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Rede des Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping in der Körber-Stiftung
2014/04/02

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(Es gilt das gesprochene Wort)

 

Rede des Staatspräsidenten der Volksrepublik China

Xi Jinping in der Körber-Stiftung

Berlin, 28. März 2014

 

Sehr geehrter Herr Bundespräsident a.D. von Weizsäcker,

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler a.D. Schmidt,

Sehr geehrter Herr stellvertretender Vorstandsvorsitzender Dr. Wehmeier

meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde,

 

guten Tag allerseits! Es ist mir eine große Freude, auf Einladung von Bundespräsident a.D. von Weizsäcker und der Körber-Stiftung mit Ihnen zusammenzukommen. Zuerst möchte ich mich bei der Körber-Stiftung für ihren Einsatz und Beitrag zum besseren Kennenlernen und Verstehen zwischen China und Europa herzlich bedanken!

 

Ich habe Deutschland vor fünf Jahren schon einmal besucht,. Es war eine Zeit, in der die internationale Finanzkrise immer weitere Kreise zog, die ersten Anzeichen der europäischen Schuldenproblematik sich zeigten, und weitgehende Unsicherheiten in der Weltwirtschaft herrschten. Man hatte das Gefühl, dass dunkle Wolken am Horizont aufzogen. Genau während jenes Besuchs haben China und Deutschland beschlossen, die Zusammenarbeit in allen Bereichen auf ein höheres Niveau zu heben und durch entschlossenes Handeln die Schwierigkeiten gemeinsam zu überwinden.

 

Fünf Jahre danach stelle ich mit Freude fest, dass Europa bei der Bewältigung der Staatsschuldenkrise Fortschritte gemacht hat und dass sich die Zeichen einer wirtschaftlichen Erholung verdichten. Als Stabilitätsanker der europäischen Wirtschaft und Motor der europäischen Integration hat Deutschland dabei eine Schlüsselrolle gespielt und hat dafür weltweit Lob und Anerkennung erhalten. Zusammen mit Deutschland und Europa ist China gegen die Folgen der Weltfinanzkrise vorgegangen und verbuchte dabei Erfolge. Das erfüllt uns mit großer Freude.

 

Das heutige chinesisch-deutsche Verhältnis ist so gut wie noch nie zuvor. Der bilaterale Austausch und die Zusammenarbeit haben eine beispiellose Breite, Tiefe und Dichte erreicht. Es hat sich auch gezeigt, dass gegenseitige Ergänzung und gemeinsame Entwicklung nicht nur zum Wohlergehen beider Länder und Völker beitragen, sondern auch wichtige Impulse für Frieden und Entwicklung in der Welt geben können.

 

Meine Damen und Herren, liebe Freunde,

warum stehen der Austausch und die Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland dort, wo sie heute sind? Meiner Meinung nach liegt es vor allem an der Einsicht beider Seiten, dass Länder mit unterschiedlicher Geschichte, Kultur und unterschiedlichem Gesellschaftssystem einander verstehen, offen und ehrlich miteinander umgehen, dem Gegenüber zuhören und sich in die Lage des anderen hineinversetzen.

 

Gegenseitiges Kennenlernen und Verstehen ist die Basis für die Förderung der zwischenstaatlichen Beziehungen. Je besser man sich kennt und je tiefer das gegenseitige Verständnis ist, desto fester und umfangreicher wird die Grundlage der Zusammenarbeit und des Austauschs.

 

Es ist Ihnen allen bekannt, dass die Wirtschaftsleistung Chinas nach der rasanten Entwicklung von mehr als 30 Jahren Reform und Öffnung nun weltweit an zweiter Stelle steht. Angesichts der zunehmenden Größe Chinas machen sich manche Leute Sorgen. Es gibt auch Personen, die China immer durch eine gefärbte Brille betrachten und in einem sich entwickelnden China eine „Bedrohung" sehen. Sie versuchen, China als „Mephisto" abzustempeln, der eines Tages die Welt ihrer Seele berauben könnte. Zwar klingt eine solche Behauptung wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht, aber bedauerlicherweise werden manche diesem Gerede nie überdrüssig. Das beweist einmal mehr, dass Vorurteile oft sehr schwer auszuräumen sind.

 

Ein tiefer Blick in die Geschichte der Menschheit zeigt, dass nicht die Entfernung, die Berge und Seen die Menschen trennen, sondern die Mauer in der gegenseitigen Wahrnehmung. Von Gottfried W. Leibniz stammt der Satz: „Tauschen wir unsere Gaben aus und entzünden wir Licht am Lichte."

 

In diesem Sinne möchte ich Chinas Bekenntnis zum friedlichen Entwicklungsweg mit ein paar Überlegungen zu Chinas Reform und Entwicklung aufgreifen, in der Hoffnung, dass Sie China besser kennen lernen und verstehen.

 

Schon vor langer Zeit hat China der Welt feierlich erklärt: China geht unbeirrt den friedlichen Entwicklungsweg und setzt sich dafür ein, sich durch Wahrung des Weltfriedens zu entwickeln und durch die eigene Entwicklung den Weltfrieden zu wahren. Der Weg der friedlichen Entwicklung ist die Antwort Chinas auf die Frage der internationalen Gemeinschaft zur Entwicklungsrichtung der Volksrepublik, er ist auch der Ausdruck des Selbstvertrauens und Selbstbewusstseins des chinesischen Volks bei der Verwirklichung ihrer Entwicklungsziele. Dieses Selbstvertrauen und  Selbstbewusstsein entspringt der geschichtsträchtigen und reichhaltigen chinesischen Kultur sowie der Erkenntnis über die Bedingungen Chinas für die Zielerreichung. Nicht zuletzt ergeben sie sich aus dem Erfassen des globalen Entwicklungstrends.

 

Das chinesische Volk liebt den Frieden. Die tiefste Sehnsucht einer Nation ist nur durch die genaue Erforschung ihres über Jahrtausende entstandenen Nationalgeistes zu identifizieren. Die 5000 Jahre alte chinesische Kultur ist schon immer eine Friedenskultur gewesen. Das Streben nach Frieden, Eintracht und Harmonie ist Chinesen in Fleisch und Blut übergegangen. So lautet ein alter chinesischer Aphorismus: „ein kriegslustiges Reich, auch wenn so stark, ist zum Untergang verurteilt." Ferner sind zahlreiche Sprichwörter und Weisheiten von Generation zu Generation überliefert wie „Frieden ist das höchste Gebot", „miteinander in Eintracht leben trotz Unterschieden", „Schwerter zu Pflugscharen schmieden", „im friedlichen Land führt die Bevölkerung ein gesichertes Leben", „Gute Nachbarschaft ist lieb und teuer", „Frieden unter dem Himmel ist die Vorstufe zu einer harmonischen Welt." usw..

 

In der Geschichte zählte China lange Zeit zu den stärksten Ländern der Welt. Jedoch gibt es keine Nachweise über Chinas koloniale Expansionen oder Invasionen in andere Länder. Unser Bekenntnis zum friedlichen Entwicklungsweg geht ebenfalls auf die Jahrtausende alte, traditionelle chinesische Kultur zurück, die von Friedensliebe geprägt ist.

 

China hat sein Entwicklungsziel für die Zukunft bereits festgelegt, nämlich, bis 2020 das Bruttoinlandsprodukt und das Pro-Kopf-Einkommen der Stadt- und Landbevölkerung im Vergleich zu 2010 zu verdoppeln, den Aufbau einer Gesellschaft mit bescheidenem Wohlstand umfassend zu vollenden und bis Mitte des Jahrhunderts China zu einem modernen sozialistischen Staat aufzubauen, der wohlhabend, stark, demokratisch, kulturell entwickelt und harmonisch ist. Wir haben diese konkreten Inhalte umschrieben als den Chinesischen Traum, den Traum von der Renaissance der chinesischen Nation.

 

In China leben mehr als 1,3 Milliarden Menschen. Wenn wir es richtig angehen, können der Wohlstand und der „Glücksindex" als Ganzes schnell steigen. Aber es ist alles andere als einfach, den Wohlstand und den „Glücksindex" jedes Einzelnen zu steigern. Wird eine Mahlzeit, auch wenn noch so üppig, unter 8, 80 oder gar 800 Leuten verteilt, ergeben sich daraus völlig unterschiedliche Portionen. Wir sind uns dessen bewusst, dass China für längere Zeit immer noch das größte Entwicklungsland der Welt bleiben wird. Daher müssen wir weiter hart daran arbeiten, die Lebensbedingungen und -qualität der 1,3 Milliarden Chinesen zu verbessern. Wollen wir uns auf unsere eigene Entwicklung konzentrieren, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Zum einen ein harmonisches und stabiles Umfeld im Inland und zum anderen ein friedliches und ruhiges internationales Umfeld.

 

Die Geschichte ist der beste Lehrer. Sie zeichnet Fußspuren eines jeden Landes getreu auf und gibt jedem Land Aufschlüsse über die künftige Entwicklung. In den mehr als 100 Jahren zwischen dem Opiumkrieg 1840 und der Gründung der Volksrepublik 1949 war China häufig Schauplatz von Kriegen und militärischen Konflikten. Die zahlreichen Bürgerkriege und Invasionen der ausländischen Mächte haben unsägliches Leid über die chinesische Bevölkerung gebracht. Allein der Aggressionskrieg, der von japanischen Militaristen entfesselt wurde, hatte eine ungeheuerliche Katastrophe mit 35 Millionen chinesischen Opfern zu Folge. Dieser tragische Geschichtsabschnitt ist dem chinesischen Volk fest ins Gedächtnis eingebrannt.

 

Aber, „was du nicht willst, das man dir tu´, das füg auch keinem anderen zu." war und ist immer die Devise, die in China gilt. China braucht Frieden, genauso wie Menschen Luft brauchen und Pflanzen Sonnenschein. Nur wenn wir an dem Weg der friedlichen Entwicklung festhalten, nur wenn wir gemeinsam mit der internationalen Staatengemeinschaft den Weltfrieden wahren und sichern, können wir unsere Ziele erreichen und einen größeren Beitrag für die Welt leisten.

 

Der Vorreiter der chinesischen demokratischen Revolution Sun Yat-Sen hat gesagt: „Der globale Trend ist gewaltig. Folgt man ihm, ist man auf dem Weg des Erfolges, andernfalls geht man unter". Die Geschichte lehrt uns: Wenn ein Land prosperieren will, muss es den globalen Trend erfassen und ihm folgen. Andernfalls wird es von der Geschichte über Bord geworfen. Was ist nun der globale Trend heutzutage? Darauf gibt es nur eine Antwort, nämlich Frieden, Entwicklung und Zusammenarbeit zum gemeinsamen Nutzen. Die überkommene Logik, dass aufsteigende Mächte zwangsläufig nach Vorherrschaft streben, stößt bei uns nicht auf Akzeptanz. Kommen die, die auf Kolonialismus und Hegemonialbestrebungen in der heutigen Welt setzen, noch auf ihrem alten Pfad weiter? Die Antwort ist nein. Sie kommen nicht nur nicht weiter, sondern werden überall auf Granit beißen. Nur der friedliche Entwicklungsweg ist begehbar, daher wird China unentwegt diesen Weg gehen.

 

Die Fakten sprechen für sich. Seit Jahrzehnten verfolgt China stets eine unabhängige und selbstständige Außenpolitik des Friedens. Wir bekräftigen konsequent das Grundziel der chinesischen Außenpolitik, den Weltfrieden zu wahren und die gemeinsame Entwicklung zu fördern. Mehrmals hat China öffentlich erklärt, Hegemoniestreben und Machtpolitik jeglicher Art abzulehnen, sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen und nie nach Vorherrschaft und Expansion zu streben. So gibt es nicht nur entsprechende politische Vorgaben und einen entsprechenden institutionellen Rahmen, sondern wir handeln auch immer so. Selbstverständlich wird China seine Interessen in Sachen Souveränität, Sicherheit und Entwicklung entschieden wahrnehmen. Kein Land sollte darauf spekulieren, dass wir die bittere Pille der Verletzung unserer Interessen wie Souveränität, Sicherheit und Entwicklung schlucken werden.

 

Kurzum: Chinas Bekenntnis zum friedlichen Entwicklungsweg ist keine Notlösung, erst recht keine diplomatische Floskel, sondern eine Schlussfolgerung aus einem objektiven Urteil über Geschichte, Gegenwart und Zukunft, es stellt eine organische Einheit von Vertrauen in die Ideale, die wir vertreten und selbstbewusster Umsetzung dar. Der friedliche Entwicklungsweg kommt China und der Welt zugute. Eine Abweichung von diesem bewährten Weg entbehrt aus unserer Sicht jeder Rechtfertigung.

 

Meine Damen und Herren, liebe Freunde,

im letzten November wurde beim Dritten Plenum des 18. Zentralkomitees der KP Chinas ein Masterplan für die künftige Reform und Öffnung Chinas auf höchster politischer Ebene verabschiedet und ein Fahr- und Zeitplan für die Reform erstellt. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, den Sozialismus chinesischer Prägung zu verbessern und weiterzuentwickeln, die Modernisierung des staatlichen Verwaltungssystems und der Verwaltungsfähigkeiten voranzutreiben, um die langfristige Entwicklung Chinas auf ein besseres institutionelles Fundament zu stellen.

 

Im Moment arbeitet China daran, die Industrialisierung, den Einsatz von Informationstechnologie, die Urbanisierung und die landwirtschaftliche Modernisierung beschleunigt zu fördern. Dabei wird eine enorme Nachfrage nach Investitionen und Konsum angekurbelt. Mit einem Pro-Kopf-BIP von beinahe 7000 US-Dollar ist China in eine Phase der schnellen Weiterentwicklung  der Konsum- bzw. Industriestruktur eingetreten. 2013 hat der Anteil des Dienstleistungssektors zum ersten Mal den der Fertigungsindustrie übertroffen. Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass der Anteil und das Gewicht des Dienstleistungssektors weiter steigen, die Proportion der Branchen mit hohem Zusatzwert und der Hightech-Industrie ständig zunehmen und neue Konsum-Highlights und Wachstumsbereiche kontinuierlich entstehen werden. In den nächsten fünf Jahren wird China Güter im Wert von ungefähr zehn Billionen US-Dollar importieren und 500 Milliarden Dollar im Ausland investieren. Darüber hinaus werden 500 Millionen Chinesen zu Destinationen außerhalb des chinesischen Festlands reisen.


Der chinesische Philosoph Laotse hat einmal gesagt: „Ein großes Reich sollte sich stromabwärts halten." Das heißt, ein großer Staat sollte so offenherzig sein wie ein Strom am Unterlauf, der Hunderte Bäche aufnimmt. China möchte offener und aufgeschlossener Dialoge und Abstimmungen mit anderen verstärken und dabei den Stimmen der Welt genau zuhören. Wir hoffen, dass mit der  Zeit Vorurteile und Missverständnisse überwunden werden können. Wir hoffen, dass die anderen China objektiv, historisch und differenziert betrachten und damit ein umfassendes, echtes und buntes China-Bild bekommen.

 

China entwickelt sich keinesfalls auf Kosten der Interessen anderer Länder. Keinesfalls werden wir unser Süppchen am Feuer anderer kochen oder die Flut bei uns ins Nachbarland ableiten. Vom Grundsatz des Weltfriedens und der Entwicklung geleitet werden wir chinesische Weisheit zur Regelung der internationalen Beziehungen und chinesische Konzepte für die Verbesserung der Global Governance beisteuern, und Chinas Beitrag zur Bewältigung der Herausforderungen, vor denen die Menschheit im 21. Jahrhundert steht, leisten.

 

Meine Damen und Herren, liebe Freunde,

Chinesen und Deutsche sind zwei großartige Nationen, die die menschliche Zivilisation ein gutes Stück nach vorne gebracht haben. Deutschland hat sich nicht nur mit seiner hochentwickelten Wissenschaft und Technologie und modernen Fertigungstechnik weltweit einen Namen gemacht, sondern auch in den Bereichen Philosophie, Literatur und Musik zahlreiche große Persönlichkeiten hervorgebracht, deren Werke in China längst in aller Munde sind, z.B. die literarischen Werke und zeitlose Gedichte von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und Heinrich Heine. Daneben finden sich philosophische Diskurse von Gottfried W. Leibniz, Immanuel Kant, Georg W. Hegel, Ludwig Feuerbach, Karl Max, Martin Heidegger, Herbert Marcuse und wohlklingende Melodien von Johann S. Bach, Ludwig van Beethoven, Robert Schumann und Johannes Brahms. Diese Meisterwerke haben vielen chinesischen Leserinnen und Lesern, Hörerinnen und Hörern und mir selber Freude gebracht, uns die Kraft des Denkens spüren lassen und unsere Erkenntnisse über die Welt und das Leben vertieft.

 

Ein deutsches Sprichwort lautet: „Berg und Tal kommen nicht zusammen, wohl aber die Menschen." Ja, die Menschen in China und Deutschland verbindet eine lange Geschichte freundschaftlicher Kontakte. In diesem Moment sind meine Gedanken bei einem deutschen Freund, der bei den Chinesen große Verehrung genießt. Sein Name ist John Rabe. 1937 eroberten japanische Militaristen die chinesische Stadt Nanking. Dort haben sie ein ungeheuer grausames Blutbad angerichtet, dem mehr als 300.000 Chinesen zum Opfer fielen. In jener äußerst gefährlichen Situation errichtete Herr Rabe zusammen mit anderen Ausländern die „Sicherheitszone Nanking", die mehr als 200.000 Chinesen Unterschlupf bot. Sein Tagebuch mit detaillierten Schilderungen der Vorgänge des Massakers lieferte wichtige Beweise für die Untersuchung dieser Geschichte. 1996 wurde das von China und Deutschland gemeinsam gegründete John-Rabe-Haus eröffnet. Ende letzten Jahres wurde die von der Nankinger Stadtregierung finanzierte Grabstätte von John Rabe in Berlin eingeweiht. Chinesen gedenken Herrn Rabe wegen seiner großen Liebe zum Leben und seines Einsatzes für den Frieden.

 

In diesem Moment denke ich auch an einen anderen deutschen Freund: an den Weinexperten Norbert Goerres. Zwischen 2000 und 2009 war er mit seinem Assistenten Hans-Werner Beu 17 Mal in Zaozhuang, Provinz Shandong. Er hat den Winzern dort Anbau- und Veredlungstechniken der Weintrauben beigebracht und seine Jahrhunderte alte Familienmarke den lokalen Weinkellereien unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus haben Herr Goerres und Herr Beu acht Schülerinnen und Schüler aus armen Familien gefördert. 2007 erkrankte Herr Beu an Krebs. Auch auf dem Sterbebett liegend hat er nicht vergessen, dass seine zwei Patenkinder noch die Mittelschule besuchten. Er bat Herrn Goerres, 2000 Yuan an die beiden weiterzuleiten. Als Herr Goerres am 1. August 2008 den Kindern das Geld übergab, waren alle Anwesenden zu Tränen gerührt.

 

Beide Geschichten sind zwei bewegende Momentaufnahmen der tiefen Freundschaft zwischen Chinesen und Deutschen. Seit langer Zeit haben zahlreiche deutsche Freunde wichtige Beiträge zu den chinesisch-deutschen Beziehungen und zu Chinas Reform und Öffnung geleistet.

 

Das 21. Jahrhundert ist ein Jahrhundert der Kooperation. Dabei bestimmt die Herzensgröße den Umfang der Kooperation. Sowohl für China als auch für Deutschland sind die kommenden fünf bis zehn Jahre eine entscheidende Phase für Reform und Entwicklung. Mit der Vertiefung des Reformprozesses wird die bilaterale Zusammenarbeit mehr Schnittmengen aufweisen und kontinuierlich an neuer Dynamik gewinnen. Ich glaube, mit einem aufrichtigen Hand-in-Hand von "Made in Germany" und "Made in China" können wir nicht nur qualitativ hochwertige Produkte produzieren, sondern vielmehr zur Steigerung des Glücks und zur Bildung von Idealen der Menschen in unseren beiden Ländern beitragen. Eine verstärkte Zusammenarbeit der größten Volkswirtschaften in Asien und Europa wird die Weltwirtschaft sicher positiv beeinflussen.

 

Meine Damen und Herren, liebe Freunde,

in diesem Jahr jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal und der des Zweiten Weltkrieges zum 75. Mal. Der deutsche Dichter Gotthold E. Lessing sagte: „Die Geschichte soll nicht das Gedächtnis beschweren, sondern den Verstand erleuchten." Bundeskanzler Willy Brandt sagte auch: „Wer die Vergangenheit vergisst, wird krank an seiner Seele." Wir Chinesen sagen: „Vergiss nicht die Erfahrung von gestern, sie ist eine Lehre für morgen." Aus den eigenen Erfahrungen ist dem chinesischen Volk die selbstbewusste Entscheidung erwachsen, einen friedlichen Entwicklungsweg zu gehen. Wir hoffen aufrichtig, dass alle Länder der Welt auch diesen Weg gehen und sich in engem Schulterschluss stark machen, eine harmonische Welt dauerhaften Friedens und gemeinsamer Prosperität aufzubauen.

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