| Umwelttechnik-Messe in Beijing: China als großer Markt für deutsche Technik |
| 2010/06/15 |
von Ren Bin, Beijing In Beijing findet derzeit die Messe für Umweltschutz und Energieeffizienz statt. Viele ausländische Anbieter, darunter auch deutsche Firmen, stellen dabei mit großer Zuversicht in den chinesischen Markt ihre neueste Technik vor. Kohlenstoffarme Technik steht im Mittelpunkt der Messe. (China.org.cn/Ren Bin) Von vergangenem Samstag bis Dienstag findet in Beijing die Internationale Messe für Energieeffizienz und Umweltschutz statt. Sie steht unter dem Thema: Kohlenstoffarme Technologie und grüne Wirtschaft. Insgesamt stellen 239 Unternehmen ihre Produkte auf der Messe vor, darunter 34 ausländische Firmen. Der Deutschland-Stand auf der Messe (China.org.cn/Ren Bin) Im Bereich für industrielle Energiesparung auf dem Messegelände befindet sich der Deutschland-Stand, den das Bundesministerium für Wirtschaft errichtet hat. Miriam Schröder, eine Auskunftsperson des Ministeriums, erklärte gegenüber China.org.cn, bei dem Stand würden keine direkten Produkte, sondern die deutsche Technik für erneuerbare Energie und Energieeffizienz vorgestellt. Damit wolle das Ministerium den deutschen Unternehmen in diesen Bereichen helfen, in den chinesischen Markt zu kommen. "Wenn chinesische Firmen, Wissenschaftler oder Regierungsrepräsentanten zu uns kommen, dann versuchen wir ihnen zu helfen, deutsche Partner zu finden", sagte Schröder. Sie fuhr fort, Chinas Politik lege jetzt einen besonders großen Schwerpunkt auf Umweltschutz und erneuerbare Energie und habe sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Dies stärke die weltweite, vor allem aber die chinesische Nachfrage nach Technik, die Deutschland wiederum anbieten könne, und genau deshalb werbe der Stand bei der Messe für deutsche Technik. Beim Stand der Testo AG findet ab und zu ein Quiz für die Besucher statt. Dabei zeigen die Angestellten Infrarotbilder, die Messgeräte ihres Unternehmens erstellt haben, und lassen die Teilnehmer erraten, welche Gegenstände auf den Bildern zu sehen sind. Das ist gar nicht so einfach, denn auf den Infrarotbildern sehen die Dinge anders aus als sie das menschliche Auge in der Natur wahrnimmt. Wer es trotzdem schafft, hat die Chance, eine schnurlose Maus zu gewinnen. Cyan Zhang, Produkt-Marketing-Managerin der Firma, erklärte gegenüber China.org.cn, ein solches Quiz sei im Freiburg-Pavillon auf der Expo bereits veranstaltet worden. Auch der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler habe bei seinem Besuch des Pavillons bei dem Quiz mitgemacht. Mit dieser Veranstaltung wolle die Firma mehr Besucher an ihren Stand ziehen. Schließlich könnten unter denen spätere Kunden sein, so die Managerin. Das Quiz von Testo zieht zahlreiche Besucher an. (China.org.cn/Ren Bin) Zudem sagte Zhang, das Messgeräte-Unternehmen habe auf dem chinesischen Festland im Jahr 2002 die erste Außenstelle in Shanghai gegründet. Inzwischen habe sich das Geschäft auf dem chinesischen Markt rasant entwickelt. Beispielsweise fänden die Abgasanalysegeräte, die Testo herstellt, in rund 60 Prozent der Umwelt-Überwachungsstationen Chinas Anwendung. Der Zukunft ihrer Produkte auf dem chinesischen Markt sieht die Managerin voller Zuversicht entgegen. "Denn einerseits verfügt unsere Firma über vorteilhafte Technik, andererseits ist China der Markt [für Messgeräte] mit größtem Potential. Eine Menge an chinesischen Industrieunternehmen werden unsere potentiellen Kunden, da sie Messgeräte brauchen, um sich den Forderungen an Umweltschutz und Energiesparung anzupassen," erläuterte Zhang. Wenn man durch den Bereich für industrielle Energiesparung geht, fällt ein großes Plakat von ABB ins Auge. Das Motto des Elektrotechnik-Konzerns klingt ambitioniert: "Den Energieverbrauch einer Stadt um 30 Prozent reduzieren? – Das geht!" Gong Xun, ein Mitarbeiter vom Stand des Schweizer Konzerns erklärte dem Journalisten, dieses Ziel sei erreichbar, wenn von Erzeugung über Transport bis zum Verbrauch der Energie neue Technik verwendet werde. "Beispielsweise werden circa 60 Prozent der Energie in der Industrie verbraucht, um Motoren anzutreiben. Jedoch könnte eine Menge dieser Energien eingespart werden, wenn man Frequenzumrichter an den Motoren installiert. Momentan setzen nur weniger als 20 Prozent der chinesischen Unternehmen bei der Produktion Frequenzumrichter ein," erklärte Gong. Allerdings habe sich die Situation in letzter Zeit stark verbessert, da die Regierung die Unternehmen mit hohem Energieverbrauch einschränkt und die Energieeffizienz fördert. Davon profitiere auch der Elektrotechnik-Konzern. Der Umsatz der Frequenzumrichter der Firma habe im vergangenen Jahr auf dem chinesischen Markt auch vor dem Hintergrund der Finanzkrise zugenommen, erklärte der Mitarbeiter des Konzerns.
Besucher bedienen das Modell eines Windkraftwerkes. (China.org.cn/Ren Bin) Doch zu der Frage, ob eine solche Messe wirklich zu Chinas Umweltschutz beitragen kann, sind die Besucher geteilter Meinung. Ein Besucher namens Liang ist seit über 20 Jahren in der Elektromechanik-Industrie tätig. Ihm zufolge gab es auch 2006 in China solche Veranstaltungen. Die Produkte der Branche, die heute gezeigt werden, haben sich im Vergleich zu den letzten Jahren nach seiner Beobachtung technisch nicht viel geändert. Dagegen haben sich die Preise drastisch erhöht. "Wenn man Geld hat, ist es nicht schwierig, gute Technik zu finden. Aber wie kann die gute Technik in der Industrie umgesetzt werden? Das ist die Frage. Kein Unternehmen will für den Umweltschutz hohe Kosten in Kauf nehmen. Die Regierung sollte nicht nur einen Technikzugang für die Unternehmen suchen," meint der Besucher. |



