nachrichten keine Nachrichten. Das ist in China anders. Auch gute Nachrichten sind hier Nachrichten. Wenn etwa bei einer Naturkatastrophe geholfen werden kann, dann ist das eine Story.

Aber zurück zu den westlichen Medien. Wenn sie über China oder andere Länder berichten, dann scheinen sie weniger verantwortungsvoll zu sein, weil sie nicht beweisen müssen, dass ihre Berichte stimmen.

ZEIT: Die Berichte aus China sind in den vergangenen Jahren nicht nur viel umfangreicher, sie sind auch besser geworden.

Fu Ying: Umfangreicher, das stimmt. Und nach den Olympischen Spielen ist die Berichterstattung auch ausgewogener geworden. Aber das Essig-Syndrom gibt es immer noch!

ZEIT: Vor den Olympischen Spielen, als Sie Botschafterin in London waren, haben Sie den westlichen Medien vorgeworfen, sie »dämonisierten« China. Würden Sie das immer noch sagen?

Fu Ying: Das war zwischen den Unruhen in Lhasa am 14. März 2008 und dem Olympischen Fackellauf durch London am 6. April. Das Verhalten der Medien hat mich überrascht. Wenn Sie die Fernsehbilder der ersten drei Tage der Unruhen in Lhasa noch einmal zurückdrehen, dann sehen Sie die Berichte über Chinas Tibet: Diese zeigten Polizisten, die in Lhasa Mönche verprügelten, und jeden Tag hatten diese Polizisten andere Uniformen an! Es waren eben keine chinesischen Polizisten. Jeder konnte das sofort erkennen. Warum hat man das gemacht? Ich bin mir sicher, die Fernsehleute, die diese Bilder gezeigt haben, sollen wissen, dass dies keine chinesischen Polizisten waren. Diese Berichterstattung hat Ihren Medien so geschadet, gerade bei den jungen Leuten in China! Für Ihren Ruf war das eine Katastrophe. Es wird lange dauern, bis Sie sich davon erholen.

ZEIT: Sie glauben, das Fernsehen hat absichtlich falsche Bilder gezeigt!

Fu Ying: Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht verstehen. Ich möchte nur fragen, ob Sie begreifen, wie sehr diese Berichterstattung Ihnen geschadet hat. Es wird großer Anstrengungen bedürfen, sich von diesem Schaden zu erholen. Aber vielleicht können Sie es ja vergessen, einfach ignorieren. Ich glaube nur, dass eine Menge Leute, die es gesehen und gelesen haben, sich daran erinnern werden.

 
Das Gespräch führte Matthias Naß

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