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Das Drei-Schluchten-Projekt: Gewaltiger Fortschritt
2004/04/30
Das Drei-Schluchten-Projekt – der größte Dammbau in der Weltgeschichte, ein jahrhundertüberschreitendes Unternehmen, ein beispielloses Projekt, das eine Schlüsselrolle für die Nutzbarmachung und Ausbeutung des Jangtse, des längsten Flusses Chinas, spielen wird – ganz gleich, wie man es auch beschreiben wird, es ist eine monumentale Aufgabe. Das Projekt soll zuverlässige und kostengünstige Elektrizität an die wirtschaftlich entwickelten, aber energiearmen zentralen und östlichen Gebiete Chinas liefern und die Nutzung von 40-50 Mio. Tonnen Rohkohle zur Verbrennung pro Jahr mit sauberer, erneuerbarer Energie ersetzen. Nach Fertigstellung des Projekts wird der Jingjiang-Abschnitt am Mittellauf des Jangtse, der jedes Jahrzehnt durch verheerendes Hochwasser bedroht ist, in der Lage sein, auch den schlimmsten Überschwemmungen standzuhalten. Die Transportkapazitäten auf dem 660 km langen Abschnitt von Yichang nach Chongqing werden nach der Fertigstellung des Projekts bemerkenswert verbessert sein, wodurch es für 10 000 Tonnen schwere Schiffe möglich sein wird, stromaufwärts direkt nach Chongqing zu fahren. Die jährliche Flusstransportkapazität soll von 10 Mio. auf 50 Mio. Tonnen steigen, wobei eine Abnahme der Transportkosten um 35-37% einhergehen soll. Das Projekt soll die Entwicklung der Fischereiindustrie im Reservoir-Gebiet, den lokalen Tourismus und die Realisierung des Projekts zur Wasserableitung von Süd nach Nord ankurbeln. Gibt es jegliche Kehrseite für dieses Projekt? Sie werden keine Beschwerden vonseiten chinesischer Experten zu hören bekommen. Von Li Xiaorou Nach 10 Jahren des Baus begann das Drei-Schluchten-Projekt (DSP) am 1. Juni dieses Jahres, Wasser zu speichern. Der Wasserspiegel erreichte am 10. Juni, fünf Tage vor dem gesetzten Stichtag, 135 m. Cao Guangjing, Vizegeneralmanager der China Yangtze Three Gorges Project Development Corp., zufolge bedeutet das schnellere Tempo, dass das riesige Investment in das gigantische Projekt sich bald auszahlen werden wird. „Zwischen 2003-09 werden jedes Jahre neue Generatorenaggregate am Damm in Betrieb gehen, was einen Profit in Höhe von insgesamt 67 Mrd. Yuan mit sich bringen wird", sagte Cao. „Dies plus der massiven Rolle bei der Hochwasserkontrolle und der Verbesserung der Schifffahrtsbedingungen werden den enormen Nutzen des DSP vollständig demonstrieren." Das DSP wurde von der 5. Tagung des VII. Nationalen Volkskongresses im April 1992 bewilligt. Die Bauarbeiten begannen 1994 und die vollständige Fertigstellung ist für 2009 geplant, wobei schätzungsweise ein Investment von 180 Mrd. Yuan involviert ist. Die Baustelle des DSP befindet sich im mittleren Abschnitt der Xilingxia-Schlucht am östlichen Ende der Drei Schluchten. Der Damm liegt bei Sandouping in Yichang in der Provinz Hubei. Nach der Fertigstellung wird das Reservoir mit einem normalen Wasserspiegel von 175 m insgesamt eine Speicherkapazität von 39,3 Mrd. Kubikmeter haben, darunter beträgt die Hochwasserspeicherkapazität 22,15 Mrd. Kubikmeter. Die installierte Stromerzeugungskapazität wird sich auf 18,2 Mio. Kilowatt belaufen, dabei werden jährlich 84,7 Mrd. kWh erzeugt werden. Die Idee für einen Damm am Oberlauf des Jangtse war bereits vor nahezu 100 Jahren geboren. Auch wenn die Argumente dagegen in den folgenden Jahren stets stark vertreten waren, ist der zu erwartende Nutzen des Projekts, was die Stromerzeugung, die Hochwasserkontrolle und die Schifffahrt anbelangt, schließlich eine unbestrittene Tatsache. Die Hälfte Chinas beleuchten Im August dieses Jahres werden die ersten beiden Generatorenaggregate des DSP beginnen, in Betrieb zu gehen, im Oktober werden die nächsten beiden Aggregate folgen. Ende des Jahres sollen sie 5,5 Mrd. kWh an Elektrizität erzeugen. In den folgenden sechs Jahren sollen dann vier weitere Generatorenaggregate jährlich in Betrieb gehen. „Es wird so sein, als ob jedes Jahr ein neues Gezhouba-Kraftwerk gebaut und in Betrieb gehen würde", erklärte ein Experte der China Yangtze Three Gorges Project Development Corp. Gezhouba, 38 km stromabwärts vom Drei-Schluchten-Damm gelegen, war einst das größte Wasserkraftprojekt des Jangtse mit einer Jahreserzeugungskapazität von 14,09 Mrd. kWh. Wenn alle 26 Generatorenaggregate in Betrieb sein werden, wird die jährliche Erzeugungskapazität des DSP sich auf insgesamt 84,7 Mrd. kWh belaufen, was 10 Atomkraftwerken der Größe des Atomkraftwerks Daya Bay in der südchinesischen Provinz Guangdong oder 10 Thermalkraftwerken mit einer installierten Kapazität von 2 Mio. kWh entspricht. Jedes der Aggregate würde jährlich 3,2 Mrd. kWh an Elektrizität erzeugen, was genug ist, um den Bedarf einer Stadt mit einer Einwohnerzahl von 1 Mio. Menschen zu befriedigen. Mit dem Plan, dass 1 kWh einen Outputwert von 6 Yuan produzieren soll, werden die wirtschaftlichen Ergebnisse enorm sein. Weite Gebiete werden von der vom DSP erzeugten Elektrizität profitieren. Dieses Jahr wird es zunächst acht Provinzen und regierungsunmittelbare Städte in Ost- und Zentralchina versorgen, nämlich Shanghai, Zhejiang, Hubei, Hunan, Jiangsu, Anhui, Henan und Jiangxi, um deren Strommangel zu beheben. Ab nächstem Jahr wird seine Deckung alle Großstädte und industriellen Stützpunkte außer denjenigen in den Provinzen Liaoning, Jilin, Heilongjiang und Hainan sowie dem Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang, dem Autonomen Gebiet Tibet und Taiwan umfassen. Zhang Chaoran, Chefingenieur der China Yangtze Three Gorges Project Corp., sagte voraus, dass Shanghai, das größte Business-Zentrum des Landes, als erstes von der DSP-Energie profitieren werde. In den ersten vier Monaten dieses Jahres belief sich Shanghais Stromverbrauch auf mehr als 22 Mrd. kWh, ein Plus von 18% gegenüber dem vorhergehenden Jahr. Diesen Sommer wird die höchste Elektrizitätsbelastung der Stadt auf 13,6 Mio. kW geschätzt, eine Zunahme von 1,25 Mio. kW gegenüber dem Jahr zuvor, wodurch ein Angebot-Nachfrage-Mangel von 1 Mio. kW auftreten wird. Die in den Drei Schluchten erzeugte Elektrizität wird helfen, dieses Problem anzugehen. Die Stromerzeugung des DSP hat einen gewaltigen Wettbewerbsvorteil. Ein Funktionär, zuständig für die China Yangtze Three Gorges Project Development Corp., sagte, der Verkaufspreis der Elektrizität vom DSP würde den der lokalen Kraftwerke nicht übertreffen. Nach sorgfältigen Recherchen und Kalkulationen hat die Regierung den DSP-Strompreis für das landesweite Stromnetz gegenwärtig bei 0,25 Yuan pro kWh festgesetzt; der landesweite Durchschnittsstrompreis beträgt sonst 0,29 Yuan. Es wird erwartet, dass bis 2009 der Gesamtertrag der DSP-Stromerzeugung 67 Mio. Yuan erreichen wird, was ein Drittel des Gesamtinvestments des Projekts decken können wird. Die riesigen Erträge werden in die Folgeentwicklung der Wasserkraftressourcen am Oberlauf des Jangtse eingesetzt werden. Die China Yangtze Three Gorges Project Development Corp. plant, weitere vier gigantische Wasserkraftwerke zu bauen, nämlich Wudongde, Baihetan, Xiluodu und Xiangjiabai, alle am Oberlauf des Jangtse. Ihre kombinierte installierte Kapazität wird 38,5 Mio. kWh übertreffen, was das Doppelte der des DSP sein wird. Darüber hinaus ist das DSP auch die Schlüsselverbindung für Chinas West-Ost-Stromübertragungsprojekt, das bereits entlang dem Jangtse im Gange ist. Wenn das DSP und andere Wasserkraftprojekte am Oberlauf des Flusses fertiggestellt sind, dann, so sagen Experten voraus, werde das Stromübertragungsprojekt das größte der Welt sein und die dichtesten direkten Stromübertragungsleitungen haben. Nach der Fertigstellung wird die jährliche Elektrizitätserzeugungskapazität des DSP 50 Mio. Tonnen an Rohkohle zur Verbrennung ersetzen und den Treibhauseffekt und den Sauren Regen im Land effektiv reduzieren. Die Ressourceneinsparung und die verschmutzungsfreie Energie würden sicherlich eine bedeutende Rolle in der Vorantreibung Chinas Industrialisierung auf eine umweltfreundliche Weise spielen, sagten Experten. Das Hochwasser kontrollieren Die Überschwemmungen am Jangtse sind stets eine der gefährlichsten Bedrohungen für das Leben und das Zuhause der chinesischen Nation gewesen. Der Fluss wurde in der mehr als 2000 Jahre zählenden Geschichte von der Han-Dynastie (206 v. Chr.-220 n. Chr.) bis zur Qing-Dynastie (1644-1911) von 214 großen Hochfluten heimgesucht. Alle zehn Jahre kam es zu einer besonders großen Überschwemmung. Im Jahr 1998 flossen acht einzelne Hochfluten des Oberlaufs in die bereits viel Wasser führenden Mittel- und Unterläufe, was verheerende Überflutungen in weiten Ebenen verursachte. Insgesamt 1075 Uferbefestigungen brachen zusammen, was 2,29 Mio. Anwohner in Mitleidenschaft zog und 1562 Menschenleben forderte. Die Nation mobilisierte 6,7 Mio. Menschen im Kampf gegen die Katastrophe. Die häufigen Hochfluten rühren hauptsächlich von der Tatsache her, dass in der Hochwassersaison das Wasser, das im Unterlauf des Jangtse fließt, über die Speicher- und Abflusskapazität der Mittel- und Unterläufe des Flusses hinausgeht. Sobald das Drei-Schluchten-Reservoir installiert ist, wird der massive Wasserfluss vom Oberlauf effektiv absorbiert und in Schranken gehalten werden können. Zheng Shouren, ein Akademiker der Chinesischen Akademie der Ingenieurwissenschaften, sagte, dass, wenn der Wasserspiegel im Drei- Schluchten-Reservoir auf 175 m steige, dessen Flutwasserspeicherkapazität 22,15 Mrd. Kubikmeter erreichen würde. Dies würde der kombinierten Kapazität von vier Flussumleitungsgebieten entlang des Jingjiang-Flusses am Mittellauf des Jangtse entsprechen. Experten zufolge würden die direkten Flutkontrolleinsparungen durch das DSP durchschnittlich 2,2-2,5 Mrd. Yuan in normalen Jahren betragen, und in Jahren mit ungewöhnlich starken Niederschlägen könnte das DSP zig Mrd. Yuan an Verlusten retten. Auf der anderen Seite sei die Schlammansammlung im Fluss ein weiterer wichtiger Grund für die Überflutungen am Mittellauf des Jangtse, sagten Forscher. Nie Fangrong, ein Wasserschutzexperte, äußerte, dass sich in den letzten fünf Jahrzehnten fast 5 Mrd. Kubikmeter Schlamm im Jangtse-Lauf angesammelt hätten, was durchschnittlich fast 100 Mio. Kubikmeter pro Jahr seien. Wenn das Drei-Schluchten-Reservoir beginnen wird, Wasser zu stauen, wird erwartet, dass sich mehr Schlamm aus dem Oberlauf dort ansammeln wird. Als Teil einer permanenten Lösung plant die China Yangtze Three Gorges Project Development Corp., einen Damm am unruhigen Jinshajiang, einem der führenden Nebenflüsse des Jangtse an dessen Oberlauf, nach Fertigstellung des DSP zu bauen. Mit einer mehrschichtigen Schlammbehandlung und Aufforstungs- und Bodenschutzprojekten, die am Oberlauf ausgeführt werden, wird die Schlammansammlung im Dongtinghu-Seegebiet am Mittellauf des Jangtse verbessert werden. Den „goldenen Wasserweg" fördern Mit dem Füllen des Drei-Schluchten-Reservoirs ist eine ständige Schiffsschleuse an dessen Damm offiziell geöffnet werden. Unterdessen sind die Schifffahrtsbedingungen des Jangtse stromaufwärts des Damms gravierend verbessert worden. In der Vergangenheit war ein 550 km langer Abschnitt des 660 km langen Wasserweges von Yichang am Mittellauf des Jangtse nach Chongqing am Oberlauf des Jangtse aufgrund von emporragenden Riffen, Felsen unter Wasser, Stromschnellen und Untiefen berüchtigt gefährlich für die Schifffahrt gewesen. Nur 1500 Tonnen schwere Schiffe konnten diesen Abschnitt passieren. Erhebungen und Kalkulationen zeigen, dass, wenn der Wasserspiegel im Reservoir auf 135 m ansteigt, die Wassertiefe in den Drei Schluchten um 50-60 m steigen wird. Folglich werden die meisten Stromschnellen und Untiefen verschwinden, und der Wasserfluss wird langsamer werden, was für die Beschleunigung der Navigation günstig ist und Kosten reduzieren und die Sicherheit heben wird. Wenn der Wasserspiegel weiter auf 175 m im Jahr 2009 steigen wird, wird es für 10 000 Tonnen schwere Schiffe möglich sein, stromaufwärts direkt nach Chongqing zu fahren. Die jährliche Flusstransportkapazität wird von den gegenwärtigen 10 Mio. Tonnen auf 50 Mio. Tonnen steigen, während die Transportkosten um 35-37% fallen werden. Dann, so Experten, würde der Jangtse seinem Ruf als der „golden Wasserweg" des Landes wirklich gerecht werden und die Transformation der Ressourcenvorteile der westlichen Gebiete des Landes in wirtschaftliche Stärke ermöglichen.
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