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Auf ein besseres Leben zu
2004/04/30
Das Drei-Schluchten-Bauprojekt, das im Jahr 2009 fertiggestellt sein soll, erfordert die Umsiedlung von 1,13 Mio. lokalen Bewohnern. Bisher haben sich von den 724 000 Menschen, die bereits umgesiedelt wurden, die meisten in den umliegenden Gebieten niedergelassen, und weitere 140 000 Umsiedler sind inzwischen auf 11 Provinzen und regierungsunmittelbare Städte, darunter Shanghai und die Provinz Jiangsu, verteilt. Es ist bei weitem das größte Umsiedlungsprojekt, das jemals in China durchgeführt wurde. Kritiken im In- und Ausland lauten, dass es unfair sei, Familien aufzufordern, ihr traditionelles Zuhause und Leben für ein Stromversorgungsprojekt aufzugeben. Vielen der Umsiedler zufolge ist ihr neues Zuhause allerdings besser als ihr altes. Von Li Xiaorou Liu Anxing, ein 46jähriger Umsiedler aus dem Drei-Schluchten-Reservoirgebiet, ist bereits in sein neues Zuhause gezogen. Er und seine Familienmitglieder lebten einst in einem Dorf namens Taiping in der Provinz Hubei, welches das Dorf ist, das in unmittelbarer Nachbarschaft zum Drei-Schluchten-Damm liegt. Lius ehemaliges Haus ging unter Wasser, als am 1. Juni begonnen wurde, das Reservoir mit Wasser zu füllen. Es ist nicht schwer gewesen, Liu für ein Interview ausfindig zu machen. Seine Telefonnummer ist zusammen mit der von anderen Umsiedlungsfamilien von der Lokalregierung aufgelistet worden. In der Tat ist es das erste Mal, dass Liu eine Telefonnummer hat. „Dank des Umsiedlungsprojekts kann ich mir die Ausgaben für einen Telefonanschluss leisten", sagte Liu gegenüber Beijing Rundschau. Die Familie hatte nicht sehr weit weg zu ziehen. Ihr neues Zuhause liegt in Boshuwan, einem Ort 180 m oberhalb des Reservoirs. Jetzt lebt die Familie in einem 240 qm großen zweistöckigen Wohnhaus. Ein Weinstock voller Früchte umringt einen schönen Garten vor dem Haus. „Ich habe 29 000 Yuan als Umsiedlungszuschuss von der Regierung erhalten, als wir im August 1995 umzogen. Mein ehemaliges Haus war ein niedriger Scheunenbau aus Holz und Schlamm. Mehr als 50 Jahre lang hatten Generationen meiner Familie dort gelebt", sagte Liu. Im März 1995 hielten lokale Funktionäre ein Treffen ab, um die Umsiedlung der Einwohner in der Nähe des Dammes zu mobilisieren. Als Reaktion auf den Aufruf, dass alle Bewohner, die unter dem Wasserspiegel von 90 m lebten, vor Dezember 1996 wegziehen müssten, übernahm Liu die Führung in der Umzugsaktion, und mehr als 30 seiner Nachbarn folgten seinem Beispiel und beendeten die Umsiedlung vor dem gesetzten Stichtag. Liu hat seit dem Umzug in seinem Leben mehrere Veränderungen erlebt. Außer seinem neuen schlammfreien Haus hat er jetzt zum ersten Mal Leitungswasser und muss nicht länger täglich Wasser aus dem Fluss holen. Darüber hinaus bringen die asphaltierte Straße in der Nähe seines Hauses, das Telefon und die Satellitenantenne auf dem Dach seines Hauses seinem Leben mehr Bequemlichkeit und Freude. An dem Tag, an dem das Drei-Schluchten-Reservoir begann, Wasser zu speichern, ging Liu zurück, um seinen Blick auf seine alte Wohnstätte zu werfen, die bereits mehr als 30 m unter Wasser stand. Auf seinem Weg nach Hause sah er einen kleinen jungen Nussbaum und beschloss, ihn vor dem kommenden Wasser zu retten und vor seinem Haus einzupflanzen. Von der Hügelseite in der Nähe seines Hauses kann Liu den neuen Drei- Schluchten-Damm und das Reservoir sehen, das sein altes Haus enthält. Er äußerte jedoch, dass der Anblick ihn nicht mit Sehnsucht nach seinem alten Leben erfülle. „Das Drei-Schluchten-Projekt wird sofort eine Rolle für die Schifffahrt und die Stromerzeugung spielen, unsere Umsiedlung ist dies wert", sagte Liu. Die Umsiedlung habe die lokalen Bewohner in die Lage versetzt, mindestens 10 Jahre weiter in die Zukunft zu gehen, sagte ein Regierungsbeamter. In Wanzhou, zur regierungsunmittelbaren Stadt Chongqing gehörend, und den Kreisen Wushan und Yunyan ist der Lebensstandard der meisten ländlichen Umsiedler gravierend verbessert worden. Viele ländliche Umsiedler haben neue Häuser gebaut, indem Vorteile aus den Zuschüssen von der Regierung und ihren eigenen Ersparnissen gezogen wurden, und viele Familien haben jetzt besseren Zugang zu Transport, Wasser, Elektrizität und Fernmeldewesen. Die endgültige Erhebung über die zweite Phase des Umsiedlungsprojekts, durchgeführt vom Staatsrat, zeigte, dass im Reservoirgebiet 162 neue Wohngebiete für umgesiedelte Familien mit Fernstraßen verbunden sind, über 70% der Familien haben Leitungswasser, und einige können sogar Naturgas anstatt Feuerholz, eine mehrere Jahrtausend alte Praxis, nutzen. Verglichen mit Familien, die in ländliche Gebiete gezogen sind, sind die Menschen, die in Städte umgesiedelt wurden, Zeugen von noch größeren Verbesserungen ihres Lebensstandards geworden. Die Familien zogen in gartenähnliche Wohnareale in einer sauberen Umwelt, ausgestattet mit Kabelfernsehen und einem Telefon sowie Naturgas. Jeden Morgen um 6.20 Uhr gehen die 70jährige Huang Dejin und ihr Ehemann zum Dorfplatz ihrer neuen Gemeinde im Kreis Yunyang, um im Morgensonnenschein tänzerische Gymnastik zu machen. Der Platz ist nicht riesig, die Leute kommen hier jedoch zusammen, um zu plaudern, Gymnastik zu treiben und sich mit leichter Musik und graziösem Tanz zu vergnügen. Die Luft sei frisch, die Nachbarn seien nett und die neue Gemeinde sei weitaus besser als die alte in der Nähe der Drei Schluchten, sagte Huang. Huangs neues Zuhause ist eine 95 qm große Drei-Zimmer-Wohnung, ausgestattet mit einem Kühlschrank, einem Fernseher und einer Hifi-Anlage. Sie sagte, sie sei sehr zufrieden mit ihren gegenwärtigen Lebensumständen und hoffe, dass das Drei-Schluchten-Projekt schnell fertiggestellt werden möge, damit andere Bewohner, die ebenfalls umgesiedelt werden müssten, sich ebenfalls der gleichen Vergünstigungen wie sie erfreuen könnten. Mit der Fertigstellung des gigantischen Projekts werden 632 qkm Land, zwei Städte, 11 Kreise und 116 Gemeinden unter Wasser gesetzt sein. Neue Gemeinden werden für die Bewohner unweit über der neuen Wasserlinie gebaut werden. Das Drei-Schluchten-Projekt, das die Umsiedlung von 1,13 Mio. lokalen Anwohnern erfordert, ist das größte Projekt seiner Art in der Welt. Neues Aussehen für das Drei-Schluchten-Gebiet Das großangelegte Umsiedlungsprojekt begann 1993. Auf langfristige Prosperität und soziale Stabilität abgezielt, entschädigt die chinesische Regierung die Umsiedler für deren Verlust ihres Zuhauses und für Ausgaben wie Wasser und Elektrizität in ihren neuen Wohnhäusern. Aufgrund der besonderen geologischen Bedingungen ist das Drei-Schluchten-Gebiet eines der 18 ärmsten Gebiete in China, gekennzeichnet durch eine inadäquate Infrastruktur und eine langsame wirtschaftliche Entwicklung. Gehemmt durch hohe Berge und steile Hänge, haben die Bauern in dem Gebiet nur kärgliche Äcker, auf denen sie ihr Getreide anbauen. Mit den schrumpfenden Wäldern ist das Ökosystem schwächer geworden. Statistiken zeigen, dass 62% des dortigen Bodens erodiert ist, wodurch pro Jahr 155 Mio. Tonnen Sand freigesetzt werden, 40 Mio. Tonnen davon fließen in den Jangtse. Seit dem Start des Umsiedlungsprojekts im Jahr 1993 sind die schlechten Transport- und Lebensbedingungen des Drei-Schluchten-Gebietes gravierend verbessert und die lokale Industrie und Landwirtschaft sind restrukturiert worden. Die Bauern haben begonnen, dem Vieh qualitativ hochwertiges Futter zu geben und effektive Agrarprodukte zu erzeugen, anstatt nur Getreide anzubauen. Viele Kreise haben stark verschmutzende Kleinbetriebe geschlossen und kostengünstige, hocheffiziente und umweltfreundliche Industrien entwickelt. Bis Ende März dieses Jahres waren insgesamt 724 000 Bewohner umgesiedelt. Im Jahr 2002 verdreifachte sich das BIP von 21 Bezirken und Kreisen im Drei-Schluchten-Gebiet fast gegenüber 1993, und das Pro-Kopf-Nettoeinkommen der Bauern verdoppelte sich. Bemerkenswerte Verbesserungen wurden auch im Leben der städtischen Bewohner gemacht. Eine Stichprobenerhebung in Chongqing zeigte, dass das Pro-Kopf-Nettoeinkommen der Bauern im Drei-Schluchten-Gebiet bereits 2339 Yuan erreicht hat, 11% höher als der Durchschnitt der Stadt. Das Umsiedlungsprojekt ist nicht immer reibungslos verlaufen. Ursprünglich ermutigte der Staat die Bewohner, in nahegelegene Orte zu ziehen, und veröffentlichte einen Entwurf, der eine Straße vor und einen Garten hinter den neuen Häusern enthielt. Allerdings begannen einige Kreise, auf wiedergewonnenem nutzlosen Land an Hängen mit einer Neigung von 25 Grad zu bauen. Sie fällten Bäume und trieben Anbau an den Hängen, was zu Bodenerosion und einer Gefahr für die Umwelt und das zukünftige Leben der Umsiedler führte. Um mit diesem Problem fertig zu werden, begann die Zentralregierung 1999, die Umsiedler zu ermutigen, neue Häuser in Shanghai und in der Provinz Guangdong zu bauen. Viele Umsiedler hatten ihr Leben völlig umzukrempeln, als sie von den bergigen Gebieten in die Ebenen zogen und vom Orangen- und Maisanbau zum Anbau von Baumwolle und Reis wechselten. Li Anchun, einem Umsiedler, der jetzt in der Stadt Dafeng in der Provinz Jiangsu lebt, wurde ein Stück Land mit einer Fläche von 0,73 Hektar zugeteilt. Er baute Baumwolle, Maulbeeren und Treibhausgemüse an und legte einen Garten an. Andere Umsiedler gründeten eine Weinkellerei, andere öffneten Restaurants und wieder andere starteten Transportunternehmen. Manchmal geht ein Umzug mit größerem persönlichen Profit einher. Chen Hu, der jetzt in der Stadt Weifang in der Provinz Shandong lebt, führte zuvor ein armes und einsames Leben im Drei-Schluchten-Gebiet. Er hatte kaum Hoffnung auf eine Ehe in der Zukunft. Nichtsdestotrotz half ihm die Lokalregierung, sogar eine Frau zu finden, nachdem er in ein geräumiges Haus in Weifang, ausgestattet mit Möbeln und einem Farbfernseher, gezogen war. „Ohne die großartige Umsiedlungspolitik der Regierung hätte ich nicht dieses glückliche Leben haben können", sagte Chen. Die chinesische Regierung hat arrangiert, dass 10 wirtschaftlich entwickelte Provinzen und die regierungsunmittelbare Stadt Shanghai Umsiedler aufnehmen müssen, und einen Sonderfonds für die Umsiedlung bereitgestellt. Die Lokalregierungen haben ebenfalls Land zur Verfügung gestellt, Wohnviertel für die Umsiedler gebaut und Begünstigungsmaßnahmen implementiert, darunter medizinische Versorgung und Schulen für die Kinder. Aber ganz gleich, wo sie auch hinzogen und wie gut ihr neues Leben auch sein mag, viele Umsiedler sagten, dass sie ihre Heimatdörfer niemals vergessen würden. Yi Meigui, der vom Dorf Sanyicun wegzog, litt in seiner neuen Vier-Zimmer-Wohnung in der Stadt Jinjiang in der Provinz Hubei an Heimweh. Seine Familie lebt jetzt in besseren Verhältnissen, und er selbst hat ein kleines Geschäft und eine Weinkellerei eröffnet und züchtet über 10 Schweine. Während der Ernte nutzen sie jetzt eine Mähmaschine anstatt einer Sichel. Trotz alledem, sagte er, vermisse er die melodiösen Gesänge der Steuermänner und die weißen Segel der Boote, die an seiner Kindheitsheimat vorbeipassierten. Yan Wenjun, der vom Kreis Zhongxian, Chongqing, in die Stadt Jingzhou, Hubei, zog, äußerte: „Heimweh ist eine Art Freude. Je mehr wir unsere Heimat vermissen, desto glücklicher sind wir, wenn wir wieder nach Zuhause zurückkehren." Heimweh ist keinem Umsiedler unbekannt, ganz gleich, wie gut ihr Leben in der Zukunft auch sein mag. Sie werden die Drei Schluchten und ihr vergangenes Leben niemals vergessen."
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